«Das ist eine komfortable Ausgangslage» ist noch die schwächste Formulierung eines Bauverwalters einer Aargauer Stadt zur Situation beim Bahnhof Aarau.

Während die einen die Aarauer Idee als eine «Velo-Wellness-Oase» verunglimpfen, und davon sprechen, dass die 780 Veloparkplätze teurer seien als Autoabstellplätze, sind andere von dem «hervorragenden Projekt» überzeugt und sehen es als «Velogarage plus». Doch Aarau steht nicht alleine da, wie eine Umfrage der az in den grösseren Aargauer Gemeinden zeigt: Kaum eine Gemeinde, die nicht ein Projekt diesbezüglich in der Tasche hat. Allgemein stellt sich die Frage: Wie steht es um die Veloparkplätze in Wohlen, Zofingen, Baden, Brugg und Lenzburg?

«Wir laufen immer an der Grenze»

Auf eindeutig kleinerer Flamme als in Aarau kocht das Süppchen in Zofingen, wo eine Anlage westlich des Bahnhofes kürzlich temporär um 20 Plätze erweitert wurde - für 3000 Franken. Ein Definitivum steht in Aussicht, wobei es dann wahrscheinlich 40 neue Plätze werden. Noch in Planung sind 80 weitere Veloparkplätze sowie je 20 für Mofas und Roller in der anderen Westlichen Anlage - für ca. 500‘000 Franken, doch wird dies erst in 2 Wochen wirklich baureif sein.

Damit wird die Stadt über 800 Parkplätze verfügen. «Noch ist die Stadt daran, Land für den weiteren Ausbau zu beschaffen», erklärt Marcel Wehrli, Projektleiter Tiefbau und Planung der Stadt Zofingen, «und bevor die Infragekommenden Flächen nicht endgültig erworben werden können, wird nicht weiter ausgebaut». Wehrli ist sich bewusst, «dass wir immer an der Grenze laufen, doch sobald wir bemerken, dass an einem Ort dauerhaft zu viele Velo neben den Parkplätzen stehen, unternehmen wir etwas.»

«Oftmals sind die Velofahrer zu bequem»

Oft zu viele Velos neben den Ständern stehen in Baden beim Veloparkplatz auf Perron 1. «Doch dieser Eindruck täuscht», sagt Markus Bitterli, Raumplaner der Stadt Baden. «Vielmehr ist es so, dass die Velofahrer zu bequem sind, ihre Drahtesel auf einen der vom Bahnhof weiter entfernten Veloparkplätze abzustellen, trotz der Ausschilderung.» Auch wenn der Platz beim Perron 1 immer überfüllt sei, so sei auf der Westseite der Geleise, gleich neben Busrampe, immer Platz vorhanden, so Bitterli. «Ein Problem ist aber auch, dass immer mehr Leute mehr als ein Velo haben; sowohl beim Start- als auch beim Zielbahnhof.»

Insgesamt befinden sich rund um das Bahnhofgelände 624 Veloparkplätze; erst vor anderthalb Jahren kamen 134 neue dazu - für rund 210‘000 Franken. Ebenso wurden die Parkplätze beim Langhaus erweitert. Doch sollte eine solche Velostation «nicht bloss ein Ort sein, um die Velos abzustellen», so Bitterli, denn die Idee ist auch Randständige und Behinderte in das Projekt miteinzubeziehen. Beispielsweise könnten dabei auch Mietvelos und weitere Dienstleistungen angeboten werden. Doch wird das Projekt Südhaus mit Velostation vermutlich frühestens 2014 / 15 gestartet werden, sicherlich wird es aber nicht so gross werden wie jenes in Aarau.

Beinahe 1000 Parkplätze beim Brugger Bahnhof

Noch besser haben es die Velofahrer in Brugg, wo beinahe 1000 Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes zur Verfügung stehen. Ginge es nach den Anzahl Parkplätzen im Verhältnis zu den Einwohnern, wäre Brugg die wahrscheinlich Velofreundlichste Stadt des Kantons Aargau. Dies rührt auch daher, weil Windisch an die eine und Brugg an die andere Seite des Bahnhofes grenzt. Beide Ortschaften sind bemüht, den Bahnhof so attraktiv wie möglich zu machen.

Erst vor einem Jahr wurden die Parkplätze auf der Brugger Seite des Bahnhofes, gleich neben den Taxi-Parkplätzen, für 450‘000 Franken erneuert. Aufgrund einer geschickten Formulierung eines früheren Stadtschreibers im Zusammenarbeitsvertrag zwischen der Stadt Brugg und der SBB musste die SBB komplett dafür aufkommen.

Neben diesen 260 Parkplätzen gibt es noch auf deren 360 auf der windischer Seite des Bahnhofes und 280 beim Neumarkt 1, die ebenfalls öffentlich sind. Ziel von Brugg ist, eine «Velokultur» zu etablieren, erklärt Stefan Zinniker, stellvertretender Bauverwalter im Bereich Verkehr der Stadt Brugg. Dies soll vor allem geschehen mit dem Projekt «Veloparkierung im Zentrum», die auf einer Motion im Einwohnerrat fusst. Eine entsprechende Arbeitsgruppe arbeitet bereits Vorschläge aus.

Im Zentrum der Bemühungen stehen nun nicht die Neuschaffung, sondern die (Teil-)Erneuerung - beispielsweise Überdachungen - der bestehenden Plätze. «Wir haben momentan genügend Abstellplätze», so Zinniker. Doch sei man sich bewusst, dass immer mehr Plätze benötigt werden, doch soll vorerst die Qualität der Bestehenden verbessert werden. Im nächsten Jahr will die Arbeitsgruppe beim Einwohnerrat einen Kredit für diese Verbesserungs- und Ausbau-Arbeiten beantragen.

In Wohlen unter ferner Liefen

Noch nicht soweit ist man indes in Wohlen. Zwar gibt zwar einen «kommunalen Plan Bahnhof Wohlen», doch sind die Veloparkplätze darin wohl unter ferner Liefen zu finden. Genauer genommen unter dem Punkt «Aufwertung des Bahnareals», was genau dies bedeutet, ist noch nicht klar, wie Marcel Handler, Bauverwalter von Wohlen, erklärt. Klar ist bisher lediglich, dass die Planungsarbeiten nächstes Jahr beginnen sollen; somit wird sich die Politik in frühestens 2 Jahren mit dem Thema beschäftigen.

Auch in Lenzburg gibt es mit einem «kommunalen Richtplan Bahnhof Lenzburg» ähnliche Pläne.