Aarau
Der stimmige Soundtrack für den Ausgang mitten in den Gassen

Das Festival Musig i de Altstadt begeistert Musikliebhaber und Nachtschwärmer. Musik weht durch die Gassen und lockt verführerisch.

Markus Christen
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Nadia Simone von «Playgrounds».

Nadia Simone von «Playgrounds».

André Albrecht

Vom Kasinopark wird man in die pulsierende Altstadt hineingesogen. Die durchdringende Stimme von Sandra Rippstein leitet die Besucher zur Markthalle. Hier hat sich viel Volk versammelt und geniesst den Auftritt der Sängerin.

«Darling, stand by me», fordern die Musiker und die Liebespaare im Publikum antworten in gegenseitiger Zuneigung. Der Liedtext – oh darling, darling – huscht über die Lippen der Zuhörer, man kann ihn verfolgen – stand by me – vom Bühnenrand bis zu den Toren der Markthalle. Ein Blick in den Nachthimmel, keine Leitsterne im Sichtfeld. Aber an diesem Samstagabend sitzt der Kompass im Ohr. Die herbeiwehenden Klänge weisen den Weg, vorüber an der Crêperie, wo die Band Rappel feiertrunkene Stunden in Paris vor die Augen zaubert und man meint, den verbannten Zigarettendunst in der Nase kitzeln zu fühlen. So leicht und unbeschwert war lange kein Abend mehr.

Die neunte Ausgabe des Festivals Musig i de Altstadt lieferte am Freitag und am Samstag den Soundtrack für den Ausgang. Über 30 Bands, Musikformationen, Sängerinnen und Sänger spielten in und bei vierzehn Wirtshäusern der Aarauer Altstadt und verbreiteten während Stunden eine einladende, ja wohnliche Atmosphäre, die dem Nachtschwärmer ein dauerndes «Willkommen» zurief.

«Unser Ziel ist es», erklärt Organisatorin Rosi Luongo, «eine möglichst grosse musikalische Vielfalt zu bieten.» Das ist den Verantwortlichen eindrücklich gelungen. Ob Jazz im Stadthöfli, Americana beim Mr. Pickwick-Pub, Klassik im Liz & Chrege, Mundart-Pop in der Markthalle oder Chansons beim Restaurant Altstadt, das Festival Musig i de Altstadt wusste jeden Geschmack zu bedienen. Leider habe die Volksmusik dieses Jahr gefehlt, sagt Luongo. «Das ist schade.»

Jeweils im November können sich die Musikgruppen und Solokünstler für einen Auftritt am Festival empfehlen. Im letzten Jahr waren bei den Organisatoren schon im Dezember 150 Anfragen eingegangen. Die Auswahl erfolgt in Absprache mit den Gastwirten, die allerdings den Organisatoren öfters freie Hand lassen. «Geschaut wird auch», sagt Rosi Luongo, «dass in jedem Jahr unterschiedliche Musiker zum Zug kommen.» Das führe manchmal zu Diskussionen mit den Gastwirten, die sich verständlicherweise einen besonders erfolgreichen Künstler in ihr Lokal zurückwünschen.

Doch das Festival Musig i de Altstadt sorgte nicht nur für eine freudige, unbeschwerte Stimmung in Aarau, es bot auch einige Überraschungen. Zum Film «Modern Times» von Charlie Chaplin spielte Tim Stern eine Live-Orgel-Improvisation in der Stadtkirche. Auf faszinierende Weise schaffte es der Organist, die Komik des Films ihren Weg in die Musik finden zu lassen. Im Restaurant Liz & Chrege ist das Duo Vibrolino mit Geige und Xylophon den Klängen auf der Spur. Von den fesselnden, musikalischen Experimenten konnte man sich kaum mehr befreien.