Sins
Sternegucken im Freiamt: Wo der Kriegsgott auf die Jungfrau trifft

Die Naturfreunde Oberfreiamt hatten in der Nacht auf Samstag ein Rendez-vous mit Mars, Jupiter, Beteigeuze und Mond. Die Sterne zeigten sich besonders schön.

Andrea Weibel
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Mond, Jupiter, Plejaden und viele andere Sterne sahen die Sternengucker..JPG

Mond, Jupiter, Plejaden und viele andere Sterne sahen die Sternengucker..JPG

AZ

Kann man Dinge sehen, die es gar nicht mehr gibt? Am nächtlichen Sternenhimmel geht das, wie die Oberfreiämter Naturfreunde in der Nacht auf Samstag erfuhren. Per Teleskop betrachteten sie den Roten Riesen Beteigeuze, den Hauptstern des Sternbildes Orion. «Der ist aber schon lange explodiert», erklärte der 14-jährige Hobby-Astronom Raphael Bisang, der extra aus Windisch zum Sternguckeranlass nach Sins angereist war.

Realschullehrer Toni Schmid aus Muri, der den nächtlichen Ausflug aufs Dach des Wasserreservoirs leitete, gab ihm teilweise recht: «Wir sehen die Sterne nicht so, wie sie heute sind. Beteigeuze ist rund 640 Lichtjahre entfernt, wir sehen sie also so, wie sie vor 640 Jahren aussah.» Das gute Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörer lauschte gespannt seinen Ausführungen.

Perfekter Blick auf Jupiter

Um 22.30 Uhr hatte sich die Gruppe versammelt, auf ihrem Plan standen neben der Beteigeuze diverse andere Sterne – vor allem aber auch der Mond sowie die drei Planeten Jupiter, Mars und Saturn, die sie sehen wollten. Jupiter stand bereits nahezu senkrecht über ihnen, als sie das Reservoirdach, das mit drei Teleskopen und Feldstechern zur improvisierten Sternwarte umfunktioniert worden war, erreichten.

Jupiter mit seinen vier Galiläischen Monden war denn auch eines der Highlights der Nacht. «Die Monde sind genau in einer Reihe aufgestellt, und man sieht sogar die Streifen des Jupiters. Das hätte man nicht besser planen können», freute sich Schmid. Einer nach dem anderen stellten sich die Naturfreunde um das Fernrohr und staunten.

An einem zweiten Teleskop stellte Schmid, seit vielen Jahren begeisterter Sternenbeobachter, die Krater des Mondes scharf. «Entlang des Terminators, also dort, wo Schatten auf Licht trifft, sieht man die Krater besonders gut.» Tatsächlich waren sogar kleinere Krater sichtbar, die auf dem Grund von grösseren lagen. «Unglaublich», fand auch Jens Howoldt, seit November Präsident der Naturfreunde Oberfreiamt.

Kein Saturn wegen Zürich und Zug

Am sehnlichsten erwartete die Gruppe den Aufgang des Saturns, der derzeit sehr gut erkennbar sein muss. «Um 0.30 Uhr sollte er über dem Horizont sichtbar werden.» Mit Tee und genügend stellarem Gesprächsstoff versorgt, wartete die Gruppe gespannt. Doch diesmal hatten die Sterngucker Pech: «Von Zug und Zürich her ist die Lichtverschmutzung viel zu gross. Ausserdem ist es genau im Ost-Südosten etwas dunstig geworden.

Das wird nichts mehr», musste Schmid um 0.45 Uhr bedauernd verkünden. Dafür erheiterte er einige Zuhörer mit einem ungewollten Witz, als er stattdessen den Mars ins Visier nahm, der schon etwas höher stand. «Der Stern, der direkt neben dem Mars zu sehen ist, heisst Spica, der Hauptstern des Sternbildes Jungfrau. Der Mars steht also momentan in der Jungfrau.»

Mehr Infos zu den Naturfreunden Oberfreiamt gibts auf www.nf-oberfreiamt.ch

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