Thalheim
Echtes Bedürfnis oder reine Geldverschwendung? Der Begegnungsplatz steht in der Kritik

An der Fragerunde zu den beiden Referendumsabstimmungen in Thalheim gehen die Wogen hoch.

Michael Hunziker
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Wie auf dieser Visualisierung soll sich der neue Volg-Laden mit dem öffentlichen Zugangsbereich einmal präsentieren.

Wie auf dieser Visualisierung soll sich der neue Volg-Laden mit dem öffentlichen Zugangsbereich einmal präsentieren.

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Es braucht nicht mehr als 15 interessierte Personen für eine äusserst lebhafte Diskussion: In Thalheim wird am 9. Februar an der Urne abgestimmt über die Kredite für den öffentlichen Zugangsbereich beim Volg-Neubau sowie für den öffentlichen Spielplatz in der Breiti. Am Montagabend stand der Gemeinderat im Gemeindesaal Red und Antwort zu den Abstimmungsvorlagen – und musste auch heftige Kritik einstecken.

Denn Peter Werthmüller, der Initiant der Referenden, sowie die weiteren anwesenden Unterstützer machten ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung unverhohlen Luft. Für sie ist klar: Diese Projekte gehören nicht zum Aufgabenbereich einer Gemeinde, sind eine Verschleuderung von Steuergeldern, die gestoppt werden muss.

Gemeinderat ist Erhalt des Dorfladens wichtig

Rückblick: Die beiden Kredite von 80'000 Franken respektive 50'000 Franken genehmigten die Stimmberechtigten im vergangenen November mit grosser Mehrheit. Beim neuen Volg-Laden soll, so die Absicht des Gemeinderats, ein Begegnungsort entstehen für Generationen, ein Platz, wo Spaziergänger, Familien sowie Seniorinnen und Senioren verweilen können.

Die Behörde spricht von einer einmaligen Möglichkeit zur weiteren Aufwertung des Unterdorfzentrums sowie einer Investition in die Zukunft. Geplant sind einerseits breite Treppenstufen, Bäume, Sitzgelegenheiten und angrenzend eine Reihe Parkplätze sowie andererseits – auf der nördlichen Fläche – ein öffentlicher Naturspielplatz.

Gegen die Beschlüsse der Gemeindeversammlung kamen die Referenden zu Stande. Anfang Januar eingereicht wurden 186 respektive 188 gültige Unterschriften. Notwendig waren mindestens 156 gültige Unterschriften.

Gemeindeammann Roland Frauchiger wies in der Fragerunde darauf hin, dass es sich um komplexes Vorhaben mit einer langen Vorgeschichte handelt. Involviert gewesen seien verschiedene Parteien, bestanden hätten unterschiedliche Interessen und Vorstellungen. Dem Erhalt des Dorfladens werde eine grosse Bedeutung beigemessen, hob Gemeinderätin Monique Rotzer hervor.

Der Gestaltungsplan für das Gebiet «Breiti» war im Juli 2012 beschlossen worden. Der Gemeinderat habe schon früh in Aussicht gestellt, dass der Gemeindeversammlung ein Kostenbeitrag für den öffentlichen Bereich beantragt werde, hielt Gemeindeammann Frauchiger fest. Es sei keine Verschleuderung von Steuergeldern, sondern eine Aufgabe der Gemeinde.

Initiant der Referenden hofft auf kräftiges Nein

Peter Werthmüller widersprach vehement. Kein Quadratmeter Land gehöre der Gemeinde. Deshalb müsse die Gemeinde auch nicht zahlen an die Gestaltung. «Jeder Franken ist zu viel.» Das Geld soll nach seinem Dafürhalten verwendet werden für anstehende wichtigere Projekte.

Überdies sei ein tatsächliches Bedürfnis nach einem solchen öffentlichen Bereich bislang nie abgeklärt worden, stellte Werthmüller fest. Er sprach von einem Krampf. Ein Spielplatz, fügte er an, dränge sich im naturnahen Dorf nicht auf.

Die anwesenden Unterstützer der Referenden stellten neben den Kosten ebenfalls die Gestaltung sowie die Lage des öffentlichen Bereichs neben der Strasse in Frage. Zu einigen – mitunter gehässigen – Wortmeldungen führten zudem die geplante Erschliessung mit der Zu- und Wegfahrt für die Lastwagen, die zu erwartenden jährlichen Unterhalts- und Reparaturkosten oder die Informationspolitik des Gemeinderats.

Einige Dorfbewohner, kam zum Ausdruck, fühlen sich vom Gemeinderat über den Tisch gezogen. Es seien Versprechen gemacht worden, die nun nicht eingehalten würden. Die Meinungen waren gemacht, einig wurden sich der Gemeinderat und die Unterstützer der Referenden – auch nach rund zwei Stunden – nicht.

Während Gemeindeammann Roland Frauchiger die Projekte als Chance für die Gemeinde bezeichnete, als einen Gewinn für die Zukunft, gab Peter Werthmüller seiner Hoffnung Ausdruck, «dass die Thalner vernünftig sind». Er zähle auf ein kräftiges Nein an der Urne.