Wirtschaft

Brugg-Gruppe verkauft Kabelwerk-Sparte an italienischen Energieriesen – Patron Suhner: «Das tut mir weh»

Blick in die Halle der Kabelwerke Brugg: Sie werden verkauft. (Archiv)

Blick in die Halle der Kabelwerke Brugg: Sie werden verkauft. (Archiv)

Die Brugg Group verkauft die Kabelwerk-Sparte an den italienischen Energieversorger Terna, behält aber eine Minderheit der Gesellschaftsanteile.

Der Patron und Verwaltungsratspräsident der Gruppe Brugg, Otto H. Suhner, verkündete es direkt neben dem Kabelwerk. Dort, wo früher das Elternhaus seines Grossvaters stand: Das Aargauer Familienunternehmen verkauft ihr Herzstück, das Kabelgeschäft in Form der Brugg Kabel AG. Der neue Mehrheitseigentümer heisst Terna.

Der italienische Konzern ist der grösste Stromnetzbetreiber Europas und mit seinen zwei Milliarden Euro Jahresumsatz im Vergleich zur Gruppe Brugg ein Riese. Für Suhner ist es «der Partner, den wir wollten. Es ist fantastisch». Trotzdem gestand er am Rande der Medienkonferenz ein, es tue ihm weh, den Teil des Unternehmens, mit dem alles begann, zu verkaufen: «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dem nicht so ist.»

Sie verkünden den Verkauf: Markus Fiechter, Verwaltungsrat Gruppe Brugg; Otto Suhner, Verwaltungsratspräsident Gruppe Brugg; Agostino Scornajenchi, CFO Terna.

Sie verkünden den Verkauf: Markus Fiechter, Verwaltungsrat Gruppe Brugg; Otto Suhner, Verwaltungsratspräsident Gruppe Brugg; Agostino Scornajenchi, CFO Terna.

    

Zur Gruppe Brugg gehören neben dem Kabelgeschäft vier weitere Divisionen, die bei der Firma bleiben: Seiltechnik, Rohrsysteme, Prozessleittechnik und Immobilien. Das Geschäft mit Kabeln wurde in den letzten Jahren immer härter.

Global gibt es bei den Fabrikanten Überkapazitäten, die Preise fallen, der Umsatz geht zurück. Bei den Kabelwerken Brugg wurden im letzten Jahr über 100 Arbeitsplätze abgebaut. Im Mai gab die Gruppe Brugg bekannt, dass ein Verkauf oder Teilverkauf der Kabelsparte möglich sei.

Der Hauptsitz in Brugg.

Der Hauptsitz in Brugg.

Neuer Eigentümer gehört zu einem Drittel dem Staat Italien

Nun gehören 90 Prozent der Terna, die wiederum zu 29 Prozent dem italienischen Staat gehört. Den Deal gaben die Firmen am Freitag an einer gemeinsamen Medienkonferenz bekannt. Zum Kaufpreis wollten sie nichts sagen. Terna gab am Nachmittag aber eine Pressemitteilung heraus, die den Eigenkapitalwert des Deals auf 13 Millionen Euro bezifferte. Der tatsächliche Kaufpreis dürfte deutlich über diesem Betrag liegen. Die Gruppe Brugg behält eine Minderheitsbeteiligung an der Kabelsparte. Der Industrie-Kabel-Bereich wird ausgegliedert und bleibt wie die Immobilien bei der Gruppe Brugg.

Die Vertreter der beiden Firmen versicherten, dass der Verkauf die 320 Arbeitsplätze der Brugg Kabel AG nicht gefährden werde. Im Gegenteil: «Terna benötigt für sich selbst grosse Mengen an Kabeln. Dies hat zur Folge, dass hier in Brugg mehr produziert werden muss», sagte Markus Fiechter, Verwaltungsrat der Gruppe Brugg. «Der Standort Brugg wird also gestärkt.» Agostino Scornajenchi, Finanzchef von Terna, fügte an: «Die Identität, Marke und Kultur der Kabelwerke Brugg wird unverändert bleiben.» Es gebe keine Pläne, die 320 Arbeitsplätze von Brugg ins Ausland zu verlagern. «Brugg soll weiter Kabel produzieren, um unsere Nachfrage nach Kabeln zu erfüllen.» Auf die Frage nach den hohen Lohnkosten in der Schweiz, sagte Scornajenchi: «Wer hohe Qualität will, muss bereit sein, den angemessen Preis zu zahlen.»

Otto H. Suhner zeigte sich hocherfreut, dass man einen «strategischen Partner» gefunden habe. Bei der Suche war auch das Beratungsunternehmen PWC involviert. «Wir haben einen Haufen ungeeignete Bewerbungen bekommen», sagte Suhner. «Jemandem, der gesagt hätte, wir lassen das schöne Hochspannungslabor und einige Techniker hier, den Rest ziehen wir ab, dem hätte ich nie einen Kauf angeboten.»

Terna war schon bisher ein wichtiger Kunde der Brugg Kabel AG. Nun sichert sich das Unternehmen den Kabel-Nachschub für sein Stromnetz. Die Italiener reisten mit zwölf Personen nach Brugg. Und am Freitag, etwa um 9 Uhr, setzten sie Ihre Unterschriften unter den Vertrag, der ein Stück weit die Aargauer Wirtschaftsgeschichte verändert. Nun richten die Verantwortlichen den Blick nach vorne. Otto H. Suhner gab für die Kabelsparte an der Medienkonferenz die Devise vor: «Wir müssen innerhalb der nächsten zwei, maximal drei Jahre 200 Millionen Franken Umsatz wieder erreichen.» Heute liege er bei rund 150 Millionen.

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