Atomkraftwerke
Bevor das Volk entscheidet, schreibt die Axpo schon neue Atomkraftwerke aus

Bauherren schreiben Neubauten in Beznau und Mühleberg öffentlich aus. «Das Projekt umfasst die Beschaffung von zwei vollständigen, schlüsselfertigen und betriebsbereiten Ersatzkernkraftwerken für die Standorte Beznau und Mühleberg.»

Hans Lüthi
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Das Wasserkraftwerk wird ersetzt

Das Wasserkraftwerk wird ersetzt

Zur Verfügung gestellt

So steht es wörtlich in der überraschenden Ausschreibung der Firma Resun AG im jüngsten Aargauer Amtsblatt. Die Resun in Aarau ist von den heutigen Betreibern Axpo AG und CKW sowie von der BKW damit beauftragt, die neuen Atomkraftwerke an den alten Standorten zu planen.

Vorgesehen sind Leichtwasserreaktoren mit einer Nettoleistung (Stromabgabe ins Netz) von circa 1450 Megawatt, plus/minus 20 Prozent. Damit reicht die Spannweite von knapp 1200 bis zu 1600 Megawatt für jedes neue AKW.

Ersatz mit dreifachem Strom

Zu ersetzen sind die drei ältesten Schweizer Atomkraftwerke, Beznau1 und Beznau2 sowie Mühleberg. Die Aargauer Kraftwerke in der Gemeinde Döttingen haben zusammen eine Nettoleistung von 730 Megawatt, das Berner Kraftwerk mit nur einem Reaktor kommt auf 373 Megawatt. Zu ersetzen gibt es in der Schweiz damit 1100 Megawatt elektrische Leistung. Heinz Karrer weist als CEO der Axpo Holding immer wieder darauf hin, dass mit den auslaufenden Frankreich-Verträgen 2000 Megawatt aus dem Import wegfallen.

Der mittelfristig fehlende Strom aus den 3000 Megawatt Leistung kann also durch zwei moderne AKW abgedeckt werden. Zusammen mit Gösgen von der Alpiq laufen aber derzeit drei Gesuche. Seit der Einreichung vor zwei Jahren ist sich auch die Branche einig, dass zwei AKW genügen. «Die Verhandlungen zwischen den Projektanten laufen», schreibt die Axpo noch immer dazu.

Fünf Jahre Vorbereitungszeit

Viele fragen sich natürlich, warum die Resun die neuen AKW schon jetzt ausschreibt - vor dem Entscheid von Bundesrat und Volk. «Der Bau eines Kernkraftwerkes ist sehr zeitintensiv», schreibt Axpo-Mediensprecher Beat Römer dazu. Von der Eingabe des Gesuches um Rahmenbewilligung bis zur Bewilligung nach einer Volksabstimmung «vergehen voraussichtlich fünf Jahre». Diese Zeit wolle man nutzen, um bei einem Ja des Volkes «rasch den nächsten Schritt im Bewilligungsprozess einzuleiten».

Im Gesuch um die Baubewilligung müsse der Reaktortyp festgelegt werden, der Bauvertrag für die Anlagen werde aber erst nach Erhalt der Rahmenbewilligung unterschrieben.

Bauten kosten 14 bis 18 Milliarden

Firmen, die sich für den seltenen Grossauftrag bewerben wollen, müssen sich bis 5. Januar anmelden und 100 000 Franken bezahlen. Letzter Termin für die Einreichung der Offerten ist der 15. April 2011, gemäss Amtsblatt um punkt 13.00 Uhr. Die hohen Kosten begründet Römer mit der Sicherheit für die Resun, dass ihr geistiges Eigentum nur an ernsthaft interessierte Anbieter gehe. Das Geld werde auf einem Treuhandkonto hinterlegt und später zinslos zurückerstattet.

Die zwei Anbieter mit der höchsten Bewertung werden aufgefordert, Angebote für den Bau einzureichen. «Wettbewerb ist ein zentrales Element einer öffentlichen Beschaffung», schreibt die Axpo dazu und beziffert die Baukosten auf «eine Grössenordnung von 14 bis 18 Milliarden Franken». Die Projekte Beznau und Mühleberg werden nicht nur gemeinsam ausgeschrieben, sie werden auch «an denselben Generalunternehmer vergeben».

Volksabstimmung Ende 2013

Gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan hat sich bereits eine deutliche Verzögerung ergeben. Neu geht die Axpo davon aus, der Bundesrat werde Mitte 2012 über die Rahmenbewilligung entscheiden. Danach folgen Nationalrat und Ständerat, mit der Volksabstimmung wird Ende 2013 gerechnet. Das Verfahren zur Baubewilligung könnte bis 2017 dauern, die Bauphase danach bis circa im Jahr 2023. Gemäss dem Aargauischen Submissionsdekret kann auch gegen die Ausschreibung Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau geführt werden.

Ein erstes Zeichen vom Stimmvolk kommt schon im Februar auf den Tisch, wenn der Kanton Bern über die Vernehmlassung zum Bau eines neuen Atomkraftwerks in Mühleberg abstimmen wird. Dazu schreibt der Bund: «Das Resultat ist unverbindlich, aber es gilt landesweit als Stimmungsbarometer.»