Elfingen

Knatsch mit der Swisscom: Ein Dorf will keine Mobilfunkantenne

Das ehemalige Schulhaus stellte sich als idealer Mobilfunkantennen-Standort heraus,

Das ehemalige Schulhaus stellte sich als idealer Mobilfunkantennen-Standort heraus,

Die Netzabdeckung ist zwar schlecht in Elfingen, trotzdem will die Bevölkerung nichts wissen von der 5G-Technologie. Mit so grossem Widerstand hat der Gemeinderat nicht gerechnet.

«Der Empfänger ist momentan nicht erreichbar . . .» In Elfingen ist der Mobilfunkempfang schlecht oder – je nach Standort im Dorf und je nach Anbieter – gar nicht vorhanden. Diese Situation besteht seit Jahren.

Der Gemeinderat hat sich deshalb mit der Swisscom in Verbindung gesetzt, um nach einer Lösung für eine Verbesserung der Netzabdeckung zu suchen. Bei einer Evaluierung stellte sich das ehemalige Schulhaus als idealer Mobilfunkantennen-Standort für eine optimale Abdeckung heraus.

Nur: Als bekannt wurde, dass die Swisscom auf dem ehemaligen Schulhaus eine Mobilfunkantenne errichten möchte, formierte sich in der Bevölkerung massiver Widerstand, stellt die Behörde fest. «Neben 17 Einsprachen gegen das Baugesuch erreichte uns auch eine Petition mit 137 Unterschriften», heisst es in einer Stellungnahme. Und: «Der Gemeinderat nimmt dieses Anliegen aus der Bevölkerung ernst.»

Der Gemeinderat versucht, den Bau zu verhindern

Auf die Frage nach den möglichen Gründen für die Ablehnung nennt Gemeindeammann Giovanni Carau die Tatsache, dass es sich um eine neue 5G-Antenne handelt, gegen die sich vor allem Anwohner in unmittelbarer Nähe wehren. Sie lancierten die Petition und stiessen mit ihrem Anliegen auf offene Ohren. Unterschrieben haben neben den Dorfbewohnern ebenfalls eine knappe Handvoll Auswärtige sowie einige wenige Kinder.

Dass es Widerstand geben wird, damit hat der Gemeinderat gerechnet, sagt Carau. «Nur nicht, dass dieser so gross wird.» Denn über die Jahre sei in verschiedenen Gesprächen mit der Bevölkerung, die schlechte Netzabdeckung immer wieder bemängelt worden.
Der Gemeinderat wird nun zwar die Einsprachen behandeln und anschliessend das Baugesuch prüfen.

Er werde aber, wie von der Bevölkerung gefordert, alle rechtlichen Schritte unternehmen, um den Bau der Mobilfunkantenne zu verhindern – auch wenn er sich bewusst sei, dass die Netzabdeckung im Dorf schlecht bleibe und sich die Empfangsqualität in Zukunft noch verschlechtere. Denn Swisscom habe angekündigt, nächstes Jahr das 2G-Netz abzuschalten. Die Abschaltung von 3G werde sicherlich auch folgen, ist die Behörde überzeugt.

Eine Alarmierung ist nur mit Verzögerung möglich

Anders ausgedrückt: «Wird das Baugesuch abgelehnt, wird die Swisscom ihr Angebot in Elfingen zukünftig nicht weiter ausbauen. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass wir von zukünftigen Technologien nicht profitieren werden», fährt der Gemeindeart fort.

Eine Garantie, dass ein Gericht eine allfällige Ablehnung des Baugesuchs gutheissen wird, gibt es allerdings nicht, fügt die Behörde an. «Falls durch das Gericht die nationalen Interessen höher gewichtet werden, könnte die Swisscom die Mobilfunkantenne trotzdem erstellen.»

Die Telefonkabine ist inzwischen demontiert worden.

Die Telefonkabine ist inzwischen demontiert worden.

Neckisches Detail: Wegen des schlechten Empfangs hat sich der Gemeinderat lange Zeit erfolgreich gegen den von der Swisscom geplanten Abbau der Telefonkabine im Dorf gewehrt. Diesen Sommer wurde die Telefonkabine nun trotzdem demontiert. Sollte sich auf der Kreuzung mitten im Dorf ein Verkehrsunfall ereignen oder im Ort ein Feuer ausbrechen, könnte – nach jetzigem Stand – eine Alarmierung der Rettungskräfte nur mit Verzögerung vorgenommen werden, gibt der Gemeinderat zu bedenken. Auch die Polizei könnte nur unter erschwerten Bedingungen aktiv werden.

Verwandte Themen:

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

Meistgesehen

Artboard 1