Brugg
Kuratorin Marie-Anne Pinheiro will «Objekt des Monats» vorstellen

Seit dem 1. April ist Marie-Anne Pinheiro-Fankhauser die neue Leiterin des Heimatmuseums und Stäblistüblis in der Unteren Hofstatt.

Elisabeth Feller
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Die Kuratorin Marie-Anne Pinheiro-Fankhauser mit einen Bildnis von Adolf Stäbli. Mathias Marx

Die Kuratorin Marie-Anne Pinheiro-Fankhauser mit einen Bildnis von Adolf Stäbli. Mathias Marx

Die Treppe windet sich steil in die Höhe des einstigen Zeughauses in der Unterstatt. Im ersten Stock ist eine Brugger Preziose beheimatet – das Stäblistübli. Was niedlich anmutet und deshalb auf falsche Fährten lockt, ist in Tat und Wahrheit ein Museum, das 46 Gemälde und Skizzen birgt – eine einzige Augenweide.

Im einstigen Zeughaus: Heimatmuseum und Stäblistübli

Das Heimatmuseum Brugg wurde 1964 eröffnet und befindet sich im 1673 erbauten Zeughaus in der Unteren Hofstatt. Das historische Gebäude gehört der Ortsbürgergemeinde Brugg. Dort sind eine heimatkundliche Sammlung mit Feuerwehrgeräten, Waffen, Möbeln, Handarbeiten, Spielsachen, Zinngeschirr und vieles mehr zu sehen. Im Stäblistübli im Obergeschoss sind rund 30Werke des Malers Adolf Stäbli ausgestellt . Daneben besitzt es eine Grafiksammlung mit Blättern von Emil
Anner, Gottlieb Müller-Brugg, Ernst Geiger und anderen Brugger Künstlern. Vom 5.Mai bis 9.Juni ist eine Sonderausstellung zu sehen: «Städtefreundschaft Brugg-Rottweil». Öffnungszeiten während des Stadtfestes: Do., und Fr., 30. und 31.Mai, 16-19 Uhr; Samstag, 1. Juni, 12-18 Uhr; Sonntag, 2. Juni, 11-15 Uhr. Zur Eröffnung der Ausstellung am 5.Mai, 11.15Uhr, gibt es einen Vortrag von Gerald P. Mager: «Vom Ewigen Bund zur Städtefreundschaft Brugg-Rottweil» . Am Sonntag, 26.Mai, 11.15 Uhr, spricht der Brugger Historiker Titus Meier über «100 Jahre Städtefreundschaft: Brugg-Rottweil» . Öffnungszeiten des Heimatmuseums und Stäblistüblis: Sonntags 11-15 Uhr, am 21. April; 5. und 19. Mai; 2. und 16. Juni; 7. und 21. Juli; 4. und 18. August; 1. und 15. September; 6. und 20. Oktober. (AZ)

Der überwiegende Teil stammt vom grossen Brugger Maler Adolf Stäbli. Im hinteren Teil des Raumes hängt das Porträt eines Mannes, dessen Blick aufmerksam einen ovalen Tisch und ein rot bespanntes Sofa mustert. Dort sitzt Marie-Anne Pinheiro-Fankhauser, die neue Kuratorin des Heimatmuseums im Erdgeschoss und des Stäblistüblis.

Stilvolles Ambiente

Sie hat den erstaunten Blick der Besucherin bemerkt, denn sie sagt lächelnd: «Im Stäblistübli sind nicht nur Bilder zu sehen, es kann auch zivil geheiratet werden.» Das stilvolle Ambiente hat die neue Museumsleiterin schon beim ersten Augenschein beeindruckt – am 1. April hat sie ihr Amt angetreten.

Was gab den Ausschlag, dass die Sozialanthropologin, die im Nebenfach Kunstgeschichte studiert hat, nach Brugg gekommen ist? «Ich hatte schon als Werkstudentin ein grosses Interesse an Museen und Galerien», sagt die junge Frau in schönem Berndeutsch. Sie hat im Historischen Museum Bern sowie in Galerien gearbeitet und während neun Jahren das Sensler Museum in Tafers geleitet – «als junge Bernerin und Nicht-Katholikin», wie sie lächelnd anmerkt. Dort hat sie, dem zweisprachigen Kanton Fribourg/Freiburg Rechnung tragend, zweisprachige Ausstellungen erarbeitet.

Recherchen in Nova Friburgo

Vom schweizerischen Tafers ins brasilianische Nova Friburgo ist es ein weiter Sprung. Aber genau dorthin reiste Marie-Anne Pinheiro 2001, weil sie Recherchen betreiben wollte für eine Ausstellung in Tafers. Sie lächelt erneut: Friburgo erinnert an Fribourg. Was hat das brasilianische mit dem schweizerischen Freiburg zu tun? «Sehr viel», sagt sie und erzählt von einer Hungersnot in der Schweiz, die 1819 rund 2000 Schweizer nach Brasilien auswandern liess – davon allein 800 Freiburger. «Diese gründeten in ihrer neuen Heimat Nova Friburgo, eine Stadt mit heute 180 000 Einwohnern.» Dort lernte Marie-Anne Pinheiro auch ihren Mann kennen – 2009 wanderte sie schliesslich nach Brasilien aus. Nach vier Jahren in Südamerika kehrte sie jedoch vor kurzem mit ihrer kleinen Tochter in die Schweiz zurück; ihr Mann wird bald folgen.

Burgdorf ist derzeit ihr temporäres Zuhause; Brugg ihr Arbeitsort. Die Altstadt erinnere sie sehr an jene in Burgdorf, wo sie aufgewachsen sei, sagt sie. Jetzt sind Heimatmuseum und Stäblistübli ihr Reich, die sie bis Ende Jahr teilzeitlich betreuen wird.

Was sind ihre wichtigsten Aufgaben? «Sammeln, bewahren, erforschen, vermitteln.» Die neue Museumsleiterin erhofft sich durch den Kontakt mit Brugger Schulen jüngere Besucher; sie möchte regelmässige Veranstaltungen installieren und: Sie möchte den Bekanntheitsgrad des Museums und des Stäblistüblis steigern. Zu ihren Aufgaben gehört aber auch die Konservierung der Objekte. «Es hat ganz spannende», sagt sie, weshalb sie einzelne als «Objekt des Monats» vorstellen will.

«Einzelne werden ausgeliehen»

Wie zur Bestätigung ist das Surren eines Apparates zu vernehmen. Anne-Marie Pinheiro wirft einen Blick auf einen an der Wand hängenden Kasten. Er zeigt die Temperatur im Stäblistübli an. «Das ist ganz wichtig, denn wir befinden uns hier in altem Gemäuer. Gemälde und Skizzen sind sehr empfindlich.»

Nicht verwunderlich, dass der Prävention und Konservierung der Gemälde grosse Bedeutung zukommt. Wer sie betrachtet, fragt sich unwillkürlich: Bleiben sie immer hier? «Nicht immer», sagt Marie-Anne Pinheiro, «einzelne werden auch ausgeliehen.» Zum Beispiel ein kleines Porträt des Reformators Calvin, das als Dauerleihgabe im Landesmuseum Zürich hängt. Nicht nur darauf darf das Stäblistübli stolz sein. Adolf Stäblis Gemälde sind auch in einem der renommiertesten Museen der Welt zu finden – der Pinakothek in München.

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