Brugg/Zeihen

Colette Basler: «Wertschätzung ist zwar wichtig, aber ein Dankeschön reicht nicht»

Colette Basler führt zusammen mit ihrem Mann einen Milchwirtschaftsbetrieb.

Colette Basler führt zusammen mit ihrem Mann einen Milchwirtschaftsbetrieb.

Colette Basler ist auf dem Uelberg als Bauerntochter aufgewachsen und führt den Hof seit vielen Jahren zusammen mit ihrem Mann Markus. Nun setzt sie sich auch auf Verbandsebene für das Wohl der Landwirtschaft und vor allem für Frauenanliegen ein.

«Gleichberechtigung ist mir sehr wichtig», sagt Colette Basler aus Zeihen. Seit dem Mai letzten Jahres amtet sie als Co-Geschäftsstellenleiterin des Verbandes der Schweizer Bäuerinnen und Landfrauen (SBLV) in Brugg. Der SBLV ist mit 57'000 Mitgliedern – ein Drittel davon Bäuerinnen, zwei Drittel Landfrauen – einer der grössten Frauenverbände der Schweiz. «Frauenarbeit ist gleich viel wert wie Männerarbeit. Wertschätzung ist zwar wichtig, aber ein Dankeschön reicht nicht. Die Arbeit soll auch angemessen entlöhnt werden», sagt Colette Basler, die zusammen mit zwei Schwestern in einem «emanzipierten» Bauernhaushalt aufgewachsen ist.

Heute führt sie den Milchwirtschaftsbetrieb zusammen mit ihrem Mann Markus. «Ohne ihn und die Unterstützung meiner Eltern wäre mein politisches und berufliches Engagement nicht möglich», erklärt Colette Basler. Neben ihrem 60 Prozent-Pensum beim SBLV ist sie auch als Grossrätin, Präsidentin der Schulpflege Zeihen, Vizepräsidentin des Verbandes der Aargauischen Schulpflegepräsidenten und Mitglied der Schulkommission Liebegg tätig. Sie und ihr Mann sind Eltern von zwei Kindern; Pascale ist im letzten Schuljahr, Laurin hat mit der Lehre angefangen.

Sie will etwas bewegen

Zwanzig Jahre lang hat Colette Basler als Oberstufen-Lehrerin gearbeitet und auch die Schulleiterinnen-Ausbildung absolviert. «Dann dachte ich, es ist an der Zeit, nochmals etwas ganz anderes auszuprobieren, und habe per Zufall das Inserat des Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes gesehen.»

Kaum eingestellt, wurde Colette Basler ins «kalte Wasser» geworfen. «Wir haben gleich mit den intensiven und zeitaufwändigen Vorbereitungen für den Tag der Hauswirtschaft, der am 21. März stattfindet, begonnen.» Die Projektarbeit sei eine Herausforderung, aber spannend.

Auf ihrer Agenda stehen auch die Agrarpolitik und die Bildung Bäuerin. Frauenförderungsprojekte wie zum Beispiel der parteiübergreifende Stehlunch im Bundeshaus, als Netzwerkanlass für die Nationalratswahlen 2019 sind weitere Projekte des Verbandes. «Sehr erfolgreich ist unser Kurs ‹kompetent – engagiert›, für Frauen, die politische Ämter anstreben oder einfach lernen wollen, selbstbewusst ein Anliegen zu vertreten. Viele der Frauen, die den Kurs besucht haben, wurden inzwischen in ein Amt gewählt.»

Heute sind nur noch rund drei Prozent der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor tätig. «Ich habe schon als Lehrerin immer wieder gemerkt, dass viele Schülerinnen und Schülern den Bezug zur Herkunft der Nahrungsmittel verloren haben. Ich engagiere mich seit Jahren dafür, dass die Menschen wieder lernen, woher die Produkte kommen und wie sie hergestellt werden. So viel Wissen ist bereits verloren gegangen.» Manchmal habe sie das Gefühl, ihre Arbeit – immer wieder zu erklären, was saisonale und regionale Produkte sind – sei ein Tropfen auf den heissen Stein, aber: «Es geht nur über Aufklärung.»

Nach rund neun Monaten als CoGeschäftsstellenleiterin hat sich Colette Basler in die Materie eingearbeitet. «Mir gefällt es, wenn ich etwas bewegen und bewirken kann.» Und es sei ihr ein grosses Anliegen, dass allen Frauen bewusst werde, dass sie jemand seien, etwas können und sich nicht zu verstecken brauchen.

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