Bauwerk

Hier frisst sich die Bohrmaschine täglich 30 Meter durch den Bözberg – Zeitraffer und Bilder

Ende 2020 sollen bis vier Meter hohe Sattelschlepper und Container durch den neuen Bözbergbahntunnel transportiert werden können. Eine Besichtung des 350-Millionen-Bauwerks.

Der Neubau des Bözberg-Eisenbahntunnels ist der aufwendigste und teuerste Teil der Aufrüstung des Nord-Süd-Güterverkehrskorridors von Basel nach Chiasso. Bereits ab Ende 2020 sollen bis vier Meter hohe Sattelaufleger und Container über diese Bahnstrecke transportiert werden können.

Natürlich können da dann auch Personen-Doppelstockzüge durchfahren. Zusätzlich wird die Strecke so aufgerüstet, dass Züge statt im 4- neu im 3-Minuten-Abstand fahren können. Das erhöht die Kapazität massiv, was für die angepeilte Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene auch nötig ist.

So wie es aussieht, wird der 2,7 km lange Doppelspur-Tunnel, der parallel zum aus dem vorletzten Jahrhundert stammenden, bestehenden Bahntunnel erstellt wird, rechtzeitig fertig sein. Zu Beginn der Arbeiten harzte es zwar. Die Lockergesteinsschicht zu Beginn des Tunnels in Schinznach-Dorf war tiefer als erwartet, und beanspruchte mehr Zeit. Erst nachdem man da durch war, konnte die Tunnelbohrmaschine starten.

7 Monate: Die Bauarbeiten am Bözbergtunnel im Zeitraffer (1.1.2017 bis 23.7.2017)

7 Monate: Die Bauarbeiten am Bözbergtunnel im Zeitraffer (1.1.2017 bis 23.7.2017)

Das war Mitte Juli 2017. Seither läuft es wie am Schnürchen. Wenn keine Anomalien auftauchen, erreicht man voraussichtlich zwischen Ende November und Mitte Dezember Effingen und bringt damit auch von der anderen Seite Licht in den Tunnel, so Gesamtprojektleiter Thomas Zieger. Danach finden noch bis Ende Januar 2018 restliche Vortriebsarbeiten statt.

Schon 1440 Meter geschafft

Ein Augenschein im Tunnel zeigt, wie sich das 1920 Tonnen schwere und 90 Meter lange Ungetüm rekordschnell unter ohrenbetäubendem Lärm durch den Berg frisst. Erklärungen Ziegers kann man auf der Tunnelbohrmaschine selbst in einem Abstand von einem halben Meter nur via Mikrofon und Kopfhörer verstehen.

Die Maschine hat bereits 1440 Meter hinter sich. Es fehlen also nicht mehr viel mehr als 1200 Meter. Inzwischen macht sie nämlich täglich 30 Meter. Vergangenen Freitag waren es lauern täglich 22 Meter vorarbeiten wird.

Wackliger Job: Die Arbeit der Mineure im Bözbergtunnel ist von ständiger Vibration geprägt

Wackliger Job: Die Arbeit der Mineure im Bözbergtunnel ist von ständiger Vibration geprägt

  

Fortlaufend wird der ausgebrochene Fels mit riesigen Tübbingringen ausgekleidet und gesichert. Das geht fix und vorab maschinell. Man kommt bei der Montage eines Tübbingrings selbst an der Tunneldecke mit Schauen kaum nach – schon ist er platziert, und die nächste wird via Förderband in Position gebracht. Sie werden nicht so schnell ausgehen. Vor dem Tunnelportal wartet eine unübersehbare Zahl von ihnen auf ihren Einsatz.

Wenn der neue Tunnel den Betrieb aufnimmt, geht der alte übrigens nicht einfach in Pension, oder wird gar zum Weinkeller. Er wird bis 2022 zu einem Dienst-und Rettungsstollen umgebaut.

Wo sind die Mineure?

Eine Tunnelbaustelle erfordert sehr viele Arbeiter. Dieses Bild hat man von früher noch im Kopf, und auf der Baustelle sucht man die Arbeiter. Aber solche Bilder sind Vergangenheit. Laut Zieger arbeiten gleichzeitig nur 15 Leute im Tunnel. Weil sei im Dreischichtbetrieb tätig sind, braucht es im Tunnel drin nur 45 Leute. Glücklicherweise gab es bisher keinen nennenswerten Unfall.

Baustellen-Begehung: Im neuen Bözbergtunnel

Surreal: eine Fahrt mit dem Auto durch die entstehende Bahntunnelröhre.

Einmal kippte ein Fahrzeug, der Fahrer trug einige blaue Flecken davon. Nebst strikten Sicherheitsbestimmungen vertrauen die Arbeiter aber auch auf ihre am Tunnelportal wachende Schutzpatronin, die heilige Barbara.

Für den Bau des 4-Meter-Korridors auf der Gotthard-Achse hat das eidgenössische Parlament 2013 einen Kredit von 710 Millionen Franken bewilligt. Davon entfallen 350 Millionen Franken auf das grösste Einzelbauwerk, eben den neuen Bözbergtunnel. Auf Nachfrage bestätigt Thomas Zieger, man sei nicht nur zeitlich, sondern auch kostenmässig auf Kurs.

Am Bözberg wird die 1920-Tonnen-Bohrmaschine montiert

Am Bözberg wird die 1920-Tonnen-Bohrmaschine montiert

Für den Transport waren 110 Einzelfahrten zwischen dem südbadischen Schwanau und dem Südportal in Schinznach-Dorf notwendig. (Februar 2017)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1