Eggenwil

Mitten in der Nacht: Dreister Dieb raubt Hoflädeli aus – Zeugenaufruf auf Facebook geht viral

Dreister Dieb im Hofladen Eggenwil

Dreister Dieb im Hofladen Eggenwil – so berichtete Tele M1 am Montagabend.

Das Hoflädeli vom Eggenwiler Wisli-Hof wird zu nächtlicher Stunde bestohlen. Via Facebook startet die Familie Belser nun einen Zeugenaufruf.

Hoch über Eggenwil thront der Wisli-Hof der Familie Belser. Mit majestätisch schönem Fernblick in Richtung Reusstal und darüber hinaus. Ein Familien-Bauernhof. Ein Idyll, das seit der Nacht auf Montag einen Kratzer bekommen hat. Ein dreister Dieb lässt mitten in der Nacht um 2.50 Uhr die Kasse des kleinen, schmucken Hofladens und einen Sack voller Produkte wie Nudeln, gebrannte Mandeln oder Apfelringe mitlaufen. Er flüchtet unerkannt.

Schon vierzig Minuten später startet der Wisli-Hof-Shop auf Facebook einen Zeugenaufruf mit Bildern der Überwachungskamera – «Wer kennt diesen Täter?» Bis Abends um 22 Uhr wird der Beitrag über 6000 Mal geteilt. Auch die Polizei schaut zur Tatbestandsaufnahme vorbei. 

Täter flüchtete zu Fuss im Taschenlampen-Schein

Hoflädeli-Betreiberin Tanja Belser schildert den Diebstahl so: «Unser Hund hat etwa um Viertel vor drei Uhr zwei, drei Minuten lang laut gebellt, sodass mein Mann und ich erwacht sind. Wir haben zuerst einen Fuchs vermutet, der sich herumtreibt, und nichts weiter gedacht. Dann erblickte mein Mann durchs Fenster jemanden, der sich gerade im Licht einer Taschenlampe zu Fuss davonmachte. Leider war der Täter schon weg, bis mein Mann unten war.»

Bei den Kommentaren der Facebook-Leser spürt man die Wut über die feige Tat. Jemand schreibt: «Ich finde Hoflädeli eine tolle Sache. Schade, dass es so miese Kerle gibt, die das Vertrauen so schamlos missbrauchen und alles klauen, das nicht niet- und nagelfest ist. Hoffentlich findet man den Kerl bald.» Oder «Das geht gar nicht. Eine bodenlose Frechheit.» Eine andere Leserin wünscht dem Täter: «Hoffentlich bekommt er von den geklauten Sachen Bauchweh.»

Kamera im Hoflädeli existiert erst seit November

Auf den Bildern der Überwachungskamera trägt der Dieb eine graue Kapuzenjacke, schwarze Hosen und schwarze Schuhe. Die Spekulationen bei den Kommentaren schiessen ins Kraut. Einige vermuten sogar, dass es sich beim Dieb auch um eine Frau handeln könnte. Tanja Belser meint: «Es muss jemand sein, der sich hier auskennt. Denn der Eingang ins Lädeli ist ziemlich versteckt, gerade im Dunkeln.» Und: Der Täter wusste offenbar, dass es eine Kamera gibt, und vermummte sich entsprechend. Die Kamera existiert im Hoflädeli aber erst seit dem vergangenen November. «Der materielle Schaden beträgt vielleicht um die 100 bis 150 Franken. Viel unangenehmer ist’s für die Psyche», sagt Tanja Belser.
Bei einem privaten Fahndungsaufruf in den sozialen Medien stellt sich immer auch die Datenschutzfrage. Einige Kommentar-Schreiber stellen dies zur Debatte.

Auf Anfrage erklärt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau: «Grundsätzlich ist es nicht verboten, wenn eine Privatperson Bilder von eigenen Überwachungskameras im Sinne eines Zeugenaufrufs publiziert. Heikel kann es hingegen werden, wenn Personen auf den Bildern eindeutig erkennbar sind. Bei vermummten Personen ist dieser Aspekt zwar weniger problematisch, doch es fragt sich dann, welchen Nutzen solche Bilder fahndungstechnisch ergeben. Wie hier bei einem Hofladen kann es auf mögliche Nachahmer abschreckend wirken, wenn sich zeigt, dass der Hinweis auf Videoüberwachung nicht bloss eine leere Warnung ist.» Allgemein rate die Polizei aber bei solch privaten Fahndungsaufrufen zu Zurückhaltung.

Schaden beträgt um die 100 bis 150 Franken

Der kleine Wisli-Hof-Shop ist bezüglich seiner durchgehenden Öffnungszeiten und dem für die Kunden stets zugänglichen Angebot eine Seltenheit unter den Hoflädeli. Die meisten ähnlichen Betriebe haben feste Öffnungszeiten tagsüber, während deren eine Person anwesend ist oder besitzen Verkaufsautomaten, die einen sicheren Verkauf rund um die Uhr ermöglichen.

Einen kleinen Trost gibt es für den Wisli-Hof-Shop und Familie Belser trotz des Diebstahl-Ärgers. Die Solidarität in der Bevölkerung ist gross. Allein die Zahl der Fans auf Facebook hat sich innert Tagesfrist um fast zwanzig Prozent auf rund 600 erhöht.

Meistgesehen

Artboard 1