Der Polizeieinsatz vom 13. August in Baden hat nicht nur die Medien, sondern auch den Regierungsrat beschäftigt. In der ausführlichen Antwort auf eine Interpellation von SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati liefert die Regierung neue Erkenntnisse.

So wird jetzt erstmals bekannt, dass die Stadtpolizei Baden in der Nacht vom 13. auf den 14. August auch Geri Müller suchte. Dieser hatte zuvor die Kantonspolizei Bern informiert, dass seine Chat-Partnerin suizidgefährdet und nach Baden unterwegs sei.

Als die Stadtpolizei – von der Aargauer Kantonspolizei beauftragt – die Frau dort anhielt und befragte, sagte diese, Geri Müller könnte sich etwas antun. Die Polizei versuchte darauf mit dem Stadtammann in Verbindung zu treten – auch um ihn zu fragen, ob er eine Anzeige gegen die Frau einreichen wolle.

«Trotz mehreren Versuchen, ihn telefonisch zu erreichen, sowie einer Kontrolle am Wohnort konnte er im Verlauf der Nacht nicht kontaktiert werden», hält der Regierungsrat fest.

Regierung zum Polizeieinsatz wegen Geri Müller

Der Polizeieinsatz um die Geri Müller-Affäre

Müller nicht suizidgefährdet

Am nächsten Morgen fand unabhängig davon eine Besprechung zwischen Müller und der Kantonspolizei statt. Diese informierte den Stadtammann über die erfolglosen Kontaktversuche in der Nacht. Müller meldete sich danach beim zuständigen Offizier der Kantonspolizei.

«Bei diesem Gespräch konnte geklärt werden, dass Herr Müller wohlauf war, offensichtlich keine Suizidabsichten hegte und zum damaligen Zeitpunkt keinen Strafantrag gegen die Frau einreichen wollte», schreibt die Regierung weiter.

Am selben Morgen meldete sich die Polizei nochmals bei der Frau. Diese war nicht festgenommen worden, weil sich bei der Befragung zeigte, dass keine Hinweise auf Selbstgefährdung vorlagen.

Die Frau erlitt aber einen Zusammenbruch und hielt sich im Kantonsspital Baden auf. Dort wollte die Polizei mit ihr sprechen und ihr Handy sicherstellen, «weil unklar war, ob Offizial- oder Antragsdelikte vorlagen», wie die Regierung schreibt.

Handy nicht beschlagnahmt

So weit kam es aber nicht, weil sich zeigte, «dass kein Handlungsbedarf im strafrechtlichen Bereich bestand». So brach die Polizei die Befragung der Frau im Spital ab und verzichtete darauf, ihr Handy sicherzustellen. Dies tat erst später die Kantonspolizei Bern, als Geri Müller doch noch eine Anzeige einreichte.

Zuvor kontrollierten die Aargauer und die Badener Polizei das Natel der Frau nicht. Diese zeigte den Polizisten laut Regierungsrat «unaufgefordert Inhalte ihres Mobiltelefons», sprich die Nackt-Selfies.

Trotz der umfangreichen Antwort sind für Jean-Pierre Gallati noch Fragen offen. «Mir ist nicht klar, weshalb die Polizei am Morgen nach der Befragung bei der Frau im Spital vorstellig geworden ist», sagt der SVP-Grossrat und Rechtsanwalt.

Für ihn gibt es keinen Grund, warum das Handy der Frau hätte beschlagnahmt werden sollen. «Ich bin der Meinung, dass sich die Polizei hier instrumentalisieren liess.»

Hans Peter Fricker, Generalsekretär des kantonalen Justizdepartements, entgegnet gegenüber Tele M1: «Zu jenem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob ein Tatverdacht besteht oder ob Herr Müller Anzeige einreicht.»

Geri Müller war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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