Brugg

Wer Velo fährt, der wird belohnt: Drei junge Aargauer setzen auf Offline-Werbung

Mit Working Bicycle funktionieren drei junge Männer Velos zu Werbeträgern um und setzen trotz Digitalisierung auf Aussenwerbung.

In einer Welt, die immer digitaler wird, setzen drei junge Männer auf Offline-Werbung. Sie machen Velos zu Werbeträgern. Was in der Stadt Basel begonnen hat, wird nun unter anderem in Brugg und Baden fortgeführt. In Brugg haben die Brüder Luca (25) und Patrick (28) Tschudi aus Rheinfelden Jérôme Huber (22) aus Schwaderloch kennen gelernt. Gemeinsam sind Luca und Jérôme am BWZ zur Schule gegangen; sie alle haben eine Banklehre gemacht. Zu Geschäftspartnern wurden sie dann, als Luca Tschudi im Rahmen seines Wirtschaftsstudiums an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Basel und Brugg-Windisch die Idee hatte, Velos als Werbeträger zu nutzen.

Rasch holte er seinen Bruder Patrick und Jérôme Huber an Bord. Quasi über Nacht schrieben sie einen Businessplan, heckten gemeinsam Ideen aus und entschlossen sich dazu, eine Box aus nachhaltigem Birkenholz auf dem Velo-Gepäckträger zu fixieren. Die Box wird mit der jeweiligen Werbung von unterschiedlichen Unternehmen beklebt.

Velofahrende können sich für Werbung entscheiden

Warum gerade das Velo? «Die Nutzung des Velos nimmt in der Schweiz zu. Aus ökologischen Gründen, aber auch wegen der Urbanisierung», sagt Jérôme Huber, der nebst seiner Arbeit bei Working Bicycle noch sein Bachelorstudium in Wirtschaft an der FHNW in Brugg-Windisch absolviert. Die Idee funktioniert so: Velofahrende können sich bei Working Bicycle melden und sich bereit erklären, eine Werbebox auf ihrem Gepäckträger installieren zu lassen. Wer pro Woche mindestens 10 Kilometer fährt, wird mit Fr. 22.50 belohnt. Kontrolliert wird die gefahrene Strecke per App. Die anonymisierten Daten werden dann den Werbekunden zur Verfügung gestellt, damit sie den Werbeeffekt sehen. Im Übrigen können die Velofahrer selber entscheiden, welche Werbung auf ihren Gepäckträger kommt.

Montiert werden die Kisten jeweils am Samstag bei einem M-Way, einem schweizweiten E-Bike-Spezialisten. «Da treffen sich alle Velofahrenden und können sich austauschen oder uns Fragen stellen», erklärt Huber. «Das kommt gut an.» Gut kommt die Idee auch bei Werbekunden an. «Der Offline-Werbemarkt war wenig innovativ. Dann kamen wir mit unserer disruptiven Idee», sagt Jérôme Huber. Obwohl der Online-Werbemarkt ein hohes Wachstum verzeichnet, ist die Aussenwerbung dennoch stabil geblieben. «Zudem wirkt Aussenwerbung auf die Menschen sympathischer als die Online-Werbung, die auf dem Handy oder auf dem PC-Schirm aufpoppt», so Huber.

2018 gründeten die drei eine GmbH – Working Bicycle mit Sitz in Rheinfelden ist entstanden. Damit gewannen die Jungunternehmer auch die Swiss Startup Challenge der FHNW. Schon bald meldeten sich die ersten Werbekunden. Zu Beginn konzipierten die drei Männer sämtliche Boxen selbst und montierten diese auch. Heute übernehmen das soziale Institutionen. Im Raum Brugg-Baden wird das von der Stiftung arwo in Wettingen erledigt. «Uns ist wichtig, dass die Wertschöpfung regional ist und dass die Umweltbelastung möglichst tief bleibt», sagt Huber.

Start-up plant Ausbau – elf Städte kommen dazu

Inzwischen ist das Start-up Working Bicycle eine Aktiengesellschaft. Und die drei Männer haben grosse Ambitionen. Das Team ist inzwischen auf acht Mitarbeiter angewachsen, drei weitere stossen bald hinzu. Das ist nötig, denn sie planen einen kräftigen Ausbau. Bisher war Working Bicycle in sieben Städten – im Aargau nur in Aarau – vertreten. Nun wird in weitere elf Städte – darunter Brugg und Baden – expandiert. Gestartet wird mit den Kampagnen im April.

Damit kann das Rheinfelder Unternehmen auch grösseren Werbekunden eine Plattform bieten, weil diese häufig ein nationales Netz verlangen. Der Ausbau bedeutet zudem, dass es massiv mehr Velofahrende braucht. Wöchentlich kommen bis zu 200 Radfahrer hinzu, vor kurzem wurde die 6000er-Grenze geknackt. Geeignet seien jene, die mit dem Velo zur Arbeit fahren oder von zu Hause an den Bahnhof pendeln, sagt Huber. Auf der App können die Velofahrenden einerseits die zurückgelegte Strecke einsehen, andererseits aber auch den Kalorienverbrauch und die Einsparung von CO2 gegenüber dem Auto. Durchschnittlich spulen die Velofahrenden 30 bis 40 Kilometer pro Woche ab. Der Rekord liegt bei 200 Kilometern pro Woche.

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