Wohlen
Sprungstelzen-Vermieter: «Nicht gefährlicher als Fussball»

Schwere Verletzung am Halswirbel und künstliches Koma – das sind die Folgen des Unfalls von Samuel Koch in der Sendung «Wetten dass…?». Freddy Tanner vom Funsportcenter Tanner äussert sich zum Umgang mit den Sprungstelzen.

Christine Fürst
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Freddy Tanner

Freddy Tanner

Zur Verfügung gestellt

Sind denn die Sprungstelzen einfach zu gefährlich? «Nein», findet Freddy Tanner. Er arbeitet in Brugg als Werkstattchef und ist Inhaber des Funsportcenters Tanner in Wohlen. Dort vermietet er unter anderem solche Sprungstelzen. «Wenn man normal mit den Sprungstelzen umgeht, passiert auch nichts. Es ist nicht gefährlicher als Fussball.» Den Unfall im «Wetten dass...?» hat Tanner nicht live im Fernsehen gesehen, erst später auf Internetportalen.

War das Auto zu lang?

Der Unfallhergang ist für Tanner klar: Samuel Koch nimmt Anlauf, der Audi A8 rast ihm entgegen, beim Absprung stützt Koch seine Hände kurz auf der Windschutzscheibe ab. Dies führt dazu, dass er aus seiner Flugbahn gerissen wird, nicht mehr genug Höhe hat und schliesslich am Boden aufschlägt. Freddy Tanner fragt sich jetzt. «Warum musste er über verschieden lange Autos springen? Warum reichten nicht vier bis fünf Smarts?» Bei einem langen Auto wie dem Audi A8 sei es sehr schwierig, noch genug Höhe gewinnen zu können. Doch er ist sich sicher: «Wenn man zu viel Risiko auf sich nimmt und den gesunden Menschenverstand nicht walten lässt, dann können eben solche Unfälle passieren.»

Trotzdem will er weiterhin die Sprungstelzen im Funsportcenter anbieten: «Sonst dürfte man ja auch keine Skier mehr verkaufen, denn auch auf der Piste gibt es Unfälle.»

Allerdings rät Freddy Tanner seinen Kunden auch immer zu guter Schutzkleidung: zu Knie-, Ellbogen- und Handgelenkschonern sowie einem Rückenpanzer und Helm. Auf die Federn in den Sprungstelzen wirkt ein x-faches des eigenen Körpergewichtes. Zudem ist eine Sprungstelze rund 4 Kilogramm schwer, also 8 Kilogramm, die zusätzlich getragen werden müssen. Das muss trainiert werden. Einfaches Joggen oder auch Sprünge brauchen viel Übung.

Idee kommt aus Deutschland

Die Idee dieser Sprungstelzen stammt ursprünglich aus Deutschland. Dort fanden sie aber keinen Anklang, bis sie in die USA gelangten. In den USA wurde die Funsportart weiterentwickelt und kam schliesslich wieder zurück nach Deutschland.

Vor rund zwei Jahren wurden die Sprungstelzen erstmals auch in der Schweiz vertrieben. Meist werden die Stelzen aus Spass an den Sprüngen benutzt. Doch sie haben einen angenehmen Nebeneffekt: Sie schonen die Gelenke und den Rücken, weil sie jedes Aufsetzen des Fusses am Boden abfedern.