Merenschwand/Bern
Frau Bundespräsidentin, was war das Lustigste in diesem Jahr?

Die Primarschulklasse von Markus Weder aus Merenschwand traf Bundespräsidentin Doris Leuthard in Bern. Sie brachten ihr ein Ständli und wollten dies und das von ihr wissen.

Hanna Widmer
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Vier Schulklassen aus der Schweiz hatten das grosse Los gezogen und durften nach Bern zu Bundespräsidentin Doris Leuthard reisen. Zuvor war aber Arbeit angesagt: Die Kinder verkauften fleissig Abzeichen von Swissaid. An die 200 davon haben die 22 Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse von Markus Weder aus Merenschwand seit Februar verkauft.

Ein Zehntel des Erlöses daraus wandert vorerst in die Klassenkasse und dient im nächsten Jahr als kleiner Zustupf ans Lager. Es ist nicht das erste Mal, dass der Primarlehrer an einer Swissaid-Verkaufsaktion teilnimmt. «Aber das erste Mal, dass eine Klasse nach Bern eingeladen wurde», so Weder. Den Kindern habe das Verkaufen enorm gut gefallen, sagte er.

Doris Leuthard zeigte sich beim Empfang der vier Schulklassen aus Merenschwand, Bevaix NE, Wynigen BE und Rothenburg LU im Bernerhof guter Laune. Sie dankte – sowohl auf Schweizerdeutsch als auch auf Französisch – den Kindern für ihren Einsatz bei der Aktion und dafür, dass sie ein Stück Verantwortung übernommen und sich engagiert haben für Kinder auf dieser Welt, denen es nicht so gut gehe.

«Jetzt bin ich aber gespannt auf eure Präsentationen», meinte sie dann. Die Schüler und Schülerinnen hatten sich kräftig ins Zeug gelegt und zeigten für die Bundespräsidentin verschiedene Präsentationen.

Stolz auf die «eigene» Bundesrätin

Die letzte Präsentation gehörte der Klasse aus Merenschwand, dem Dorf, wo Leuthard Kind- und Jugendzeit verbrachte. «Wir freuen uns riesig, dass wir Sie besuchen dürfen», sagte Lehrer Markus Weder, «und sind mega stolz, dass wir nicht nur eine Aargauer, sondern sogar eine Merenschwander Bundespräsidentin haben.» Er könne sich noch sehr gut an den Moment erinnern, als Leuthard zur Bundesrätin gewählt wurde. Dann gehörte die Bühne den Kindern: «Hey Doris Leuthard», eigens umgeschrieben für die Bundesrätin, frei nach der Melodie von Pippi Langstrumpf, und «Im Aargäu sind zwoi Liebi» spielten sie fehlerfrei auf ihren Mundharmonikas.

Geschenkkorb für Doris Leuthard

Leuthards Gottenkind überreichte seiner Patin einen liebevoll zubereiteten Geschenkkorb. Und dann durften endlich auch die Merenschwander Kinder Leuthard Löcher in den Bauch fragen. «Wenn Gäste aus China in der Schweiz wären, was würden Sie ihnen zuerst zeigen?», fragte Xenia. Chinesischen Gästen würde sie die Berge zeigen, meinte Leuthard, denn viele seien fasziniert von den Alpen und sähen das erste Mal in ihrem Leben echten Schnee – «weshalb da nicht aufs Jungfraujoch hinauf fahren?» Bei der nächsten Frage zeigte sich Leuthard bescheiden: Was denn die drei wichtigsten Dinge seien, die sie in die Ferien mitnähme? «Meinen Mann, ein Buch und Zeit», meinte Leuthard, dann sei sie schon zufrieden.

Ihr lustigstes Erlebnis als Bundesrätin? Die «Attacke» von Simon Ammann bei den Olympischen Spielen, sinnierte Leuthard – als der Goldmedaillengewinner auf sie zugestürmt kam. «Da mussten wir alle ganz fest lachen.» Auch ganz Privates verriet die Bundespräsidentin: Am besten erhole sie sich im heimischen Reusstal – mit Laufen und Velofahren. «Wir leben schon in einer tollen Gegend, oder? Jetzt können wir hier gleich ein wenig Werbung machen fürs Freiamt», sagte Leuthard und schmunzelte.

Lehrer mit Maikäfern geärgert

Die Zeit war knapp – es reichte gerade noch für die letzte Frage: eine Erinnerung aus ihrer Schulzeit in Merenschwand? Leuthards Antwort zeigte, dass sie auch nicht immer brav war: «Dort, wo heute die Turnhalle steht, war früher eine schöne Wiese mit vielen Bäumen – die im Sommer stets voller Maikäfer war», sagte sie. Diese hätten sie gesammelt, um gewisse Lehrer, die sie nicht mochten, damit zu ärgern. Die Kinder fanden es lustig – und wer weiss, vielleicht bereute das eine oder andere, nicht schon dazumal zur Schule gegangen zu sein?

Dann musste Doris Leuthard auch schon weiter – ihr voller Terminkalender liess nicht mehr Zeit zu. Und auch für die Schulklassen war der Tag noch nicht zu Ende: Eine Bundeshausführung stand für die Viertklässler noch auf dem Programm. Wandelhalle, Nationalratssaal – beeindruckend ist «Doris’ Reich» allemal.