Aarau
Seit einem halben Jahr gibt es das Eltern-Kind-Zentrum im Scheibenschachen: «Es ist super hier, ich kann mich mit anderen Müttern austauschen»

Das Zentrum ist Teil einer städtischen Strategie zur Unterstützung von jungen Familien. Es soll ein Ort der Begegnung sein – oder ein Zufluchtsort nach einer schlaflosen Nacht. Trotz – oder gerade wegen – der Pandemie lief das Angebot gut an.

Zara Zatti
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Entspannte Stimmung am Mittwochmorgen: Mütter, Kinder und Pädagogin in einem Raum.

Entspannte Stimmung am Mittwochmorgen: Mütter, Kinder und Pädagogin in einem Raum.

Zara Zatti

Im oberen Stock des Zwinglihauses im Quartier Scheibenschachen herrscht schuhfreie Zone, denn hier krabbeln und spielen Kinder. Vor einem halben Jahr eröffnete das Eltern-Kind-Zentrum der Stadt Aarau. Seither stehen jeden Tag zwei Räume für Eltern und ihre Kinder zwischen null und vier Jahren zur Verfügung. «Es soll ein ungezwungener Begegnungsort sein, der aber auch von professionellen Betreuerinnen begleitet wird», sagt Projektleiterin Mina Najdl. Bei unserem Besuch ist der Treff gut gefüllt, zwei Mädchen toben auf einer Matte, ein Bub zieht einen jüngeren im Leiterwagen durch den Raum, die Eltern – heute alles Mütter – sitzen derweil entspannt an einem kleinen Tisch oder spielen mit den Kleinen. Eine Pädagogin ist vor Ort, steht für Fragen zur Verfügung oder unterstützt, wenn eine schwierige Situation entsteht.

Krasimica Ha, eine junge Mutter aus Aarau, ist an diesem Morgen mit ihrer dreijährigen Tochter zu Besuch. Sie kommen regelmässig, sagt Ha: «Es ist super hier, die Kinder haben Platz zum Spielen und ich kann mich mit anderen Müttern austauschen.»

Ein Ort zum Durchschnaufen

Das Zentrum, das letzten August eröffnete, ist Teil der Strategie «Frühe Kindheit der Stadt Aarau», die seit 2019 läuft. Insgesamt hat die Stadt sieben Massnahmen erarbeitet, mit denen sie junge Familien unterstützt – das Zentrum im Zwinglihaus ist eine davon. In einer Umfrage bei allen Aarauer Eltern mit kleinen Kindern wurde evaluiert, was sich diese konkret wünschen. Die allerhäufigste Antwort: Ein Ort, an dem man auch bei Regen hinkann und an dem man verschiedene Angebote unter einem Dach findet.

«Das Zentrum soll eine Anlaufstelle für alle Aarauer Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern sein», sagt Najdl. Oft werde unterschätzt, was es heisst, zum ersten Mal ein Kind zu bekommen: «Auch für Eltern, die sich hier auskennen, ist das eine Herausforderung. Plötzlich befindet man sich in einem ganz anderen Sozialraum.» So würden etwa viele frühere Kontakte wegfallen und man bewege sich weitgehend zu Hause und im Quartier. «Da ist ein solcher Ort, an dem man andere Mütter und Väter oder Fachpersonen treffen kann, sehr wichtig. Eltern können auch hierher kommen, wenn sie gerade eine schlaflose Nacht hinter sich haben und fix und fertig sind. Hier können sie dann erst einmal durchschnaufen.»

Neben dem Eltern-Kind-Treff gibt es auch noch einen Krabbeltreff speziell für Kinder bis zu zwei Jahren sowie das Gruppenangebot «Spielraum». Diese Woche ganz neu startet der Mittagstisch für Eltern mit Kindern bis zu drei Monaten. Anwesend ist dort auch eine Hebamme, an die sich die frischgebackenen Eltern mit Fragen wenden können. Ab April finden Workshops für Grosseltern statt, und einmal in der Woche kommt die Mütter-Väter-Beratung, bei der man sich für eine Beratung anmelden kann. Für Aarauerinnen und Aarauer ist das gesamte Angebot kostenlos.

«Es kann auch anstrengend sein, wenn man unzählige Babykurse besucht»

Das Zentrum ist das erste Angebot dieser Art in der Stadt und dient als Pilotprojekt. «Wenn es gut läuft, kann es durchaus sein, dass weitere Angebote in anderen Quartieren entstehen», sagt Najdl. Dass die Wahl auf den Scheibenschachen fiel, ist aber kein Zufall: «In anderen Gebieten haben wir etwa schon Standorte von der Mütter-Väter-Beratung und Treffpunkte, hier herrschte eine Unterversorgung.»

Seit letzter Woche sind auch hier alle Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus gefallen, vorher galt Masken- und Zertifikatspflicht. Die Rückmeldungen der Eltern während der Pandemie seien unterschiedlich gewesen, erzählt Najdl: «Gerade bei Eltern mit einem starken Aktivismus brachte es eine gewisse Entschleunigung. Es kann für Kind und Eltern nämlich auch anstrengend sein, wenn man unzählige Babykurse besucht.»

Doch es habe auch Eltern gegeben, die das Homeoffice herausforderte oder die sich stark isoliert fühlten. Najdl erzählt von einem Kind, das als verschlossen und schwierig galt im sozialen Kontakt mit anderen, was auch die Eltern sehr belastete. Dann kam die Familie regelmässig ins Zentrum: «Wir konnten sie sorgfältig begleiten, und das Kind machte grosse Fortschritte und auch die Mutter blühte auf. Für mich hat sich das Zentrum nur schon für solch einzelne Beispiele gelohnt.»