Jahresplanung
Die Agenda aus Papier stirbt trotz elektronischer Konkurrenz nicht aus

Das Geschäft mit den Agenden aus Papier läuft trotz Smartphone-Kalender wie eh und je – dabei hatten nicht mehr alle an das Produkt geglaubt.

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Doris Tarmann-Bodmer vor den schwindenden Stapel Agenden in der Papeterie Hagenbuch in Aarau.

Doris Tarmann-Bodmer vor den schwindenden Stapel Agenden in der Papeterie Hagenbuch in Aarau.

Chris Iseli

Es ist Januar, die Termine und Geburtstage 2015 sind fein säuberlich eingetragen. In den Läden ist das Hauptgeschäft mit den Agenden gelaufen. Doch wer kauft im Zeitalter der Digitalisierung überhaupt noch Agenden aus Papier? Mindestens die Hälfte der Bevölkerung – grob geschätzt – organisiert sich via Smartphone. Die Geburtstage werden jedes Jahr automatisch übernommen, und das smarte Gerät piepst uns auch noch zuverlässig die Termine in Erinnerung.

Doch der Verkauf der altmodischen Agenden ist keineswegs um die Hälfte eingebrochen, wie eine Umfrage bei den grösseren Papeterien der Region ergibt. Kaum einen Rückgang hat man in der Papeterie Kromer in Lenzburg und Dietiker in Muhen festgestellt. Geschäftsführerin Marlis Kromer erklärt sich das so: «Viele fahren zweispurig und führen eine digitale und eine Papier-Agenda.» Ihr Agenda-Lager leert sich jedenfalls jedes Jahr.

Kein Rückgang sieht Doris Tarmann-Bodmer von der Papeterie Hagenbuch in Aarau. «Teilweise kommen die Kunden wieder zurück», sagt sie. Das bestätigt Peter Heiz von der Heiz Papeterie in Reinach: «Es geht eher obsi», sagt er, «manche Kunden haben genug vom Elektronischen und merken, dass die Papieragenda doch schneller ist. Andere vertrauen dem Digitalen auch nicht genug. Das hat mich selber überrascht.»

Überrascht hat dieser Gegentrend auch einen Agenda-Lieferanten. Er stellte sich auf einen Rückgang ein und produzierte weniger Exemplare. Doch dann kam es letztes Jahr plötzlich zu einem Lieferengpass für die Papeterien in der Region. «Das gab ein Theater bei uns», sagt Marlis Kromer, «aber jetzt hat er die Produktion wieder aufgestockt.»

Handlich muss sie trotzdem sein

Die typischen Kunden herkömmlicher Agenden sind laut den Papeteristen die Älteren in der Bevölkerung und generell Frauen. Besonders gut laufen deshalb geschmückte Umschläge, beispielsweise mit orientalischen Mustern. «Oder solche mit schönem Ledereinband aus alten Manufakturen», sagt Doris Tarmann-Bodmer. Eine grosse Auswahl sei deshalb wichtig. Langjährige Bestseller sind die Agenden der Marke «Moleskin», welche vor allem bei jüngeren Kunden gefragt sind.

Weniger Absatz finden heute Ringbuch-Agenden, dies, weil sie grösser und schwerer seien, vermutet Tarmann-Bodmer. Hingegen würden auch die schlichten, kleinen Monats-Agenden noch oft verkauft, sagt Peter Heiz. «Die Agenda muss ins Handtäschli passen», erklärt er.

Das Gewerbe – ob für Tischreservationen in Restaurants oder Termine beim Zahnarzt – verzichtet offenbar auch noch relativ oft auf den Computer. Die grossen Agenda-Bücher im A4-Format verkauft man in der Papeterie Hagenbuch jedenfalls immer noch.

Aktuelle Nachrichten