Circus Knie

Mike Müller und Viktor Giacobbo im Doppelinterview: «Mike ist in Aarau ein Local Hero»

Die Komiker der Nation im Nationalzirkus: Mike Müller und Viktor Giacobbo.

Das Komikerduo Viktor Giacobbo und Mike Müller gastiert aktuell mit dem Circus Knie im Aarauer Schachen. Vor ihrem Auftritt sprechen sie über Schweine, Hitze und Mikes Rückkehr in den «Bestatter»-Kanton.

Als Protagonist der SRF-Krimiserie «Bestatter» hatte Mike Müller den Aargau verlassen, nun macht er an der Seite seines Kollegen Viktor Giacobbo sein Aargauer Comeback in der Manege des Circus Knie. Bis Mittwoch treten sie in Aarau auf. Mike Müller betritt die Garderobe und lacht über die Showschweine: «Viktor, unsere Schweine sind komplett schwarz.» Die Tiere unterstützen das Komikerduo bei seinen Auftritten auf der Jubiläumstournee des Circus Knie. «Sie haben sich im Dreck gewälzt und jetzt haben wir schwarze statt weisse Schweine. Sie müssen vor der Show gewaschen werden.» Es ist kurz nach 18.00 Uhr und draussen sind 36 Grad.

Wie schützen Sie beide sich vor der Hitze?

Viktor Giacobbo: Wir beide legen uns zu unseren Schweinen in den Dreck.

Mike Müller: Ich muss den Viktor dann auch abspritzen mit dem Schlauch.

Im Frühjahr riefen das Model Tamy Glauser und Moderatorin Gülsha Adilji dazu auf, den Circus Knie aufgrund der Haltung der Schweine, Pferde und Papageien zu boykottieren.

Viktor Giacobbo: Die Schlagzeile war: Schweizer Promis rufen zum Boykott auf. Es waren genau zwei. Eine von beiden hat sich selber erledigt, mit ihren medizinischen Grundkenntnissen, und die andere hat geschwiegen. Dann gab es ein paar Aktivisten, die behauptet haben, dass sich unsere Pferde nicht bewegen könnten, dabei sind sie den ganzen Tag auf der Weide. Das kann jeder anschauen gehen, denn die Pferdehaltung bei Knie ist vollkommen öffentlich. Sie wird vom Schweizer Tierschutz als vorbildlich bezeichnet.

Also geht es Ihren Schweinen gut?

Mike Müller: Es geht ihnen sehr gut. Die Tierpfleger haben ihnen auch schon ein Bassin aufgestellt, aber das haben sie immer wieder umgeworfen. Hier in Aarau haben sie ihnen nun einen Tümpel gegraben, in dem sie suhlen können. Der Dreck schützt sie vor der Hitze.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den beiden Schweinen?

Mike Müller: Sie haben auch schon leicht gegen, aber auch wahnsinnig mit uns gearbeitet. Tiere haben nicht jeden Tag die gleiche Stimmung. Man lernt im Zirkus, mit den Tieren viel Geduld zu haben.

Nach vier Monaten auf Tournee, wie bekommt Ihnen das Zirkusleben?

Viktor Giacobbo: Bestens. Wir haben uns eingelebt und es ging uns von Anfang an gut und es wird uns noch bis zum Schluss gut gehen.

Der Zelt-Aufbau in Aarau im Zeitraffer

Circus Knie ist in Aarau angekommen – verfolgen Sie den Zelt-Aufbau im Zeitraffer

Der Circus Knie gastiert vom 25. bis 31. Juli in Aarau. Hier sehen Sie den zweistündigen Zelt-Aufbau am Donnerstagmorgen im Zeitraffer in nur 30 Sekunden. Begonnen wurde um sechs Uhr in der Früh.

Die Stimmung im Circus Knie ist sehr familiär, sagt man.

Mike Müller: Das ist so. Man ist halt eine Community, die acht Monate umherreist. Wir beiden ein bisschen weniger. Die Leute sind hier nicht eifersüchtig aufeinander. Jeder macht das, was sein Gebiet ist. Das ist erstaunlich.

Viktor Giacobbo: Salopp gesagt, es hat kein Arschloch hier. Eines hat es ja eigentlich überall und immer. Egal wo. Wir haben hier noch keines gefunden.

Mike Müller: Und wenn du ein Problem hast, musst du noch nicht einmal etwas sagen. Die Leute springen immer von sich aus. Die Hilfsbereitschaft ist wirklich aussergewöhnlich.

Sie haben auch keine Starallüren. Fredy Knie erzählte am Freitag, dass Sie, Mike Müller, gerne Mal auch Pferdekot auflesen?

Mike Müller: Ich mache das manchmal, weil ich in der Pause ein wenig Zeit habe. Viktor muss sich dann umschminken. Ich helfe gerne. Ich helfe auch, die LEDs abzunehmen von den Pferden. Dann geben sie mir zwei dieser riesigen Pferde und sagen: «Bring sie nach hinten.» Ich muss mir einfach ihre Namen merken, damit ich sie hinten in die richtige Box hineinstelle.

Viktor Giacobbo: Also Promis sind wir hier im Zirkus nicht. Natürlich sind wir auf den Plakaten und wir sind ein wenig der Eyecatcher für die Leute, aber jeder ist auf seinem Gebiet hier einfach spitze.

Teilen Sie sich eigentlich einen Wohnwagen?

Viktor Giacobbo: Ich habe gewettet, wie lange es geht, bis diese Frage kommt. Auch unsere Freunde stellen die leicht seltsame Frage, ob wir uns einen Wagen teilen. Ich sage dann immer: Natürlich, weil wir haben ja auch eine Einzimmerwohnung, in der wir gemeinsam wohnen in Zürich.

