Aargauer Auswanderer
Der ehemalige «Bären»-Wirt hat jetzt sein eigenes Weingut in Südfrankreich

Patrick Hemmelmayr hat sich mit seiner Familie in der Provence einen Wunsch erfüllt.

Claudia Meier
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Domaine Hemmitage
18 Bilder
Es folgen weitere Bilder aus der Provence.

Domaine Hemmitage

zvg

Der Traum vom eigenen Weingut im Mittelmeerraum geisterte schon einige Zeit in Patrick Hemmelmayrs Kopf herum. Im Juni 2017 war es endlich so weit. Die Familie erwarb ein grosszügiges Anwesen aus dem Jahre 1863 mit sechs Ferienwohnungen im südfranzösischen Salernes (Departement Var) – 55 Kilometer landeinwärts von der Küste und Saint-Raphaël entfernt.

Richtig los gings mit dem Auswanderer-Projekt im Frühling 2016. Patrick Hemmelmayr hatte bis dahin den 203-jährigen Gasthof Bären in Birr während fast 20 Jahren geführt und die Liegenschaft verkauft. Der damals 48-jährige Vater freute sich darauf, endlich mehr Zeit mit seiner Ehefrau Natascha und den drei Kindern im Alter von 4 und 21⁄2 Jahren sowie 7 Wochen zu verbringen.

Mit einem bunt bemalten VW-Bus war die fünfköpfige Familie in den folgenden Monaten in Südfrankreich unterwegs, schaute sich über 30 Liegenschaften an, die zum Verkauf standen. «Ich muss absolut frei sein, damit ich neue Visionen und Ideen entwickeln kann», sagte Hemmelmayr bei seinem letzten Gespräch mit der AZ. Lange hielt die Familie vergeblich im Gebiet Languedoc (Montpellier) nach einem neuen Zuhause Ausschau. Schliesslich schlug Mutter Natascha (39) vor, in der Provence zu suchen. «Dass wir dann im Internet so schnell etwas gefunden haben, hat mich überrascht», sagt Patrick Hemmelmayr.

Bunte Spuren eines Kunstmalers

Die Familie hat sich in Salernes sehr schnell eingelebt. Auch die Kinder fühlen sich wohl und sind mit der französischen Sprache schon vertraut, weil Vater Patrick seit Monaten mit ihnen Französisch spricht. Tochter Mounya (6) und Sohn Amaury (41⁄2) besuchen seit letztem August den Kindergarten. Für den ehemaligen «Bären»-Wirt war immer klar, dass er seiner grossen Leidenschaft – der Kunstmalertätigkeit – auf jeden Fall treu bleiben und diese sogar intensivieren will. So erstaunt es nicht, dass Hemmelmayr im ehemaligen Weingut mit dem Namen «Domaine Hemmitage» schon viele sichtbare Spuren hinterlassen hat.

Den ganzen Winter durch haben die neuen Besitzer intensiv renoviert. Liebevoll gestaltete Details aus der provenzalischen Kultur machen den besonderen Charme aus. In den Gästezimmern hängen zum Teil grosse Bilder. Im WC, Wohnzimmer und in der Küche sind einzelne Wände farbig, und neben der grosszügigen Zufahrt steht zwischen zwei Olivenbäumen ein riesiges Herz mit dem unverwechselbaren Malstil von Hemmelmayr.

Zum Gebäudekomplex gehören 7,5 Hektaren Land, 3 Hektaren Weinreben, Garten, Olivenbäume, Obstbäume, ein kleiner See und viel unberührte Natur. Für die Gäste stehen sechs Ferienwohnungen für zwei bis acht Personen zur Verfügung sowie ein Doppelzimmer, ein Gemeinschaftsraum mit Profiküche, Seminarräume, ein Kinderspielplatz, eine Boule-Bahn, ein Swimmingpool und ein grosses Künstler-Atelier. In diesem Jahr sind zudem noch verschiedene Kurse auf dem Programm. Die Palette reicht von Aquarellmalen, Acrylmalen & Yoga über Mittelmeerküche und Wein-Weekend bis zu Qi-Gong-Wochen und Fotografie-Kurs.

«Die Nachfrage ist gut. Im Juli sind wir voll und für August, wenn die Franzosen Ferien haben, sind wir auch schon zu drei Vierteln ausgebucht», sagt Patrick Hemmelmayr. Die Gäste kommen mehrheitlich aus der Schweiz und aus Deutschland, aber auch Holländer, Engländer und Belgier sind hier schon vorgefahren. Den grössten Teil der Arbeit erledigen Hemmelmayrs selbst. Für Reinigungs- und Gartenarbeiten ziehen sie stundenweise externes Personal bei. Die Rebstöcke werden von einem Winzer bearbeitet, der die Ernte diesen Herbst zum letzten Mal selbst verwerten kann. Danach wollen Hemmelmayrs ihren eigenen Wein produzieren.

Öl für Olivenbaum-Patenschaft

Aus den bisher 80 Olivenbäumen lassen die Besitzer bei einem Familienbetrieb im Städtchen Salernes eine bescheidene Menge von jährlich 120 bis 150 Liter hochwertigem Olivenöl gewinnen. Dieses vermarktet der Künstler, der die Etikette für die Flaschen selbst gestaltet hat, unter anderem über den Bio-Laden Buono in Brugg. Zur Ergänzung wurden diesen Frühling auf einer neuen Parzelle vorerst 30 von 120 geplanten Jungbäumen gepflanzt, für die es Olivenbaum-Patenschaften gibt. Die Bäume werden nach ihren Paten benannt, nummeriert und im Katasterplan eingetragen. Die Dauer der Patenschaft kann für 5 oder 10 Jahre erworben werden. Im Gegenzug erhalten die Paten pro Baum jährlich 1,5 Liter des kalt gepressten Olivenöls nach Hause geliefert.

Der 50-jährige Patrick Hemmelmayr hat nun sein Metier als erfahrener Hotelier, Kunstmaler und Kursleiter gefunden. Seine Ehefrau Natascha ist Kauffrau mit Erfahrung in Wirtschaft und Detailhandel. Als Mutter kümmert sie sich in erster Linie um die vielen täglichen Bedürfnisse der Familie mit den drei Kindern. Wie sieht die Zukunft aus? Wird das Paar bis zur Pensionierung auf diesem Anwesen bleiben? «Ja, und noch viel länger», sagt Patrick Hemmelmayr, ohne zu zögern. Noch ist er daran, sich an die langsamere Lebensweise im Süden zu gewöhnen.