«Formel Junior»
Der selbstgebaute Freiämter Rennwagen ist zurück

Der Spenglermeister René Hirzel aus Widen gewann mit seiner Eigenkonstruktion Rennen. Die Geschichte eines 50-jährigen Rennwagens aus dem Freiamt.

Eddy Schambron
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In Hemd und Jacke: René Hirzel mit seinem eigenen Rennwagen 1965.ho

In Hemd und Jacke: René Hirzel mit seinem eigenen Rennwagen 1965.ho

Bernhard Taeschler, Sarmenstorf, der in der Technischen Leitung des GP Mutschellen sitzt, ist ganz begeistert: «Der Hirzel-Rennwagen kommt zurück auf den Mutschellen.» Er hat anhand von Presseberichten und mündlichen Angaben von Urs Hauenstein, der selber seit 1966 Rennen fuhr, die Geschichte des Freiämter Rennwagens ausgegraben. Vor 50 Jahren baute nämlich Spenglermeister René Hirzel in seiner Werkstatt in Widen einen Rennwagen der damaligen «Formel Junior». Das Einzelstück mit dem überarbeiteten und hubraumverkleinerten Motor aus einem Peugeot 203 wurde vom Konstrukteur am Schneeslalom in Arosa am 4. Februar 1962 eingesetzt. Hirzel gewann dieses Rennen vor dem späteren Schweizer Meister Harry Zweifel aus Glarus. Das kleine Fahrzeug mit dem auffällig hohen Heckteil verunfallte am Bergrennen Steckborn–Eihölzli im gleichen Jahr schwer. Es soll später verkauft worden sein und gilt seither als verschollen.

Eine richtige Eigenkonstruktion

Eine neue Konstruktion von René Hirzel entsprach der damaligen Formel 3 und wurde von ihm als Typ P17 erstmals am Bergrennen 1964 im Eigental eingesetzt. Die Eigenkonstruktion, an verschiedenen Rennen eingesetzt, war eine fachmännische Spenglerarbeit. Zwei robuste Stahlblechschalen bildeten eine Art selbstragende Karosserie. Der Motor stammte aus einem Simca 1000, das Getriebe vom Porsche 356 Carrera. Das Fahrzeug verfügte über eine doppelte Dreieck-Querlenker-Vorderachse. Die Bremsanlage und die Radsterne stammten aus einem Renault R8. Die Felgen wurden aus Alublech angefertigt. Der Rennwagen wog nur 350 Kilogramm und startete immer in der 1000er-Klasse. Nach dem Start am FRC-Rennen in Hockenheim im Jahr 1968 beendete René Hirzel seine Karriere als Pilot seiner eigenen Konstruktionen.

Klasse «formelfrei»

Doch im gleichen Jahr tauchte der P17 wieder in Hockenheim auf, allerdings mit Heinrich Baumgartner am Steuer. Am Bergslalom Reitnau von 1969 startete das Fahrzeug mit 1000 ccm in der Klasse «formelfrei», gefahren vom neuen Besitzer Max Rüetschi. Der letzte Eintrag in einer Rangliste war am Slalom auf der N1 von 1970, organisiert vom ACS Aargau. Der ACS organisierte immer wieder kurzfristig Slaloms auf den vor der Eröffnung stehenden Autobahnabschnitten.

Jetzt wird der P17 von Rennfahrer und Karosseriespengler Ruedi Rohr aus Hunzenschwil wieder hergerichtet, damit er am GP Mutschellen starten kann. Rohr ist der neue Besitzer des Fahrzeuges und kennt es noch von seiner eigenen Aktivzeit als Rennfahrer. Am GP Mutschellen wird dieses Einzelstück erstmals wieder dem Publikum präsentiert. «Ein veritables Stück Renngeschichte findet nach langer Zeit zurück an seine Geburtsstätte», freut sich Taeschler.