Fachhochschule

Angehende Ingenieure müssen beim Coach antraben

Technik-Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch erfahren im persönlichen Gespräch, wo sie Hilfe holen können – ob sie wollen oder nicht.

Rund 500 Studierende haben ihre Ausbildung zum Ingenieur an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) diesen Herbst begonnen, so auch Nicola Berger. Er studiert seit Mitte September Energie- und Umwelttechnik am Campus Brugg-Windisch und hat bis jetzt alle seine Prüfungen ohne Probleme bestanden. Nicht nur im Unterricht selbst hat er kaum Probleme: Er hat auch schnell neue Freunde und Kollegen gefunden.

Nun, nach wenigen Monaten an der FHNW, muss sich der 22-Jährige einem Coaching stellen, wie jeder Studierende an dieser Hochschule. Für ihn heisst das bis jetzt, dass er an zwei Abenden länger am Campus bleiben und ein persönliches Gespräch mit seinem Coach führen musste. «Ich finde es gut, dass wir Studenten die Möglichkeit haben, uns Hilfe zu holen, aber für mich waren die aufgewendeten Stunden nicht nötig», sagt Berger.

Hilfe zur richtigen Zeit

«Wenn es ein rein freiwilliges Angebot gibt, merken die meisten erst zu spät, dass sie ein Problem haben und suchen sich erst dann Hilfe», erklärt Christoph Gossweiler, Leiter des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik an der FHNW: «Ziele des Coachings sind, einerseits möglichst früh einen guten und sicheren Entscheid zu fällen, wer das Studium nicht schafft. Andererseits denjenigen, die das Studium schaffen können, Selbst- und Sozialkompetenzen zu vermitteln.» Das Coaching ist Teil der Projektmanagement-Ausbildung und macht darin einen kleinen Teil aus. Es ist nur im ersten Semester obligatorisch.

«Viele Studierende nutzen dieses Angebot aber darüber hinaus oder kommen später noch einmal darauf zurück», sagt Stefan Höchli, Leiter der Ausbildung Technik an der FHNW. Er ist davon überzeugt, dass das Coaching der Mehrheit seiner Studierenden viel bringt: «Viele kommen aus einem Betrieb, indem sie eine klare Aufgabe hatten. Jetzt befinden sie sich in einer anderen und neuen Situation.» Es sei Teil der Ausbildung, in neuen und anderen Situationen erfolgreich zu bestehen.

«In den letzten 20 Jahren haben sich die Kompetenzen der Studierenden, die zu uns kommen, verändert», sagt Höchli. Mit dem Coaching könne man hervorragend auf diesen Prozess reagieren.

Keine separate Finanzierung

«Früher hatte jede Klasse an der Fachhochschule einen Klassenlehrer als Ansprechperson, heute können die Coaches diese Funktion bis zu einem gewissen Grad übernehmen», sagt Höchli weiter. Die FHNW ist gross und es sei gut, wenn jeder Studierende jemanden hat, an den er sich wenden kann. Die Coaches sind Dozierende der FHNW. «Sie haben eine spezielle Ausbildung zum Coach und bilden sich ständig weiter», sagt der Leiter der Ausbildung Technik. Das Coaching wird nicht finanziert: Das Geld, das dafür nötig sei, müsse an anderen Orten gespart werden, erklärt Höchli weiter. «Aber ich bin sicher, wir können das Geld kaum an einem anderen Ort so gut einsetzen.»

«Es gibt Studierende, bei denen die fachlichen Leistungen, die Selbst- und die Sozialkompetenz stimmen. Aber das sind längst nicht alle», sagt Stefan Höchli. «Diese Studierenden können sicher etwas für sich aus den fünf bis sechs Stunden mitnehmen, die sie minimal für das Coaching aufwenden.» So auch Student Nicola Berger: «Wenn ich jetzt ein Problem hätte, würde ich weniger Hemmungen haben, Hilfe zu suchen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1