Drei Künstler, die in der Basler Sammlung mit wichtigen Werken vertreten sind, was einst beinahe misslang. Newman wurde erfolglos von einem Basler Flachmaler torpediert und der Schenkung der Dan-Flavin-Installation, die sich heute im Hof des Museums befindet, begegnete man mit dem Argument, annehmen könne man sie, einzuschalten brauche man sie nicht.

Bildreformatorische Konzepte

Sieben Räume umfasst die Ausstellung, Mondrian und Flavin flankieren über die Eckräume Barnett Newmans Werke, die in drei Räumen der Enfilade zu sehen sind. Dabei zeigt Bernhard Mendes Bürgi ein besonderes Gespür für unterschiedliche Bildformate und Raumqualitäten. Die Aneinanderreihung der fünfzehn Arbeiten von Piet Mondrian im ersten Raum ergibt Sinn, da an ihnen die Entwicklung der Bildkonstruktion von der grautonigen «Rasterkomposition» von 1919 bis hin zur unvollendeten Arbeit «New York City 1» von 1941 verfolgt werden kann. Dieses Bild ist eigentlich eine Skizze und zugleich auch ein Schlüsselbild der Ausstellung. Die aufgeklebten, farbigen Papierstreifen illustrieren Mondrians konzeptuellen Ansatz. Sie erleichtern ihm die Adaption der Komposition, ersetzen in Teilen die ausgemalten Linien und Flächen der älteren Bilder und legen das Gemälde als unregelmässiges Relief neu aus. Die Dichte aus Streifen und Flächen verunmöglicht eine Definition der Flächen innerhalb des Ganzen.

Mondrian ist damit sozusagen ein Wegbereiter für Barnett Newman. In seinen Bildern unternimmt er den Versuch, die Farbflächen zugunsten eines Farbkontinuums aufzulösen. Besonders deutlich wird dies an «The Wild», einer Arbeit von 1950, die eine rote Linie zeigt, die einzig von einem dominierenden Rahmen begrenzt wird.

Körperlichkeit des Lichtes

Wie weit die Erhabenheit seiner Malerei gehen kann, zeigt sich in «Chartres», einem gleichschenkligen Dreieck, das an eine gotische Kathe-drale erinnert. Wenn Newman vom «nordischen Licht» spricht, das ihn in Chartres fasziniert habe, so verweist dies darauf, dass ihm die Materie des Lichtes und der Farbe wichtiger ist als die Analogie zu einem monumentalen Bauwerk. Licht und Farbe, die Räume bilden, sind die zentralen Faktoren im Werk von Dan Flavin. Im Gegensatz zu Mondrian und Newman verneint Flavin die metaphysische Dimension der Kunst. Seine repetitiv eingesetzten Elemente – Leuchtstoffröhren, Fassungen, Zünder und Kabel – sind sowohl dem Alltagsleben als auch der industriellen Produktion verpflichtet. Die Werke forcieren nicht nur die Sinne und die eigene Subjektivität zu besonderen Leistungen, sie stellen auch die Frage des Ortes neu. Besonders erfreulich ist die spezielle Fortsetzung der Bildkonzepte von Mondrian, Newman und Flavin in die Räume, in denen eine Neuhängung aus Sammlungsbeständen zu sehen ist. Bürgi präsentiert Werke der Sammlung, die nur selten zu sehen sind, Bilder von Max Bill, Laszlo Moholy-Nagy, El Lissitzky und Georges Vantongerloo sowie Skulpturen von Antoine Pevsner. Ähnlich ist die Sprache, bloss die Formulierungen differieren.

Einziger Wermutstropfen der Ausstellung ist der Katalog, der ausschliesslich von zwei Autoren bestritten wird und mehr wie ein Bilderbuch, denn als kunsthistorisch fundierte Publikation auftritt. Das Museum beruft sich gerne auf seinen wissenschaftlichen Auftrag, wenn es darum geht, sich gegenüber anderen Museen abzugrenzen. Hier wurde die Chance verpasst, den Worten Taten folgen zu lassen. Doch wäre es fatal, sich den Kunstgenuss, den die Ausstellung ermöglicht, durch diese leise vorgebrachte Kritik verderben zu lassen.

Kunstmuseum Basel Piet Mondrian, Barnett Newman, Dan Flavin. Bis 19. Januar 2014. www.kunstmuseumbasel.ch