Nein, das Weinjahr 2012 ist nicht berauschend, die zwei Millionen Kilogramm Trauben ergeben 16410 Hektoliter Wein. «Das sind nur 75 Prozent im Vergleich zum 10-Jahres-Durchschnitt von 21300 Hektoliter», sagt der Aargauer Rebbaukommissär Peter Rey. Folglich gibt es vom jüngsten Jahrgang rund 500000 Liter weissen und roten Wein weniger als im Mittel. Verglichen mit dem grossen Qualitäts-Jahrgang 2011 sind es sogar 560000 Liter weniger. Hauptschuld an der mageren Ernte ist das Wetter, das den Rebstöcken schon im Februar zusetzte: Die in Muldenlagen bis zu minus 20 Grad Celsius liessen viele Hauptaugen der Rebknospen erfrieren. Dafür trieben Nebenaugen aus – aber die sind weniger fruchtbar.

Falscher Mehltau wie nie zuvor

Auch im Frühling und Sommer bereitete das Wetter mehr Sorgen als Freude. Maifrost, verregneter Frühling und durchzogener Sommer heissen die Stichworte dazu. Das führte zum «extremsten Mehltaujahr seit Menschengedenken», wie Rey vor den Rebbauern ausführte. Bei der Ernte kam bei viel Regen und Feuchtigkeit auch die Pilzkrankheit Botrytis dazu. Schöne und warme Tage im September und Oktober brachten die Öchsle zur Überraschung etlicher Rebbauern auf im Mittel 91 Grad bei den Blauburgundern und ideale 77 Grad beim Riesling-Sylvaner.

Zur Hälfte Blauburgunder

Bei den von der Fachstelle für Weinbau ausgewiesenen 57 Rebsorten dominieren Blauburgunder oder Pinot noir mit fast einer Million Kilogramm, bei den weissen Sorten die Riesling-Sylvaner mit 585000 Kilogramm. Stark vertreten sind auch Sauvignon blanc mit 62700, Garanoir mit 42100, Chardonnay mit 34200, Pinot gris mit 29700 und Dornfelder mit 28100 Kilogramm. Dahinter folgen Malbec, Cabernet Dorsa, Regent, Kerner, Zweigelt und viele, meist kaum bekannte Traubensorten.

Qualität ist «gut bis sehr gut»

«Die Herausforderungen waren gross, aber die meisten Winzerinnen und Winzer haben sie bestanden», sagte Präsident Peter Wehrli vom Branchenverband Aargauer Wein in Hornussen. Mit rund 120 Personen erlebte die Herbstversammlung einen sehr grossen Aufmarsch. Immerhin: Über die Miniernte tröstet «eine gute bis sehr gute Qualität des Jahrgangs 2012» hinweg. Und Wein hat es in der Schweiz ohnehin genug, denn nach der Grossernte wuchsen die Vorräte um über 10 Millionen Liter. Die Weinbauern genehmigten alle Geschäfte, das Budget 2013 inbegriffen. Im Gastreferat ging es um neue Rebkrankheiten, die Arbeit geht den Weinbauern sicher nie aus.