Wirklich begeistert sah Urs Fischer nicht aus, als er vor knapp zwei Wochen während einer Pressekonferenz erfuhr, wer der nächste Gegner in der Europa League sein wird: der FC Sevilla, Titelverteidiger und Rekordsieger in der Europa League. Er habe keinen spanischen Gegner gewollt, und nun sei es eben einer geworden. Mittlerweile sind fast zwei Wochen vergangen und das Duell gegen die Andalusier steht morgen Donnerstag an.

Nach wie vor zeigt sich Fischer, der vor einer Woche eigens nach Sevilla gereits ist, um sich ein Bild des neusten Gegner zu machen, beeidruckt von der Qualität der Sevillanos: «Sie sind sehr gut organisiert, haben auf jeder Position Qualität und sie wollen Fussball spielen. Und sie machen Druck, bei dem man aufpassen muss, dass man davon nicht erdrückt wird.» Aber: «Wenn sie unter Druck sind, machen sie auch Fehler.»

Vor allem diese Tatsache, aber auch die paradoxen Leistungen der Spanier dürften Fischer Hoffnung machen. Sevilla konnte sowohl in der Liga als auch in der Europa League auswärts in dieser Saison noch nicht einmal gewinnen. Den letzten Auswärtssieg in der Liga und auf europäischer Bühne (abgesehen vom Final) konnte der FC Sevilla im Mai 2015 (!) feiern, als man im «derbi andaluz» gegen den FC Malaga 3:2 gewinnen konnte. «Natürlich wissen wir Bescheid über die zwei Gesichter, die Sevilla hat. Aber es wäre gefährlich und falsch, sich darauf zu verlassen», so Fischer. Denn in all den Spielen, die er von Sevilla gesehen habe, hätten sie auch auswärts gezeigt, dass sie dominieren können.

Ohne Embolo – dafür mit Bjarnason

Als wäre die Aufgabe gegen Sevilla nicht schon schwer genug, muss Urs Fischer im Hinspiel auch noch auf Breel Embolo verzichten, der nach seiner gelb-roten Karte gegen Saint-Etienne gesperrt ist. Ebenfalls nicht mit dabei sind die verletzten Spieler Andraz Sporar, Jean-Paul Boëtius und Manuel Akanji. Bei Birkir Bjarnason hingegen sieht es gut aus, dass er trotz Mittelhandbruch morgen mittun kann.
«Er hat seit Sonntag mit der Mannschaft trainieren können. Birkir wird eine spezielle Manschette anhaben, mit der kann er aber auch spielen. Wäre die Gefahr für ihn zu gross, würden wir sicher nichts riskieren», so Urs Fischer.
Nicht mit dabei ist Naser Aliji, der nicht spielberechtigt ist.

Auswärtsschwäche hin oder her, Sevilla ist der Favorit, auch wenn Fischer sich davon nicht beeinflussen lässt: «Wir beschäftigen uns nicht damit, wer Favorit ist und wer nicht. Wir bereiten uns so vor, dass wir das Spiel erfolgrech gestalten können. Ausserdem sind beide Positionen, ob Favorit oder nicht, gefährlich.» Dass seinem Team aber eine schwere Aufgabe bevorsteht, dessen ist er sich bewusst: «Wir müssen zwei Mal eine Top-Leistung abrufen, wenn wir uns eine gute Ausgangslage schaffen wollen, um uns für die nächste Runde zu qualifizieren. Und das steht im Vordergrund.»

Und was ist für Urs Fischer eine gute Ausgangslage? «Zu Hause ein Tor zu schiessen, und keines zu bekommen», erklärt er. Doch ein kleiner Blick in die Statistik zeigt, dass sich der FCB gegen Gegner aus Spanien sehr schwer tut. Aus 18 bisherigen Spielen resultierten satte 12 Niederlagen, vier Unentschieden und lediglich zwei Siege (gegen Valencia und La Coruña) und ein Torverhältnis von minus 45.

Eine  ernüchternde Bilanz, die Fischer umgehend kontert: «Wenn man die Statistiken der letzten zehn Jahre in den europäischen Wettbewerben anschaut, dann sieht man, dass die spanischen Mannschaften schon sehr dominant waren was die Siege in diesen Wettbewerben angeht. Also tut sich nicht nur der FCB, sondern ganz Europa mit den Spaniern schwer.» Und es habe auch schon vor den Vergleichen mit Belenenses oder Saint-Etienne geheissen, dass der FCB keine gute Statistik gegen Teams aus dem jeweiligen Land habe.

Mut macht Fischer dabei insbesondere das Spiel gegen Saint-Etienne, in dem der FCB eigentlich schon ausgeschieden war, und am Ende doch noch weiter kam. «Da kann man von einem absoluten Highlight sprechen, ja. Wenn man sieht, wie da das Stadion explodiert ist. Und genau für diese Momente leben wir auch. Zehn bis 15 Sekunden bricht die Welt zusammen, und 90 Sekunden später flippst du aus vor Freude.»

Ob so ein Highlight auch gegen Sevilla wiederholt werden könne, weiss Fischer nicht. «Fragen Sie mich das, wenn wir wissen, wie das Spiel gegen Sevilla ausgegangen ist.» Doch bei all der Tiefstapelei und dem Respekt, den Fischer vor dieser dynamischen, gefährlichen und gut organisierten Mannschaft hat, sagt er auch: «Es ist unsere Aufgabe, sie raus zu werfen und eine Runde weiter zu kommen. Dafür arbeiten wir die ganze Woche.»