Suhr
Gemeindepräsident Marco Genoni tritt im Herbst nicht wieder an

Überraschend für viele gab er heute Dienstag seinen Rücktritt aus der Politik bekannt. Das Bündnis «Zukunft Suhr» möchte seinen Sitz im Gemeinderat mit Kandidatin Sonja Ihle verteidigen. Wer aber die 10'800-Einwohner-Gemeinde anführen will, ist noch völlig unklar.

Daniel Vizentini
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Marco Genoni war zwölf Jahre lang im Suhrer Gemeinderat, die letzten vier als Gemeindepräsident.

Marco Genoni war zwölf Jahre lang im Suhrer Gemeinderat, die letzten vier als Gemeindepräsident.

Chris Iseli (26.4.2019)

Marco Genoni (58) wird sich Ende Jahr aus der Politik zurückziehen. Am gleichen Tag der Bekanntgabe zauberte seine Partei, das Bündnis «Zukunft Suhr», bereits eine Kandidatin für Genonis Nachfolge im Gemeinderat aus dem Hut: Es ist Sonja Ihle (53). Sie ist seit 2015 Schulpflegepräsidentin und arbeitet im Aarauer Kochatelier Cookuk und in der «Kaffeebar» im CoworkingByro an der Rathausgasse. Noch nicht in Sicht ist ein Kandidat für das Amt des Gemeindepräsidenten.

Marco Genoni ist seit zwölf Jahren Gemeinderat. 2017 ist er zum Nachfolger von Beat Rüetschi (FDP) als Präsident gewählt worden. Genoni ist der einzige der fünf Gemeinderäte, der im Herbst nicht mehr antreten wird. Thomas Baumann (60, Grüne/Zukunft Suhr), Oliver Krähenbühl (57, SP/Zukunft Suhr), Daniel Rüetschi (50, FDP) und Carmen Suter-Frey (60, parteilos/bürgerlich) möchten wiedergewählt werden.

Die Belastung war als Gemeindepräsident sehr gross

Dass Marco Genoni nun keine zweite Amtszeit als Präsident anhängen will, hat laut ihm nichts damit zu tun, dass er nach seinem Ausscheren in der Zukunftsraum-Abstimmung letztes Jahr bei seiner Partei, dem Bündnis «Zukunft Suhr», etwas in Ungnade gefallen ist. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass diese Zeit für ihn kräftezehrend war.«Das Projekt hat viel Energie gekostet. Diese hätte ich lieber für wichtige Projekte unserer Gemeinde eingesetzt.»

Der Gedanke, nicht mehr anzutreten, habe sich in den letzten Monaten herauskristallisiert. Marco Genoni sagt:

«Ich habe mich mit Leib und Seele für die Gemeinde engagiert und jetzt viele schöne Rückmeldungen erhalten. Es ist ein sehr emotionaler Moment.»

Nach 16 Jahren Arbeit in der Gemeinde wird sich Marco Genoni wieder mehr seinem Beruf widmen. Nebst Gemeindepräsident ist er zu 50 Prozent Geschäftsführer der Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland in Suhr. Dieses Pensum will er erhöhen. «Ich möchte auch mehr Zeit für Familie, Freunde, Freizeit und neue Projekte haben.» Dabei ziehe es ihn zurück ins Tessin. «Ich freue mich auf mehr Wanderzeit rund um Airolo, wo ich aufgewachsen bin.»

Wer könnte die Nachfolge als Präsident antreten?

Von den vier verbleibenden Gemeinderäten hat bisher niemand öffentlich Gemeindepräsidenten-Ambitionen angemeldet. Vizegemeindepräsidentin Carmen Suter-Frey hat 2017 offenbar Interesse an der Nachfolge von Beat Rüetschi gehabt, dann aber Marco Genoni den Vorzug gelassen.

Bei der Suche nach Kandidaten hat «Zukunft Suhr» etwas Vorsprung, da sie schon länger über den Entscheid Genonis Bescheid wissen. Laut Bündnis-Präsident Joachim Greuter will die Gruppierung ihre drei Sitze halten. Für den Posten des Gemeindepräsidenten wolle man aber noch schauen, wie sich die anderen positionieren.

Anspruch auf den Gemeinderatssitz hegt auch die SVP. «Dies würde dem Wähleranteil der Partei entsprechen», sagt Präsident Beat Woodtli. In der Wahl vor vier Jahren unterlag er Olivier Krähenbühl um 114 Stimmen. «Die Chance, dass ich wieder antreten werde, ist von mir aus gesehen eher positiv als negativ», sagt der 52-Jährige, der nicht zuletzt durch sein langjähriges Engagement in der Feuerwehr in der Gemeinde sehr verankert ist. Eine mögliche Nomination werde seine Partei im April vornehmen.

Treten die Gegner des Zukunftsraums an?

Im April will auch die FDP über die Wahlen beraten. Präsident Urs Zimmermann sagt: «Für eine Nachfolge werden die Leute nicht gerade Schlange stehen». FDP-Nationalrätin Maja Riniker (42) kommt eher nicht in Frage. Urs Zimmermann bedauert den Rücktritt von Marco Genoni, der seine Arbeit als für «die schwierigen Finanzen» von Suhr zuständiger Gemeinderat gut gemacht habe. «Es geht viel Erfahrung verloren.»

Lobende Worte für Marco Genoni hat auch die IG Pro Suhr. Wie Präsident Martin Saxer sagt, wird die Gruppe bei den Wahlen im Herbst «sicher gegen das Bündnis Zukunft Suhr» antreten. «Entweder wir unterstützen einen Kandidaten oder wir stellen selber einen auf.»