Abtwil
Der neue oberste «Hündeler» der Schweiz ist Freiämter

Hansueli Beer ist neuer Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG. Damit ist er der oberste Hündeler der Schweiz. 305 Delegierten wählten ihn zu diesem Amt.

Ursula Känel
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Hansueli Beer ist Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft

Hansueli Beer ist Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft

Ursula Känel

Seine Schuhe sind verdächtig sauber. Heute etwa noch nicht draussen gewesen mit den Hunden? Hansueli Beer lacht und sagt: «Ich wollte – ehrlich! Aber am Morgen goss es in Strömen – und bei solchem Wetter sind unsere beiden Windhunde kaum vor die Tür zu kriegen.»

«Aisha» und «Toffy», zwei grazile Whippets, liegen faul in ihren Körbchen in Beers Büro und blicken gelangweilt in die Gegend.

Doch sie können auch anders, betont ihr Besitzer: Auf der Rennbahn etwa, wenn sie mit gegen 50 Stundenkilometern einer Hasen-Attrappe nachhetzen. Die beiden nehmen regelmässig an Windhunde-Rennen im In- und Ausland teil und konnten schon den einen oder anderen Erfolg für sich verbuchen.

Gratulationen en masse

Erfolg hatte auch ihr Herrchen vor einer Woche: Die 305 Delegierten der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG wählten den 49-jährigen Abtwiler, der verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat, einstimmig zu ihrem neuen Präsidenten.

Er ist Nachfolger des Berners Peter Rub, der sein Amt nach 18 Jahren zur Verfügung stellte. Seither quillt Beers elektronischer Briefkasten über, und auch via SMS treffen haufenweise Gratulationen ein. «Jemand meinte, mit diesem Job hätte ich finanziell sicher das grosse Los gezogen», sagt Beer mit einem Schmunzeln. Die Realität sieht anders aus: 5000 Franken erhält Beer für das Amt – pro Jahr, nicht etwa pro Monat, wohlverstanden.

Geld kann also nicht der Grund gewesen sein, sich für den Job des «obersten Hündelers» der Schweiz zu bewerben. Abgesehen davon: Der Verband gilt in manchen Kreisen als angestaubt und leidet an kontinuierlichem Mitgliederschwund.

Und: Hundehalter haben in der Gesellschaft nicht das beste Image. Hundehaufen auf dem Trottoir und Vierbeiner, die Rehe und Jogger jagen, sind ein Ärgernis – und auch die diversen Hundebissvorfälle der letzten Jahre haben deutliche Spuren hinterlassen.

«Ja, es gibt einiges zu tun», sagt Beer denn auch unumwunden. Das Vermitteln zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern sei ein Teil davon; daneben gelte es die Ausbildung von Zwei- und Vierbeinern weiter zu fördern. «Unsere Hunde hätten jedoch vermehrt positive Schlagzeilen verdient, sie leisten wertvolle Dienste etwa als Rettungs-, Blindenführ-, Therapie- oder Polizeihunde», so Beer.

Die kantonal unterschiedlichen Hundegesetzgebungen ärgern ihn gleichermassen, wie ihn Meldungen über Hundehandel bedrücken. Er hat zahlreiche Gespräche mit Züchtern, Hundesportlern, Jägern, Ausstellern und Tierärzten vor sich. «Sie sehen: Es gibt kaum ein vielseitigeres Gebiet als das Hundewesen.»

Sämi, der Yorkshire Terrier

Auch Beer selber hat zahlreiche Facetten. Seine kynologische Laufbahn startete er vor über zwanzig Jahren mit «Sämi», einem fünfeinhalb Kilogramm schweren Yorkshire-Terrier. Später wechselte er zu den Militärhundeführern und war mit einer Deutschen Schäferhündin namens «Rena» für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mehrere Wochen in Sarajevo im Einsatz. Den Schutzhundesport hängte er ein paar Jahre später an den Nagel - und entdeckte seine Liebe zu den Windhunden. Ein echter Paradigmenwechsel.

Und wie sieht die Agenda des neuen SKG-Präsidenten in den nächsten Wochen aus? «Die ist schon ziemlich gefüllt», sagt Beer trocken. Ein Sonnenstrahl fällt ins Büro. Windhunde-Wetter! Jetzt geht es erst mal auf den Spaziergang mit «Aisha» und «Toffy». Die richtigen Prioritäten setzen gehört eben auch zum Job des obersten «Hündelers» der Schweiz.