«Alles was passiert, es ist Schicksal, was uns trifft», schrieb Isabella T. auf Facebook zu einem Selfie, gepostet am 12. Oktober 2017. Drei Wochen später folgt ein Bild (siehe oben), das die 20-Jährige zusammen mit einigen Männern in einer Bar zeigt. Isabella schrieb dazu, es sei ein «geiler» Abend gewesen.

Kurz darauf verschwindet die Serbin spurlos, wird monatelang vermisst und gesucht. Verwandte und Bekannte machten sich Facebook, wo Isabella T. über 3000 Kontakte hat, bei der Suche zunutze. Am 11. November wurden die ersten Vermisstmeldungen auf ihrem Profil geteilt – rund 100 weitere Posts folgten in den nächsten Monaten. In mehreren findet sich die Information, sie sei am 3. November zuletzt an der Zürcher Langstrasse gesehen worden.

Bei den Kommentaren zu Bildern und Posts auf Facebook finden sich am Anfang noch Sprüche. Jemand veröffentlicht ein Foto, auf dem Isabella einen Schluck aus einer Whiskyflasche nimmt. «Kein Wunder» sei es, dass sie verschwunden sei, schrieb der Kommentierende. Doch die Wochen zogen dahin, ohne dass es ein Lebenszeichen von Isabella gab. Die Witze nahmen ab, wurden von Theorien zu ihrem Verschwinden abgelöst.

Traurige Gewissheit: Teppich-Tote ist Isabella

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Die Polizei musste bestätigten, dass es sich bei der in einen Teppich gewickelten Toten um Isabella aus Turgi handelt.

Einer ihrer Facebook-Kontakte ging davon aus, dass Isabella zurück in ihre Heimat gereist ist: «Sie sagte, sie wolle für immer nach Serbien.» Andere schrieben, sie sei in Wien und Interlaken gesehen worden. Zudem lese sie Messenger-Nachrichten auf Facebook, antworte aber nicht. «Ich hoffe, es geht ihr gut», schrieb eine ihrer Freundinnen.

Früher sei sie mit Isabella T. in einem Heim im Kanton Bern gewesen, kenne sie daher. Die Viktoria-Stiftung in der Gemeinde Richigen nimmt Jugendliche auf, die sich in schwierigen Phasen befinden. Dass Isabella diese Phasen überwunden hatte, zeigen spätere Posts aus der KV-Schule in Zürich.

Angst, Verzweiflung und Wut

Noch mehr Tage vergingen. Und auf Isabellas Facebookprofil machte sich noch mehr Angst, Verzweiflung und Wut breit. Wut auf die Männer auf dem Bild des «geilen» Abends: «Die haben sicher etwas damit zu tun!», schrieb ein Kommentator darunter. Verzweiflung, weil die Polizei aus Sicht ihrer Freunde nicht effizient genug arbeitete.

Es gab sogar den Versuch, deshalb einen Privatdetektiv zu engagieren. Angst, weil man doch wisse, dass sich an der Langstrasse böse Menschen herumtreiben. «Da beim Club Mascotte stehen immer zwei komische Typen, die nach Frauen schauen», lautet ein Kommentar.

Isabellas Familie erhebt Vorwürfe – so berichtete Tele M1 am Mittwochabend noch vor dem bestätigten Tod

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Der Bruder der Verschwundenen meint, die Polizei hätte mehr für seine Schwester tun müssen.

Einige ihrer Freunde glaubten nicht daran, dass ihr etwas passiert sein könnte. «Die ist doch einfach bei ihrem Freund» oder «Sie hatte Streit daheim und ist weg». Nach dem Leichenfund vor einer Woche wurde spekuliert, dass es sich bei der Toten um Isabella handeln könnte. Das Vorgehen der Polizei, die ihre Eltern aufsuchte, deutete darauf hin. Trotzdem wollten Isabellas Freunde die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie noch am Leben sei.

Seit Donnerstag ist ihr Tod traurige Gewissheit. Kerzen, alte Bilder mit Freunden, Erinnerungen werden seither auf Facebook geteilt. Man sei «am Boden zerstört», vermisse «Bella» unendlich. Im Minutentakt erscheinen neue Beileidsbeiträge auf Isabellas Profil. Dort, wo die junge Frau vor einem Jahr, vermutlich als Scherz gemeint, noch ihre Verlobung bekannt gab.

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