Was waren das noch für Zeiten. Reto Schmidiger kämpfte mit Alexis Pinturault und Henrik Kristoffersen um die Podestplätze und konnte ihnen Paroli bieten. «Ich war auf Augenhöhe mit ihnen», blickt der Hergiswiler zurück, der dreifacher Junioren-Weltmeister wurde und ausersehen war, dereinst die Zukunft des Schweizer Skisports zu repräsentieren.

In der Saison 2010/11 mit einem 8. und 12. Rang mal nahe dran, den Sprung an die Spitze zu schaffen, geriet die Karriere ins Stottern. Er fiel in der FIS-Liste zurück, musste wieder mit 50er-Nummern Anlauf holen – und befindet sich immer noch in diesem Hamsterrad. «Seit drei Jahren kämpfe ich», sagt der 24-Jährige, «und ich werde weiterkämpfen.»

Seit Wengen 2012 schaffte Schmidiger es genau viermal in die Weltcuppunkte.

Seit Wengen 2012 schaffte Schmidiger es genau viermal in die Weltcuppunkte.

Der Weg des einst Hochbegabten zurück zu Startnummern, die ihm realistische Chancen einräumen, ist steinig. «Es ist unglaublich schwierig», sagt Schmidiger. «Das hat in den letzten Jahren nicht funktioniert, zuletzt am Donnerstag auch in Zagreb nicht.» Dort schied er bei schwierigen Bedingungen schon vor der ersten Zwischenzeit aus.

Seit Wengen 2012 schaffte er es genau viermal in die Weltcuppunkte. In 37 Rennen gelangen ihm je ein 17., 23., 26. und 28. Platz. Diese magere Bilanz steht im krassen Kontrast zu den Europacup-Resultaten, wo er bereits neunmal auf dem Podest stand. «Das», so Schmidiger, «stimmt mich positiv, ich bin weniger weit weg, als es den Anschein macht. Ich bräuchte nur den Schalter umzulegen. Ich setze alles daran, dass das in Adelboden passiert.»

Gute Europacup-Ergebnisse in Ehren, aber im Weltcup bringen sie nicht viel. Denn nur Siege zählen. «Oder», so Schmidiger, «2. Plätze mit fünf Hundertsteln Rückstand. Ein 2. Platz mit drei oder vier Zehnteln Rückstand ist von der Leistung her auch nicht schlecht, aber FIS-Punkte-mässig fürs Startranking nichts wert.»

Und der Europacupsieg in Kronplatz brachte auch nichts, weil es sich um ein Parallelrennen handelte. «Für die Moral tat das aber gut», sagt Schmidiger, der gemäss seinem Trainer Matteo Joris im Weltcup oft jenes Selbstbewusstsein vermissen lässt, das ihn im Europacup auszeichnet: «Da und auch in den Teamevents, wo er weiss, dass er der Beste ist, startet er mit breiter Brust. In den Füssen hat er es, aber nicht immer im Kopf.»

Ein Tag im Leben von Reto Schmidiger.

Schmidiger weiss, dass er schnell fahren kann: «Wenn der Stein ins Rollen kommt, ist vieles möglich. Es braucht Geduld. Und man muss einiges einstecken können. Jeder hat einmal ein Tief. Wichtig ist, wie man aus der Spirale herauskommt. Man darf nie den Kopf hängen lassen. Es ist schon zäh, wenn man nahe dran ist, merkt, dass wenig fehlt, und dann immer wieder den Hammer bekommt. Aber damit muss man umgehen können.»

Freiwillige Doppelbelastung

Am Sonntag bietet sich beim Slalom in Adelboden eine Chance, in einer Woche in Wengen die nächste. «Dazwischen», so Schmidiger, «gehe ich an zwei Europacup-Slaloms in Zell am See.» Dort hat er schon oft Moral getankt. Abgesehen davon befindet er sich im Ranking auf dem 2. Platz, was ihn zu einem fixen Weltcup-Startplatz berechtigt.

Im letzten Jahr verzichtete er wegen des Europacups sogar freiwillig auf einen Lauberhorn-Start. Heuer nimmt er die Doppelbelastung auf sich, ganz nach seinem Motto: «Dranbleiben, kämpfen und beissen».