Im September war die islamische Welt in Aufruhr. Der skandalöse Amateur-Film «Unschuld der Muslime», der den Propheten Mohammed als Frauenheld, Homosexuellen und Pädophilen verunglimpfte, führte zu Massenprotesten. Mehr als 50 Menschen kamen dabei ums Leben.

In dieser explosiven Stimmung startete die Swiss eine Werbekampagne. Auf grossflächigen Plakaten, die in diversen Kantonen aufgehängt wurden, sah man eine grosse Schweizer Fahne. Dazu den Slogan: «Kreuz ist Trumpf».

Muslime in der Schweiz werfen der Swiss jetzt vor, mit dieser zur unpassenden Zeit gestarteten Werbekampagne ihre Gefühle verletzt zu haben. In den meisten muslimischen Staaten ist das Zeichen des Kreuzes verpönt und wird als Provokation gegen den Islam aufgefasst.

Auf Facebook und Foren wie «Turkworld» kam es in der Folge zu hitzigen Debatten. Ein User schreibt: «Wenn der Slogan ‹Das Schweizer Kreuz ist Trumpf› lauten würde, hätten wir das verstanden. Aber so ist es ein Wortspiel, bei dem man sich vieles denken kann».

«Verletzung religiöser Gefühle»

Warum die Muslime so negativ auf die Swiss-Werbung mit dem Kreuz reagieren, erklärt der türkische Journalist Cemil Baysal: «Das Schmähvideo wurde von christlichen Kreisen in den USA produziert, die als Islamhasser bekannt sind. Dass die Swiss zum gleichen Zeitpunkt mit dem christlichen Slogan ‹Kreuz ist Trumpf› wirbt, empfinden viele Muslime als Provokation und Verletzung ihrer religiösen Gefühle».

Cemil Baysal hat das Thema aufgegriffen und in den türkischen Zeitungen «Post Gazetesi» und «Türkiye» einen Artikel dazu veröffentlicht. Es gab aber nicht nur Kritik. Gemässigte Muslime warfen ihren Glaubensbrüdern zu radikales Gedankengut vor. Für sie stellt die Swiss-Werbung keine Provokation dar .

Und was sagt die Swiss zu den Protesten? «Mit der Aussage ‹Kreuz ist Trumpf› hat sich Swiss mittels eines Wortspiels auf das in der Schweiz stark verankerte Jassen bezogen», sagt Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack.

Dass die Plakate zum Zeitpunkt des Anti-Mohammed-Films erschienen, sei ein unglücklicher Zufall. Ziesack: «Wir beabsichtigten mit dieser Werbebotschaft in keinster Weise, eine religiöse oder politische Aussage zu machen. Sollten dennoch die religiösen Gefühle von Dritten verletzt worden sein, bedauern wir das sehr.»