Der Sisslebach zwischen Zeihen und dem Rhein in Sisseln ist fast 19 Kilometer lang, über die Hälfte des Bachbetts entspricht nicht mehr dem natürlichen Bachverlauf. So auch bei der alten Mühle in Bözen. Beim Bau der Autobahn vor über 20 Jahren wurde der Bach, der parallel zur Strasse verläuft, als gerader Kanal mit Steinufern erstellt. Raphael Leder, Gewässerbeauftragter des Kantons: «Bei der Sissle in Frick mussten zwei alte Holzschwellen ersetzt werden. Wir haben eine fischgängige Rampe aus Steinen gebaut und dafür brauchten wir Steine.»

Gleichzeitig gehöre das Land neben der alten Mühle in Bözen dem Kanton, weshalb sich angeboten habe, dort eine Revitalisierung durchzuführen. «Wenn der Bach natürlicher fliesst, fransen auch die Ufer mehr aus. Bei Landwirtschafts- und Kulturland ist die Akzeptanz in der Bevölkerung eher gering.»

120 Tonnen Steine entnommen

Ausgeführt wurden die Arbeiten auf dem rund 100 Meter langen Bachabschnitt in Bözen vom Team des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg. Rund eine Woche haben die Männer gearbeitet, um aus dem künstlichen wieder einen natürlichen Bach zu machen. Betriebsleiter Rolf Treier: «Wir haben 120 Tonnen Steine entnommen.» Auch geholzt werden musste viel, da die Uferböschungen komplett überwachsen waren.

Wahrscheinlich sei hier zum letzten Mal beim Bau der Autobahn Waldpflege betrieben worden, so Rolf Treier. Ausser kranken und zu grossen Bäumen, die aus Sicherheitsgründen abgeschnitten wurden, liess man das Uferbord in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten zuwachsen. Nun werden die gelichteten und umgestalteten Uferzonen mit Schwarzerlen bepflanzt. Der Wurzelteppich dieser Bäume soll den Fischen später als Rückzugsmöglichkeit dienen.

Auch der Bach sieht anders aus als früher. Das Ufer besteht nun aus vielen Abstufungen und Nischen, die als Verstecke für Fische geeignet sind. Es wurden auch Aushebungen für Tümpel und Kleinstrukturen angelegt.

Brutstätte für Eisvögel

Raphael Leder hofft, dass sich dort Unken niederlassen. Ebenso soll die neue Gestaltung Eisvögel anziehen, die nun einfacher Brutnischen bauen können. In die Revitalisierung, die rund 20’000 Franken kostet, waren einige Parteien involviert. Nebst dem Kanton mussten auch das Bundesamt für Strassen, die Gemeinde Bözen und die örtlichen Fischpächter mit in das Projekt einbezogen werden.

Letztere hatten im Vorfeld die Aufgabe, die Fische – rund 200 Bachforellen – im jetzt umgebauten Bachabschnitt herauszufischen und weiter oben im Bach wieder auszusetzen. «Von dort werden sie den Weg in ihre alte, beziehungsweise neue Heimat wieder finden», sagt Raphael Leder zuversichtlicher.

Mit dem Resultat der Revitalisierung sind sowohl Raphael Leder vom Kanton wie auch Förster Rolf Treier sehr zufrieden. Raphael Leder bilanziert: «Nun darf die Natur den Bach weitergestalten.» Und Rolf Treier fügt an: «Für unsere Mitarbeiter ist es immer sehr interessant, wenn sie solche Projekte durchführen dürfen.»