Suhr
Rechnung 2020: Die Gemeinde liegt zwei Millionen Franken unter Budget

Minus 3,26 statt Minus 1,24 Millionen Franken – Schuld sind Rückzahlungen an eine Firma, die den Steuersitz verlegt hat. Wegen dieser Steuerausfällen musste letztes Jahr bereits der Steuerfuss erhöht werden. Eine erneute Erhöhung sei Stand jetzt aber nicht nötig.

Daniel Vizentini
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Die Suhrer Unternehmenssteuereinnahmen fielen erneut schlechter aus als erwartet.

Die Suhrer Unternehmenssteuereinnahmen fielen erneut schlechter aus als erwartet.

Daniel Vizentini

Während die meisten Gemeinden rundherum trotz Corona gute Rechnungsabschlüsse vorweisen konnten – Unter- und Oberentfelden je über 1 Mio. Franken besser als erwartet –, muss Suhr weniger erfreuliche Nachrichten bekannt geben. Die Rechnung 2020 schliesst dort mit einem Minus von 3,26 Mio. Franken ab, über 2 Mio. schlechter als die im Budget bereits erwarteten Minus 1,24 Mio. Franken.

Schuld daran ist der grosse Rückgang an Steuereinnahmen der in Suhr ansässigen Unternehmen. Oder besser gesagt einer einzigen Firma, die ihren Steuersitz in einen anderen Kanton verlegt hat. Der deshalb erwartete Rückgang bei den Steuereinnahmen von rund einer Million Franken führte bereits dazu, dass der Steuerfuss für dieses Jahr von 108 auf 112 Prozentpunkte erhöht wurde.

Dass die Einnahmen nun noch tiefer ausfielen, liegt an einer Steuerrückzahlung für 2019 von rund 1,5 Millionen Franken, die erst gegen Ende 2020 eintrat. Betroffen war dieselbe Firma. Gemeindepräsident Marco Genoni erklärt: Wie bei den Privatpersonen zahlen auch Firmen ihre Steuern provisorisch im Voraus ein und müssen bei der definitiven Veranlagung entweder nachzahlen oder erhalten, wie jetzt, Geld zurück. Nur laufe bei den Unternehmenssteuern alles über den Kanton, der auch den Steuerfuss für Firmen festlegt.

Die grosse Rückzahlung jetzt müsse man deshalb nicht überbewerten, sagt Genoni. Im Moment sei es unschön, aber dafür ist die Sache nun erledigt.

«Für uns ist eine Bereinigung und wir sind jetzt froh zu wissen, auf welcher Basis wir planen können.»

Stand jetzt müsse der Steuerfuss auch nicht erneut erhöht werden. Finanzielle Grundlage der Gemeinde seien die Steuern der natürlichen Personen. Und diese entwickelten sich dank Bevölkerungswachstum gut: 22 Mio. Franken betragen sie aktuell, 2020 fielen sie um 291'000 Franken besser aus als budgetiert. Mehrerträge gab es auch bei Quellen- und Sondersteuern (zusammen +532'000 Fr.). Nach der Achterbahnfahrt der letzten Jahre erwartet die Gemeinde eine Stabilisierung der Firmensteuern bei jährlich rund 3 Mio. Franken.

Bei den Ausgaben wurde das Budget eingehalten, in vielen Bereichen unterschritten. Wegen Corona sprach der Gemeinderat einen Zustupf von 200'000 Franken an das Zentrum Bärenmatte. Grössere Investitionen wie für die Sanierung der Tramstrasse werden erst in drei bis vier Jahren erwartet, für die Umfahrung Suhr (Projekt Veras) noch später.

Möbel Pfister ist es nicht: Die Firma hat den Steuersitz weiterhin in Suhr

Welches Suhrer Unternehmen den Steuersitz in einen anderen Kanton verlegt hat, darf die Gemeinde nicht sagen. Spekulationen, wonach Möbel Pfister nach der Übernahme durch XXXLutz im Oktober 2019 betroffen sein könnte, schlägt das Unternehmen klar aus. «Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass sich Pfister zum Standort Suhr bekennt. Weder am Steuersitz des Unternehmens noch an der Zahlung der Unternehmenssteuern hat sich etwas verändert», sagt Mediensprecher Alfredo Schilirò.

Suhr bleibe für Pfister ein sehr wichtiger Standort und Pfister für Suhr ein bedeutender Arbeitgeber. «Wir beschäftigen rund 700 Personen, haben in den letzten Jahren neue Stellen geschaffen und rekrutieren laufend neue Mitarbeitende», sagt er.