Es war ein denkwürdiger Moment für den Westaargau, als 2005 die S-Bahnlinie S3 bis nach Aarau verlängert wurde. Dass dieser grossstädtische Zug nun bis in den tiefen Aargau fuhr, bewegte die Gemüter. Man war sich nicht sicher: Bedeutet dies die Gleichstellung von Aarau und Zürich? Ein Zug zwischen zwei Zentren?

Leider war nicht der Zürcher Hauptbahnhof die Endstation der S3, sondern Wetzikon. Deshalb kam schnell der Gedanke auf, das die S-Bahn den gesamten Aargau von ihrem Eintritt in Killwangen-Spreitenbach bis zum Wendepunkt in Aarau zur Agglomeration verdonnerte.

Nichtsdestotrotz, die S-Bahn brachte Zürich näher und spätestens als ein Jahr später auch die Nacht-S-Bahn eingeführt wurde, wollte sie niemand mehr missen. Weil diese Linie über Baden-Brugg in den Westaargau führte, dauerte der Heimweg bis nach Lenzburg oder Aarau eine geschlagene Stunde. Manch eine Partynacht in Zürich endete schlafend in der S-Bahn und man munkelt von Leuten, die wie ein Pendel zwischen Aarau und Wetzikon hin- und hergereist sind, bis sie den Ausstieg geschafft haben.

Mit dem neuen Fahrplan ist die S3 aus der Region verschwunden. Die Zugverbindung nach Zürich HB gibt es immer noch, neu fährt die S11 diese Strecke. Die Linie endet in Seuzach. Für Passagiere bis nach Zürich HB bleibt alles gleich, ausser in den Zusatzzügen in den Stosszeiten, die in Othmarsingen durchfahren. Aber man hat sich so gewöhnt an dieses S3 auf den Anzeigetafeln. S3 nach Wetzikon. Keine Ahnung, wo das liegt. Aber das war unsere Linie.

Am Sonntagabend setzte sich ein Mann in Lenzburg zur gewohnten Abfahrtszeit in die S-Bahn auf einen Platz im oberen Stock. Als er durch das Fenster Seuzach auf der Anzeigetafel las, wollte er wieder aus dem Zug hechten, weil er sich im falschen Zug glaubte. An dieses Seuzach wird man sich noch gewöhnen müssen. (JGL)