Statistik
Achtung: Im Monat Juni gibt es auf den Strassen Aaraus am meisten Unfälle

Unfalldaten für die Stadt Aarau, die das Bundesamt für Strassen erfasst hatte, zeigen: Mit etwas mehr Geduld im Verkehr, liessen sich viele Unfälle vermeiden. Die meisten davon ereignen sich übrigens am späten Nachmittag. Wie lässt sich das erklären?

David Egger
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Einer der bis zu zwei tödlichen Unfälle pro Jahr: Am 13. Mai 2014 starb nach einer Kollision mit einem LKW ein Velofahrer. (Archiv)

Einer der bis zu zwei tödlichen Unfälle pro Jahr: Am 13. Mai 2014 starb nach einer Kollision mit einem LKW ein Velofahrer. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Von 109 Unfällen verliefen im letzten Jahr 2 tödlich: Das ist die traurige Bilanz des Strassenverkehrs auf dem Gebiet der Stadt Aarau im letzten Jahr. Dazu kommen 10 Schwerverletzte und 54 Leichtverletzte.

Die Unfälle verteilen sich nach bestimmten Mustern. Dies zeigen Unfalldaten für die Stadt Aarau, die das Bundesamt für Strassen (Astra) erfasst hatte und die der az vorliegen.

So ist die Zahl der Unfälle pro Jahr erstaunlich regelmässig. 109 waren es im Jahr 2012. Im Jahr darauf waren es 108. Und im letzten Jahr krachte es wiederum 109-mal.

Am gefährlichsten ist der Verkehr zwischen 15 und 19 Uhr. In diesen vier Stunden ereigneten sich 34 der Unfälle im Jahr 2014, das entspricht rund einem Drittel aller Unfälle.

Der Grund dafür ist, dass die Verkehrsteilnehmer in diesen vier Stunden ungeduldiger sind als sonst. «Zu dieser Zeit wollen alle möglichst zügig an ihr Ziel kommen», sagt Thomas Rohrbach vom Astra.

«Man kann es zwar nicht messen. Aber man merkt, dass die Verkehrsteilnehmer dann nervöser sind. Dadurch erhöht sich das Potenzial für Unfälle», so Rohrbach. Darunter seien viele Unfälle, die mit etwas Geduld zu vermeiden gewesen wären.

Dienstag ist ein schlechter Tag

Auch auf die Wochentage verteilen sich die Unfälle nicht zufällig: Gesamtschweizerisch war der Freitag in den Jahren 1992 bis 2014 jeweils der unfallträchtigste Wochentag. Aarau schert in dieser Statistik komplett aus: 2012 und 2013 kam es jeweils am Mittwoch zu den meisten Unfällen. Und 2014 war es der Dienstag, an dem gleich 20 von 109 Unfällen passierten.

Ein Grund für diese statistische Besonderheit der Stadt Aarau ist nicht erkennbar. «Wir können das auch nicht erklären», sagt Bernhard Graser von der Aargauer Kantonspolizei. Gerade am Dienstag diese Woche war es wieder so weit: Eine E-Bike-Fahrerin wurde beim Kreisel Tellirain angefahren.

Besonders die schweren Unfälle passieren an Dienstagen: In den letzten drei Jahren starben 4 Menschen im Aarauer Strassenverkehr, 2 davon an Dienstagen. Nicht überraschend ist der Sonntag der sicherste Tag auf den Aarauer Strassen (nur 10 Unfälle im 2014).

Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtete, war der Mai dieses Jahr ein schwarzer Monat: Denn im vergangenen Monat haben sechs Menschen ihr Leben auf den Strassen im ganzen Kanton Aargau verloren.

Noch risikoreicher ist der Juni: In diesem Monat passierten letztes Jahr in Aarau 15 Unfälle. Und gesamtschweizerisch war der Juni in den letzten 23 Jahren gleich 13-mal der gefährlichste Monat im Strassenverkehr.

«Die Menschen sind aktiver als im Winter und länger im Strassenverkehr präsent. So passieren mehr Fehler, denn das Gesamtverkehrsaufkommen ist grösser. Letztlich ist es eine Wahrscheinlichkeitsrechnung», sagt Thomas Rohrbach.

Auch die Polizei weiss von der gefährlichen Jahresmitte und teilt die Einschätzung des Astra. «Die sommerlichen Temperaturen laden dazu ein, auch am Abend mit allen möglichen Fahrzeugen unterwegs zu sein», sagt Polizeisprecher Graser.

Spezielle Präventionsmassnahmen setze man im Juni aber nicht um: «Wir richten den Fokus auf die groben Verkehrsdelikte; Rasen und Fahren im nicht fahrfähigen Zustand.»

2014: Nur 4 E-Bikes verunfallt

Von den schwächeren Verkehrsteilnehmern sind in Aarau die Velofahrer am stärksten von Unfällen betroffen. 2014 waren 23 Velos und 4 E-Bikes in Unfälle verwickelt, gegenüber nur 7 Fussgängern und 7 Motorrädern. 2013 waren es 17 Velos und E-Bikes, 9 Fussgänger und 5 Motorräder.

Als Stadt schert Aarau auch hier aus: Gesamtschweizerisch sind mehr Motorräder als Velos in Unfälle verwickelt. «Dennoch sind die Velofahrer jene, die am wenigsten vom Sicherheitsgewinn der letzten Jahre profitieren konnten. Ihnen fehlt die Knautschzone», so Rohrbach.

Bezüglich der Unfallorte fällt auf, dass sich an der Bahnhofstrasse und der Entfelderstrasse besonders viele Auffahrunfälle ereignen: «Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass dort häufig Stop-and-go-Verkehr herrscht. Oft reicht eine kurze Unaufmerksamkeit, um zu übersehen, dass das vordere Auto schon wieder stillsteht», sagt Polizeisprecher Bernhard Graser.

Die Polizei muss die Unfälle mit einer Software rapportieren, die mit dem Management-Informationssystem für Strassen und Strassenverkehr (Mistra) verknüpft ist, über das die Daten zum Astra gelangen.

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