Effingen

SBB-Feier am Bözberg – Attiger: «Würde die Tunnelbohrmaschine am liebsten gleich kaufen»

Genau zwei Wochen nach dem eigentlichen Durchstich beim neuen Bözbergtunnel wurde das Ereignis in Effingen auch offiziell gefeiert. Das rund 350 Millionen Franken teure Bauwerk soll helfen, künftig noch mehr Güter von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.

Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ging vam 29. November der Durchstich beim neuen Bözberg-Bahntunnel in Effingen im Fricktal vonstatten. Aus Sicherheitsgründen sei dies nicht anders möglich gewesen, hiess es von den SBB. Offiziell gefeiert wurde der Durchstich nun am Mittwochabend, mit zweiwöchiger Verspätung. Verspätet trafen auch die offiziellen Gäste ein: «Es gab ein Problem mit dem Zug», sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig, als er Peter Füglistaler (Direktor des Bundesamts für Verkehr), Ruedi Büchi (Stellvertretender Leiter bei SBB Infrastruktur), Michail Stahlhut (CEO bei SBB Cargo International) sowie den Aargauer Bau- und Verkehrsdirektor Stephan Attiger willkommen hiess.

Auf einem improvisierten Podium, rund 100 Meter vom Tunnelportal entfernt, sprachen sie über die Bedeutung des Bauwerks. Peter Füglistaler hielt fest, der neue Tunnel sei ein sichtbares Zeichen für die Verlagerungspolitik des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Ruedi Büchi ergänzte, heute sei der Transport von grossen Sattelaufliegern mit einer Höhe von vier Metern erst auf der Lötschberg-Simplon-Linie möglich. Mit dem Fahrplanwechsel 2020 soll sich dies ändern – dann soll nicht nur der neue Bözbergtunnel in Betrieb gehen, sondern auch der Ceneri-Tunnel im Tessin fertig sein. Damit wäre dann auch die Gotthardlinie ein Viermeter-Korridor.

Eröffunungsfeier des Durchstichs am Bözbergtunnel.

Eröffunungsfeier des Durchstichs am Bözbergtunnel.

Im Beisein von Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr, und Landammann Stephan Attiger feiern die SBB den erfolgreichen Durchstich des Bözbergtunnels.

Attiger fordert guten Lärmschutz

Michail Stahlhut schätzt das Potenzial im alpenquerenden Güterverkehr auf rund 200 000 bis 400 000 Lastwagen, deren Ladung künftig auf der Schiene statt auf der Strasse transportiert werden könnte. Damit könnten zwischen vier und acht Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, rechnete Stahlhut vor.

Stephan Attiger betonte, der Aargau stehe als wichtiger Transitkanton im Ost- West- und Nord-Süd-Verkehr zum Ausbau der Bahninfrastruktur. «Ich würde die Tunnelbohrmaschine am liebsten gleich kaufen, wir hätten schon ein paar Ideen, wo sie noch eingesetzt werden könnte», scherzte der Baudirektor. Attiger brachte aber auch konkrete Forderungen an die Adresse der SBB an. Einerseits müsse der Lärmschutz gewährleistet sein, wenn es künftig deutlich mehr Güterzüge durch den Aargau gebe. Neben den Vorschriften für leisere Güterwagen, die ab 2020 gelten, müssten auch weitere Lärmschutzwände gebaut werden.

7 Monate: Die Bauarbeiten am Bözbergtunnel im Zeitraffer (1.1.2017 bis 23.7.2017)

7 Monate: Die Bauarbeiten am Bözbergtunnel im Zeitraffer (1.1.2017 bis 23.7.2017)

«Mit rund 90 Kilometern verläuft der längste Abschnitt des künftigen Viermeter-Korridors nördlich der Alpen im Aargau», hielt Attiger fest. Neben dem Lärmschutz für die Bevölkerung verlange der Kanton auch eine angemessene Anbindung beim schnellen Personenverkehr, «wir wehren uns dagegen, dass die Züge im Aargau einfach durchfahren», betonte der Regierungsrat.

Feuerwerk und Filmprojektion

Nach der kurzen Diskussion begaben sich die vier Referenten zu einem Buzzer, drückten diesen gemeinsam und gaben damit symbolisch das Startzeichen für ein Feuerwerk. Als die letzten Raketen verglüht waren, wurde auf den inzwischen gereinigten Bohrkopf ein Film projiziert, der Impressionen aus der Bauzeit zeigte. Die Tunnelbohrmaschine hatte sich von März bis Ende November durch den Berg gefressen, nun ist die 2,7 Kilometer lange Röhre im Rohbau fertig. Die imposante Maschine hat einen Durchmesser von mehr als 12 Metern und arbeitete sich pro Tag rund 22 Meter vor. Ausgebrochen wurden rund 540 000 Kubikmeter Gestein, dies würde einen Zug von 220 Kilometern Länge ergeben. Tatsächlich wird dieses Material – anders als die Betonelemente für den Tunnel, siehe Artikel unten – auf der Schiene abtransportiert. Abgelagert wird das Gestein in der Deponie Oberegg von Jura Cement in Wildegg.

Wackliger Job: Die Arbeit der Mineure im Bözbergtunnel ist von ständiger Vibration geprägt

Wackliger Job: Die Arbeit der Mineure im Bözbergtunnel ist von ständiger Vibration geprägt

Ende 2020 sollen bis vier Meter hohe Sattelschlepper und Container durch den neuen Bözbergbahntunnel transportiert werden können. Eine Besichtung des 350-Millionen-Bauwerks.

Ebenfalls ab 2018 werden die Tunnelportale in Schinznach und Effingen erstellt, danah folgt der Einbau der Bahntechnik. Man sei beim Projekt im Zeitplan und auch der Kostenrahmen könne wohl eingehalten werden, sagte Ruedi Büchi von SBB Infrastruktur. Cargo-International-Chef Michail Stahlhut, der selber Deutscher ist, kommentierte: «Nach dem Gotthard ist der Bözberg ein weiteres Projekt, das just in time fertig wird. Da könnte sich Deutschland noch ein Stück abschneiden.» Er spielte auf den Unterbruch der Rheintalstrecke bei Rastatt an, die nach Problemen bei einem Tunnelprojekt im Spätsommer mehrere Wochen lang nicht befahrbar war.

Sehr wohl befahrbar ist der alte Bözbergtunnel, dessen Portal neben dem neuen liegt. Die vorbeifahrenden Züge sorgten bei der Feier für einen Running Gag: Mehrfach unterbrachen die Referenten ihre Ausführungen und sagten, das Geräusch der Güterzüge sei Musik in ihren Ohren. Dass sie gleich dreimal falsch lagen – es waren jeweils Personenzüge – sorgte für Lacher im Publikum. Dieses wärmte sich zuerst beim Tunnelportal mit Glühwein und heissen Marroni, nach der Feier dann mit einer Suppe im geheizten Festzelt – «und das ist nur der erste Gang», sagte SBB-Sprecher Ginsig.

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