Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat im September 2016 die Sondiergesuche für die Regionen Jura Ost und Zürich Nordost beim Bundesamt für Energie (BFE) eingereicht. Die Gesuche zu den acht geplanten Bohrplätzen im Gebiet Jura Ost liegen seit Ende Februar öffentlich auf. Die Einsprachefrist dauert in diesem Fall bis zum 28. März.

Aus zuverlässiger Quelle hat die az erfahren, dass sich der Kanton gegen gewisse Nagra-Pläne sperrt. Konkret: Bei der Einrichtung und beim Betrieb der Endlager-Bohrstelle südlich vom Ortsteil Ursprung gegenüber dem Restaurant Vierlinden auf dem Bözberg würde der bestehende Wanderweg an der Hangkante zweckentfremdet.

Inhaltlich kann Giovanni Leardini, Sprecher des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), noch nichts zu den Vorbehalten von Seite Kanton sagen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Nur soviel: «Aktuell läuft das Gesuchsverfahren nach Kernenergiegesetz. Der Kanton ist zur Anhörung eingeladen, die Prüfung der Gesuche läuft», fährt Leardini fort. Einwände für Projektanpassungen oder Auflagen würden aufgenommen und dem Bund gemeldet.

Atomendlager: Die Nagra führte 2015 schon seismische Messungen rund um den Bözberg durch – Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung erklärt, was genau passiert.

Atomendlager: Die Nagra führte 2015 schon seismische Messungen rund um den Bözberg durch – Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung erklärt, was genau passiert.

Kanton hat bis Ende Mai Zeit

Die Frist für die kantonale Stellungnahme läuft laut Giovanni Leardini bis Ende Mai 2017. «Der Bund wird unsere Anliegen prüfen», so der BVU-Sprecher. «Wir gehen davon aus, dass der Bund die von uns eingereichten Projektanpassungen aufnimmt.»

Während der öffentlichen Auflage haben alle vom Projekt Betroffenen die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Die Interessensgemeinschaft «Bözberg ohne Bohrturm» wehrt sich gegen diese Sondierbohrungen und stellt auf ihrer neuen Website Informationen sowie Mustereinsprachen gegen alle acht Sondiergesuche zur Verfügung.

Zuständig für den Entscheid über die von der Nagra eingereichten Sondiergesuche ist das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Die Bewilligungen für die Bohrungen in den beiden Regionen Jura Ost und Zürich Nordost liegen laut BFE voraussichtlich Mitte 2018 vor. Mit diesen Projekten wird die Nagra den Kenntnisstand hinsichtlich der definitiven Standortwahl in Etappe 3 des Sachplans geologische Tiefenlager vertiefen.

Das Gebiet Bözberg Jura Ost

Das Gebiet Bözberg Jura Ost