Brugg
Tiefsinnige Texte und flotte Rhythmen am Hofstatt-Festival

Superstimmung am Hofstatt-Festival – auch wenn am ersten Tag ins Salzhaus gezügelt werden musste.

Ursula Burgherr
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Hofstatt Festival 2017
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Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Totale Hingabe bei den Soli der Brassband Traktorkestar
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Traktorkestar bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Traktorkestar bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Traktorkestar bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Traktorkestar bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Traktorkestar mit Gastsänger Simon Jäggi von den Kummerbuben bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Troubas Kater bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg
Hofstatt Festival 2017 Hofstatt Festival 2017 - Troubas Kater bei ihrem Auftritt in der Hofstatt Brugg

Hofstatt Festival 2017

Ursula Burgherr

«Lost Boy & Suicide Girl» singt Simon Jäggi von den Kummerbuben mit Grabesstimme während seines Gastauftritts bei der Bläsercombo Traktorkestar. Auch bei «Oh Slivovica» und «Absinth» kommt er mit bitterbösen Texten daher, die definitiv nicht jugendfrei sind. Dazu schmettern neun Bläser und drei Perkussionisten flotte Balkangrooves durch die Hofstatt. Bei so viel archaischer Urgewalt wippen sogar die sonst eher zurückhaltenden Zuschauer auf den hinteren Festbänken im Takt mit, während sie sich Streetfood wie Momos und Fackelspiess einverleiben. Die zwölf ausgebildeten Jazzmusiker der Berner Brassband Traktorkestar sind seit acht Jahren zusammen. Neben einem Rammstein-Cover wird in Brugg auch das Volkslied «S’Vreneli ab em Guggisberg» interpretiert und verwandelt sich im Mittelteil in eine flotte Polka. Ansonsten spielen die Musiker vorwiegend Eigenkompositionen.

Ihren Stil mit den messerscharfen Bläsersätzen bezeichnen sie als «Balkan Brass mit Kraft und Rhythmus». Aber Traktorkestar lässt es nicht nur krachen. Zwischendurch kommen melancholische Melodien zu Gehör, die an epische Filmmusik erinnern. Bei verschiedenen Soli zeigen die Instrumentalisten ihre Virtuosität. Das grösste Lungenvolumen muss Jürg Lerch an der Tuba haben. Er sei auch der einzige «Nichtraucher», meint Frontmann und Trompeter Balthasar Streit schalkhaft.

Troubas Kater auf der Bühne

Das Publikum zeigt sich nach den Auftritten von Hilfssheriff Tom und Traktorkestar begeistert und Hanspeter Stamm, OK-Präsident des Veranstaltungsteams kult4 ist happy. Am Freitag mussten das gesamte Instrumentarium von Sina und Pamela Mendez sowie alle Streetfood-Stände wegen des garstigen Wetters kurzerhand von der Hofstatt ins Salzhaus gezügelt werden. Trotzdem sei die Stimmung grossartig gewesen. «Wir haben für das zweitägige Festival Acts ausgesucht, die sich alle durch ihren speziellen Sound mit Wiedererkennungseffekt auszeichnen», sagt Stamm zum Line-up. Und dazu gehört natürlich auch Troubas Kater mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Rap, Balkansound, Folk, Tango, Chanson und Pop. Die Berner Band, die sich 2015 mit dem Ziel formierte, Strassenmusik zu machen, legte einen raketenmässigen Karrierestart hin. 2016 wurde sie als «Best Talent» für die Swiss Music Awards nominiert. Sänger QC gibt sich trotz des steilen Aufstiegs bescheiden. «Wer weiss, wie schnell alles wieder vorbei ist. Ich lebe den Moment und freue mich jetzt einfach auf unseren Gig in Brugg. Das wird eine riesige Party.» So wild wie er es sich vorstellt, gehts dann aber doch nicht zu in der Hofstatt. «Da isch ja huere idyllisch hie», stellt er etwas erstaunt fest. Dann lässt er seine tiefgründigen Texte sprechen. «I liebe wieni hasse die eso» heisst es in «Hassliebi». Es folgen Songs wie «Aus Egal», «Mach Fähler» und natürlich die erste Radiosingle «Latvia». Und auch wenn man seine Wortsalven im Stakkatotempo manchmal nur fetzenweise versteht, gehen sie zusammen mit den dichten Bläsersätzen, Akkordeonklängen und erdigen Drumrhythmen doch gehörig unter die Haut.