Die Sache kommt in einem dummen Moment für den Gripen-Hersteller Saab. Eben jetzt, da in der Schweiz der nächste Versuch zur Kampfjet-Beschaffung anläuft, beschuldigt die brasilianische Staatsanwaltschaft den Ex-Präsidenten Luiz Inacio da Silva der Korruption. Lula soll 2013 gegen Bezahlung nachgeholfen haben, dass die Regierung von Dilma Rousseff den Gripen E als neuen Kampfjet wählte. Im Gegenzug soll Lulas Sohn von einer für Saab arbeitenden PR-Agentur rund 700 000 Euro erhalten haben. Die Regierung Rousseff entschied jedenfalls 2013, 36 Gripen-Kampfjets zu kaufen.

Mit seinem Saab-Einsatz hätte Lula eine Kehrtwende gemacht. Denn noch als Präsident hatte er sich für den französischen Jet Rafale starkgemacht. Aber solche mysteriösen Schwenker sind im Milliardengeschäft Kampfjets nicht unüblich. In Österreich wurde Saab Opfer eines derartigen Manövers; am Schluss siegte der Eurofighter.

Rustan Nicander Chef Saab Schweiz und südliches Europa

«Die Schweiz ist und bleibt ein Schlüsselmarkt für Saab. Wir sind bereit, zu offerieren.»

Rustan Nicander Chef Saab Schweiz und südliches Europa

Saab ist zuversichtlich

Gripen-Hersteller Saab lässt sich nicht beirren durch den Gegenwind. Auch in der Schweiz nicht.

Erst 2014 lehnte das Schweizer Stimmvolk den Kauf von 22 Kampfjets des schwedischen Herstellers ab. Aber jetzt, da der neue Verteidigungsminister Guy Parmelin einen neuen Kampfjet-Anlauf nehmen will, möchte Gripen wieder dabei sein, wie Recherchen der «Nordwestschweiz» zeigen.

Rustan Nicander, Chef von Saab Schweiz und südliches Europa, sagt: «Die Schweiz ist und bleibt ein Schlüsselmarkt für Saab. Wir sind bereit, zu offerieren. Und wir sind zuversichtlich, den Gripen E innerhalb des neuen Schweizer Zeitplans zu liefern, sofern die Schweiz sich dafür entscheidet.»

Grüne fordern Kampfjet-Stopp

Verteidigungsminister Guy Parmelin verzichtet, wie er gestern mitteilen liess, «definitiv auf einen Teilbereich des Führungsinformationssystems Heer». Es funktioniere in Teilbereichen nicht richtig. Von den ursprünglichen Investitionen von 700 Millionen Franken müssten «schätzungsweise 125 Millionen abgeschrieben werden». Prompt forderten gestern die Grünen, auch bei den Kampfjets einen Marschhalt einzulegen: «Bis die Probleme im Beschaffungswesen behoben sind», verlangt Nationalrat Balthasar Glättli. (hay)

Die Schweden wollen es also noch einmal wissen. Obwohl der Gripen E, den das Volk 2014 nicht wollte, auch heute noch nicht fertig entwickelt ist. Das dürfte zum Problem werden, denn gemäss Fahrplan von Bundesrat Parmelin soll die neue Evaluation in der Schweiz bereits 2018 beginnen. 2020 ist der Typenentscheid geplant, schon ab 2025 sollen die neuen Kampfjets geliefert werden.

Für Saab wird es eng. Gemäss Rustan Nicander wird der neue Gripen E zwischen 2019 und 2026 an die schwedische Luftwaffe ausgeliefert. Ebenfalls ab 2019 erhalte Brasilien den neuen Gripen.

Nicander gibt sich trotzdem zuversichtlich. «Das Gripen-E-Programm ist auf Kurs und die Produktion läuft.» Seit Mai 2016, als der Gripen E feierlich enthüllt wurde, «machte das Programm grosse Fortschritte», sagt er. Validierungen und Prüfungen wie etwa Tests in Simulatoren seien durchgeführt worden, die Bodentestphase sei voll am Laufen. Man habe den neuen Gripen in Simulatoren und auf dem Prüfstand so weitgehend und zuverlässig geprüft, dass die eigentlichen Flugtests später als üblich vorgenommen werden könnten. Die Flugtestphase beginne noch im Jahr 2017.

Steigt Bern auf Deal ein?

Nicander bleibt dabei, dass der Gripen E für die Schweiz ein gutes Geschäft wäre: Ein Jet, der die neueste Technologie zu vernünftigem Preis biete. Offen ist, ob sich die Politik in Bern auf seinen solchen Deal einlässt. Sicherheitspolitiker verlangen nach einem Flugzeug, das bereits bei Luftwaffen im Einsatz ist und erprobt ist.

Was die Korruptionsaffäre in Brasilien betrifft: Lula weist die Vorwürfe zurück. Saab betont, dass die brasilianische Justiz «keinerlei Vorwürfe gegen Saab oder irgendwelche Angestellte von uns» erhoben habe. Man arbeite indessen vollumfänglich mit den Behörden zusammen, «um ein ehrliches und korrektes Geschäft basierend auf Qualität und Preis» sicherzustellen.