Erste Studien

Löst eine unterirdische Autobahn das Stauproblem am Baregg?

Von Spreitenbach durch den Heitersberg bis zur Verzweigung Birrfeld: Eine neue unterirdische Autobahn könnte das Nadelöhr Bareggtunnel entlasten. Erste Studien zeigen, dass der Tunnel das Stauproblem entschärfen kann.

Es ist ein Satz, der zwar unspektakulär klingt, aber die Verkehrszukunft des Aargaus für immer verändern kann: «Erste Resultate zeigen, dass mit einem allfälligen zusätzlichen Netzelement der Druck auf den stark belasteten Bareggtunnel vermindert werden könnte.» Er findet sich auf Seite 88 der 107-seitigen Botschaft des Bundesrates zum Ausbau der Nationalstrassen, die die scheidende Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) kürzlich vorstellte.

Was in Amtssprache «zusätzliches Netzelement» genannt wird, meint eigentlich einen Autobahntunnel von Spreitenbach durch den Heitersberg bis zur Verzweigung Birrfeld.
Das Bundesamt für Strassen (Astra) prüft eine solche unterirdische Autobahn, um die Stauprobleme am Bareggtunnel zu lösen. Im Juli sagte Astra-Direktor Jürg Röthlisberger in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag», man könnte in Fahrtrichtung Bern früher links abbiegen und durch einen neuen Tunnel durch den Heitersberg bis zur Verzweigung Birrfeld fahren. Die naheliegendste Option sei, bei Spreitenbach durch den Berg zu bohren.

Künftig könnte die Autobahn hier in Spreitenbach abzweigen und durch den Heitersberg führen. Im Moment zieht sie sich der Limmat entlang bis nach Neuenhof und dort durch den Baregg-Tunnel.

Künftig könnte die Autobahn hier in Spreitenbach abzweigen und durch den Heitersberg führen. Im Moment zieht sie sich der Limmat entlang bis nach Neuenhof und dort durch den Baregg-Tunnel.  

«Die Aussage unseres Direktors gilt nach wie vor», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage. Beim Amt laufen Studien, die klären sollen, wie verschiedene Varianten des Tunnels beim Bewältigen des zukünftigen Autoverkehrs helfen würde. Die ersten Resultate stimmen den Bund offenbar zuversichtlich. Ansonsten wäre der neue Tunnel kaum in der Bundesratsbotschaft erwähnt worden.

Frühste Eröffnung ab 2040

Konkret ist aber noch gar nichts, betont das Bundesamt. Weder lägen bisher Routenführungen vor, noch könne man die Kosten schätzen. Grundsätzlich gehe man von einer unterirdischen Autobahn bis Birrfeld aus, nur allfällige Anschlüsse wären oberirdisch. So ein Tunnel wäre sehr lang: Alleine die Luftlinie zwischen Spreitenbach und dem Birrfeld beträgt neun Kilometer. Das Tunnelportal könnte aber auch südlich oder nördlich von Spreitenbach gebaut werden. Der Zeithorizont für einen allfälligen Bau sei irgendwann nach dem Jahr 2040.

Dass etwas getan werden muss auf der Strecke Birrfeld bis Dietikon, ist klar. Schon heute staut sich der Verkehr an fast jedem Tag. Bis 2040 rechnet der Bund mit zwei bis vier Stunden Stau pro Tag auf dem Abschnitt. Deshalb sind im momentanen Nationalstrassen-Ausbauprogramm schon 564 Millionen Franken für die vierte Bareggtunnel-Röhre und einen Ausbau der A1 von Birrfeld bis Wettingen auf acht Spuren enthalten. Doch auch diese Massnahme wäre wohl nicht genug: Das Bundesamt macht sich bereits Gedanken über eine fünfte Baregg-Röhre.

«Wir gehen davon aus, dass eine solche nicht möglich ist, weil wir die Normen für den Autobahnbau nicht einhalten könnten», sagt Astra-Sprecher Rohrbach.

Deshalb ist jetzt schon die neue Idee für einen Spreitenbach-Birrfeld-Tunnel auf dem Tisch. Sie könnte die vierte Baregg-Röhre unnötig machen. Auch der geplante 243-Millionen-Franken-Ausbau der A1 auf acht Spuren zwischen Wettingen und Dietikon könnte man sich teilweise sparen.

Der heute viel befahrene Baregg-Tunnel würde zu einer blossen Autobahn für den regionalen Verkehr. Astra-Sprecher Rohrbach sagt: «Es ist möglich, dass die vierte BareggTunnel-Röhre im nächsten Ausbauschritt nicht mehr enthalten ist, wenn sich die Alternative, die wir jetzt prüfen, als zweckmässig erweist.» Dafür müsste das Parlament zustimmen. Neue Ausbauschritte werden generell alle vier Jahre beschlossen.

«Kein freies Feld überbauen»

Bundesbern prüft und studiert. Doch wie steht die Region, die vielleicht eine neue Autobahn bekommt, dazu? Valentin Schmid (FDP), Gemeindepräsident von Spreitenbach, wo der Tunnel an die Oberfläche treten soll, sagt: «Was sicher nicht sein kann, ist, dass man eine Autobahn über freies Feld bis zum Heitersberg baut und erst dort der Tunnel beginnt. Machbar wäre aber, bei der heutigen Autobahn in den Boden zu gehen und dann Spreitenbach zu untertunneln.» Astra-Sprecher Rohrbach sagt zu der Frage: «Neubauten in Agglomerationen erfolgen praktisch ausschliesslich unterirdisch.»

Auf der anderen Seite des Berges sieht man die Sache ähnlich wie in Spreitenbach. Richard Plüss (SVP) ist Gemeindeammann von Lupfig und Präsident des Planungsverbandes «Brugg Regio». Er sagt: «Es steht kaum mehr Raum zur Verfügung. Deshalb gehe ich davon aus, dass mehrheitsfähige Lösungen nur unterirdisch sein können.»

Der Kanton Aargau begleitet die Studien zu den verschiedenen Tunnel-Varianten. Eine Bestvariante liegt auch ihm noch nicht vor. Doch das Amt für Verkehr geht wie der Bund davon aus, dass das neue Netzelement den Raum Baden-Wettingen und die Kantonsstrassen entlasten würde.

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