Livestream
Dampfschiff verabschiedet sich mit Afro-Fusion-Konzert: «Schafft Platz zum Tanzen im Wohnzimmer»

An seinem letzten Anlass überträgt das Kulturlokal in Brugg live die Musik von Claudia Masika & Band. Bandleader Willi Hauenstein erzählt, warum der Livestream am Sonntag kein gewöhnlicher wird.

Maja Reznicek
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Am 28. Februar tritt Sängerin Claudia Masika im Dampfschiff auf.

Am 28. Februar tritt Sängerin Claudia Masika im Dampfschiff auf.

Bild: zvg

Sie gilt als Multitalent: Modedesignerin, Malerin, Musikerin. Vor rund 15 Jahren verliess Claudia Masika ihre ehemalige Heimat Kenia, um – wie sie in einem Gespräch mit der «Solothurner Zeitung» 2018 sagte – die Sonne Afrikas in die Schweiz zu bringen.

Mittlerweile hat die 33-Jährige bereits eine Europatournee hinter sich, begeisterte in Ländern wie Ungarn oder Österreich mit sogenannter Afro-Fusion. Dabei verbindet sie beispielsweise Elemente der traditionellen Gesänge in der Sprache der Luo, eines kenianisch-tansanischen Volks, mit modernen Sounds.

Liveauftritt von Claudia Masika am Uhuru Festival am 1. August 2018.

Youtube

Am Sonntag ist Claudia Masika & Band im Dampfschiff zu Gast. Mit einem Livestream-Konzert begeht das Brugger Kulturlokal seine Dernière. Der Betrieb wird nach 16 Jahren Ende März 2021 eingestellt. Umso mehr darf man sich auf die letzte Veranstaltung freuen, erwartet einen laut Bandleader Willi Hauenstein nämlich kein herkömmlicher Livestream, sondern ein spannendes, facettenreiches Konzert:

«Wir werden das Dampfschiff in eine farbenfrohe, stilvolle Kulisse verwandeln. Für die Übertragung arbeiten wir mit professionellen Ton- und Videotechnikern.»
Man wolle am Konzert auch «interessante Bilder» bieten, sagt Bandleader Willi Hauenstein.

Man wolle am Konzert auch «interessante Bilder» bieten, sagt Bandleader Willi Hauenstein.

Bild: zvg

Am besten sei es, zu Hause gute Kopfhörer oder Boxen einzusetzen und Platz zum Tanzen im Wohnzimmer zu schaffen.

Manche der Profi-Musiker mussten auf Jobsuche gehen

Wie für viele Kunstschaffende war das letzte Jahr für Claudia Masika & Band ein hartes. Unter anderem wurde die geplante Englandtour im letzten Sommer abgesagt. Willi Hauenstein sagt:

«Vor allem die Profis, die den Lebensunterhalt zu einem grossen Teil mit Konzertgagen bestreiten, mussten kreativ werden oder auf Jobsuche gehen.»
Willi Hauenstein ist Bandleader.

Willi Hauenstein ist Bandleader.

Bild: zvg (28. November 2019)

Sie hätten sich aber gegenseitig unterstützt und motiviert. Zudem führten die Musiker eine Reihe von Aktionen durch: Im ersten Lockdown traten sie im Garten auf, was gestreamt wurde, im Sommer organisierten sie ein kleines Workshopfestival, im November gab es Hauskonzerte. Dies immer im Rahmen der gerade geltenden Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheit, wie der Bandleader ergänzt.

Dabei hätten sie viel Zuspruch und Dankbarkeit von Teilnehmenden und Fans erhalten: «Das hat uns umso mehr motiviert, weiterhin dranzubleiben.» Dieser Zuspruch fehlt den Künstlern etwas bei Livestreams. Hauenstein erklärt:

«Es ist schon sehr speziell, wenn man weiss, dass das Publikum dabei ist, aber kein Applaus, also kein unmittelbares Feedback, nach einem Song kommt.»

Da die Band aber seit dem letzten Livestream im April 2020 nicht mehr mit allen Mitgliedern gemeinsam habe spielen können, würden sie darauf brennen, endlich wieder zusammen Musik zu machen. Umso mehr freue man sich auf den Sonntag: «Da wird bestimmt viel positive Energie frei. Wir werden schon am Vortag das Dampfschiff einrichten, dekorieren und ausgiebig proben.» Der ganze Event findet mit Schutzkonzept statt.

Gewisse Songs sind von der aktuellen Situation beeinflusst

Neben den Livestreams konzentriert sich Claudia Masika & Band seit letztem Jahr auf die Produktion eines neuen Albums. Hauenstein sagt: «Das gibt uns bei aller Ungewissheit in der Kulturszene eine gewisse Perspektive.» Von den neuen Songs handelt keiner direkt von Corona, einige seien aber sehr wohl durch die aktuelle Situation beeinflusst.

Endlich wieder gemeinsam auf der Bühne stehen: Das können Claudia Masika & Band am kommenden Sonntag.

Endlich wieder gemeinsam auf der Bühne stehen: Das können Claudia Masika & Band am kommenden Sonntag.

Bild: zvg

Hauenstein führt aus: «‹Rafiki› zum Beispiel handelt von Freundschaft und Zusammenhalt, was in dieser Zeit etwas vom Wichtigsten ist. ‹Times Flies› beschreibt, wie die Zeit verrinnen kann, wenn man wartet, bis etwas passiert. Man muss sich der Situation anpassen, auf sich selbst vertrauen und Dinge anpacken, auch wenn der Weg steinig sein kann.»

Für die Produktion der Lieder sind gemäss dem Bandleader nie mehr als drei Personen gleichzeitig im Studio. Glücklicherweise könnten einige der Musiker zu Hause Aufnahmen machen. So sei es möglich, Ideen über das Internet auszutauschen und die Vorproduktion der Songs zu erstellen. Willi Hauenstein führt aus:

«Bei ‹Rafiki› wollten wir einen Chor. Weil das momentan nicht möglich ist, mussten viele Leute einzeln ins Studio kommen und ihren Part singen. Dann haben wir die einzelnen Stimmen zum Chor zusammengefügt.»

Einen Vorgeschmack auf das neue Album gibt es voraussichtlich Ende März. Dann erscheint mit «Rafiki» die erste Single.

Dampfschiff Brugg Bye Bye Concert:
Claudia Masika & Band

28. Februar 2021, 18 bis 19 Uhr

Hier geht es zum Livestream

Eintrittspreis selbst bestimmbar über Twint: 078 888 16 43 / Paypal: paypal.me/livestream21