«Alpha 20 von 67, wie weit oben bist du?» Louis Frey leitet den Einsatz der Stützpunktfeuerwehr Muri+ und steht auf der Brücke unterhalb von Geltwil im Sörikertobel, während Roman Strebel den Sörikerbach hinaufwandert. Oben im Dorf ist ein Güllenschlauch leck geworden, die Kaninchengülle droht, die Lebewesen im Bach zu vernichten. Immerhin findet die Feuerwehr hier gute Bedingungen für ihre Arbeit vor. Sie kann gut zufahren, mit Sandsäcken eine Sperre bauen und mit Schwimmsaugern das verschmutzte Wasser abpumpen, während von einem Seitenbächlein unterhalb der Sperre weiterhin sauberes Wasser in den Bach fliesst und so die Lebensgrundlage für die Fische sicherstellt. Strebel meldet zurück: «Von der Gülle ist noch nichts zu sehen.» Im Dorf oben ist der Bach dunkelbraun. Es ist 8.16 Uhr.

Elf Mann der Stützpunktfeuerwehr sind daran, die Sperre zu bauen und eine Schlauchleitung in die Felder oberhalb des Baches zu legen. Das mit Gülle versetzte Wasser wird, sobald es kommt, abgesaugt und mit einem Wasserwerfer ins Wiesland verteilt. Frey schickt einen seiner Leute auf den Schadenplatz, um abzuklären, ob die Wiese beim Ort des Güllenaustritts abgespült werden muss. «Sonst haben wir möglicherweise ein Problem beim nächsten starken Regen.»

Zweite Spritze zur Sicherheit

Der Fischenzinhaber Toni Gassmann schaut vorbei, ist etwas entnervt. «Schon wieder», sagt er. Tatsächlich ist die Feuerwehr nicht das erste Mal am Sörikerbach, um Gülle abzuwehren. Der Wiederaufbau eines dezimierten Fischbestandes dauert Jahre. Die Kantonspolizei hat Wasserproben genommen, Werner Hofer vom Amt für Umweltschutz kommt auf den Platz. Es ist kurz vor 9 Uhr. Noch immer ist die Gülle nicht bei der Brücke angelangt. Eine zweite Motorspritze wird installiert, eine zweite Saugleitung gelegt. «Sicherheitshalber», erklärt Frey.

Zusätzliches Wasser

Die träge Fliessgeschwindigkeit des Sörikerbachs ist einerseits ein Vorteil, weil so genügend Zeit für den Aufbau der Sperre ist. Anderseits heisst es warten, bis die Gülle endlich bei den Schwimmsaugern ankommt. Und das dauert. «Wir speisen oben Wasser ab Hydrant in den Bach», kommt die Meldung per Funk. Damit wird der Abfluss der Gülle etwas beschleunigt. Frey ordnet an, den Geltwiler Wassermeister über den ausserordentlichen Wasserbezug zu orientieren. Bereits informiert ist die Leitung der Abwasserreinigungsanlage Muri. Es ist 9.05 Uhr. Für die Feuerwehrleute werden Getränke und Sandwiches gebracht.
10 Uhr. Immer noch keine Gülle. Sie erreicht die Wassersperre erst gegen 11 Uhr. Über die Mittagszeit schliesslich wird das anfallende, verunreinigte Wasser abgepumpt und auf die Wiese verteilt. «Es kommt hin und wieder vor, dass wir mit Güllenunfällen konfrontiert sind», sagt Frey. «Wo gearbeitet wird, kann halt auch mal etwas passieren.» Der Aufwand zur Schadenbegrenzung ist jedenfalls erheblich. Nachdem der grösste Teil der Gülle aus dem Bach gepumpt ist, spülen um 13 Uhr Feuerwehrleute ab Hydrant zusätzliches Wasser in den Bach. Dann gilt es, Geräte und Schläuche wieder zusammenzuräumen. «Noch eine, zwei Stunden», mutmasst Feuerwehrkommandant Thomas Strebel, «dann ist Feierabend.»