Mike Müller: Also wir teilen uns sehr vieles. Wir teilen uns auch viele Freunde.

Viktor Giacobbo: Die Freundin nicht.

Mike Müller: Nein, die Freundin nicht. Unsere Wagen sind leicht anders, haben aber die identische Kaffeemaschine.

Viktor Giacobbo: Nicht ganz. Mike hat die leicht schönere. Es ist dieselbe. Aber die Oberfläche rundherum ist anders. Da zeigt sich halt seine Oberflächlichkeit.

Mike Müller: Mehr Bling Bling.

Sie spielen nun in Aarau. Für Sie, Mike Müller, ist das als langjähriger Bestatter ein Heimspiel.

Viktor Giacobbo: Mike ist hier in Aarau ein Local Hero.

Mike Müller: Ich als Oltner habe den halben Aargau beerdigt.

Was unternehmen Sie hier in Aarau während der vorstellungsfreien Zeit?

Viktor Giacobbo: Also Mike zeigt mir alle Schauplätze vom «Bestatter». Ich bin an praktisch allen Tagen verplant, weil er mich überall hin mitschleift.

Mike Müller: Ich schicke dich an eine Bestatterführung.

Viktor Giacobbo: Wollen wir nicht zu zweit gehen Mike?

Werden Sie sich mit dem legendären Imbisswagenbesitzer Ömer treffen, Mike?

Mike Müller: Wenn Ömer noch arbeiten würde, würde ich ganz sicher bei ihm eine Wurst essen gehen.

Viktor Giacobbo: Ist das der Wurstbrater?

Mike Müller: Ömer ist ein super Typ. Er wollte eigentlich schon vor 10 Jahren aufhören. Er ist ein richtiges Original. Wir machen hier während der Freizeit das Gleiche, wie an allen Orten. Wie zum Beispiel Biken. Hier in Aarau gehe ich sicher in die Badi.

Ömer ist zurück!

Ömer kam zurück: Der Aarauer Kult-Wurstverkäufer kehrte für die letzte Staffel des «Bestatters» an den Grill zurück.

Viktor Giacobbo: Ich lege mich gerne in den Wohnwagen, oder vor den Wohnwagen und lese. Manchmal fahren wir aber auch nach Hause.

Müssen Sie überhaupt noch üben?

Mike Müller: Wir haben mittlerweile über 100 Vorstellungen auf dem Buckel.

Aber Spass macht es trotzdem noch?

Viktor Giacobbo: Ja, natürlich. Man muss ja die Leute immer wieder abholen.

Sie sind auf jedem Plakat und werden als Highlight der 100-Jahr-Jubiläumstournee angepriesen. Wie gross war der Druck im Voraus?

Viktor Giacobbo: Der Druck ist immer da in unserem Beruf, und das ist auch gut so. Aber viele Leute aus unserem Umfeld sagen uns, dass sie schon lange nicht mehr im Zirkus waren und dass sie nun wieder einmal gehen werden. Auch wenn wir ihnen vielleicht den Anstoss geben, begeistert sind sie nach der Show vom ganzen Programm.

Sie haben jahrelang als TV-Duo überzeugt. Was ist anders?

Mike Müller: Mit dem Fernsehen kann man es überhaupt nicht vergleichen. Nicht einmal mit Theatervorstellungen. Es sind längere Sketches. Ausserdem ist das Publikum sehr durchmischt.

Viktor Giacobbo: Und man ist nicht auf einer Bühne vor dem Publikum, sondern mittendrin. Wir haben in jedem Sketch das Thema Zirkus eingebaut.

Mike Müller: Immer, bei jeder Nummer. Wir haben nicht alte Sketches aufbereitet, das würde überhaupt nicht funktionieren. Aber wir nehmen Figuren, mit denen wir bereits viel gearbeitet haben.

Viktor Giacobbo: Figuren, die die Leute kennen. Ausserdem zwei Parodien: Roger Schawinski und Mike Shiva.

Wie haben Sie geübt?

Mike Müller: In einer Halle. Dann gibt es immer ein paar Freunde, die schauen kommen.

Und ehrlich und kritisch sind?

Mike Müller: Von denen haben wir nicht mehr viele.

Viktor Giacobbo: Die haben wir alle aus dem Freundeskreis verbannt.

Gibt es Pointen, die Sie anpassen müssen, je nach Standort?

Viktor Giacobbo: Gute Frage, was ist eine der besten Beizen in Aarau? Wo man gut essen kann? Eine, die alle Leute kennen?

Der Schützen?

Viktor Giacobbo: Gut. Denn das ist die einzige Änderung, die wir haben. Wir machen einen Joke mit einem Lokal, das alle kennen.

Und reagiert das Publikum gut?

Mike Müller: Nach unseren Begriffen schon. Eigenlob stinkt. Aber wir sind super.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder mit dem Zirkus auf Tournee zu gehen? Oder sogar selber einen Zirkus aufzuziehen?

Viktor Giacobbo: Nein, ich bin kein Zirkusfachmann und kein Zirkusunternehmer. Ich war zwei Mal auf Tournee mit diesem Zirkus und dabei bleibt es. Aber ich werde immer wieder gerne als Gast und als Freund in den Zirkus gehen. Vielleicht aber der Jungspund hier?

Mike Müller: (Lacht) Ausgeschlossen ist es nicht. Mir gefällt es sehr gut. Aber in unserer Branche planen wir nicht so weit.

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