Fluglärm

Aargauer verschlafen die Einsprachen zum Fluglärm

Lengnau droht eine massive Einschränkung der Entwicklung. (Frank Reiser)

Nacht-Fluglärm

Lengnau droht eine massive Einschränkung der Entwicklung. (Frank Reiser)

Am 29. Oktober läuft die Frist für die Mitwirkung zum Flugverkehr bis 2030 ab. Es ist die letzte Gelegenheit für Replas, Gemeinden und speziell für Privatpersonen, sich gegen übermässigen Fluglärm zu wehren.

Über den Betrieb des Zürcher Flughafens bis 2030 wird jetzt entschieden. Wer die Frist verpasst, kann sich nur noch darüber ärgern, wenn die Donnervögel am Morgen, über Mittag und bis tief in die Nacht die Ruhe gewaltig stören.

Entstanden ist der Entwurf für das Objektblatt Zürich nach jahrelangen Streitereien, bei denen alle Himmelsrichtungen für weniger Verkehr kämpften. Die konstruktive Haltung der Aargauer ist schlecht belohnt worden, trotz der Bereitschaft für alle Nachtabflüge via Surbtal steckt das fliegerische Unding «gekröpfter Nordanflug» noch in Köpfen und Plänen. Und vieles mehr, das zu bekämpfen lohnenswert erscheint.

Eine Flut von Zürcher Eingaben

Beim Sammeln von Unterschriften sind die Zürcher markant aktiver als die Rüebliländer. Schon vor zehn Tagen stöhnte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) in Bern über eine Flut von 700 Einsprachen. Auch die Aargauer müssen ihre Eingaben in diesem Mitwirkungsverfahren nach Raumplanungsgesetz an den Bund schicken. Doch das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat zwecks Übersicht um eine Kopie gebeten.

«Es tröpfelt nur langsam, bis jetzt sind ganze 17 Stellungnahmen eingegangen», sagt Projektleiter Hans-Martin Plüss, Fürsprecher im BVU. Die fehlenden Reaktionen hätten wohl mit den Herbstferien zu tun, hofft Plüss. Entweder herrscht derzeit also die Ruhe vor dem Sturm oder die Aargauer verschlafen die letzte Chance, wenigstens einen Teil des Fluglärms abzuwenden.

Lärmgegner in den Startlöchern

Wer sich jetzt nicht wehrt, wird auch nicht zur Kenntnis genommen. Dessen sind sich neben den Zürchern auch die Aargauer Interessengemeinschaften IG Brego, IG Nord und der Verein Gekröpfter Nordanflug Nein glasklar bewusst. Mit einem vorbereiteten Schreiben von mehreren Seiten für die Gemeinden und von ein bis zwei Blättern für Private bieten sie umfangreiche Hilfe an. Wer seine Eingabe nicht selber zusammenfassen kann oder will, braucht nur den Ort, seinen Namen und das Datum einzufügen.

Weil das Flughafendossier enorm komplex ist, dürften sich viele bei ihrem Protest auf diese Vorgaben stützen. Denn gegen die Bestrebungen des Flughafens und des Bundes, den Aargau mit noch mehr Fluglärm zu beglücken, kann man sich auch so wehren. Bei den wichtigsten Forderungen sind die Aargauer Gruppen identisch, spezifisch geht es um das Surbtal, das Zurzibiet und die Region Mutschellen (IG Brego).

Kampf für mehr Nachtruhe

In einem zentralen Punkt sind sich Aargauer und Zürcher einig: Alle wollen mehr Nachtruhe – und sind extrem verärgert über den Flughafen und das Bazl. Denn erst im Juli verlängerten sie die Ruhe auf sieben Stunden, von 23.00 bis 6.00 Uhr, mit Verspätungsabbau bis 23.30 Uhr. Doch im neuen Entwurf sind wieder Ausnahmen bis 0.30 Uhr vorgesehen, was de facto den alten Zustand herstellen würde.

«Acht Stunden Nachtruhe ab 22 Uhr», steht in den meisten Forderungen, der hinausgeschobene Verspätungsabbau führt zu sehr heftiger Kritik. Mit einer solidarischen Verteilung des Fluglärms greift die IG Nord eine alte Forderung erneut auf. Die Planung zeige klare Züge einer Nordkanalisierung, es sei inakzeptabel, andere Regionen weitgehend verschonen zu wollen. Die Organisation will maximal 320 000 Flugbewegungen im Jahr festschreiben und lehnt einen Pistenausbau kategorisch ab.

Gekröpften Nordanflug streichen

Im Sichtanflug ist der Gekröpfte aus Sicherheitsgründen längst gescheitert, der Verein Gekröpfter Nordanflug Nein verlangt den vollständigen Verzicht und die Streichung aus dem Objektblatt. Unverständlich ist für den Aargau, dass dessen Anflug genau über die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie das Zwischenlager und das PSI führt. Scharf abgelehnt wird die Doppelbelastung Surbtal, mit Weckflügen ab 6 Uhr und Schlafkillern bis 23.30 Uhr – oder über Mitternacht hinaus. Die zu hohen Lärmpegel in der Nacht für Lengnau, Schneisingen und Siglistorf werden zurückgewiesen. In der Aargauer Richtplanung wird dieser Antrag des Bundes ignoriert.

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