Widerstand
Grossaufmarsch der Coronaskeptiker: Bis zu 3000 Menschen demonstrieren in Wohlen gegen die Massnahmen des Bundes

Deutlich mehr Personen als erwartet folgten dem Aufruf zum Widerstand des Vereins Stiller Protest. Friedlich und gesittet, aber grösstenteils ohne Maske, demonstrierten sie gegen Maskenpflicht, Impfzwang und Ladenschliessungen.

Pascal Bruhin
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Bild vom Protestmarsch des Vereins «Stiller Protest» gegen die Corona-Massnahmen am 20. Februar 2021 in Wohlen.

Bild vom Protestmarsch des Vereins «Stiller Protest» gegen die Corona-Massnahmen am 20. Februar 2021 in Wohlen.

Andre Albrecht

Frühlingssonne, Menschenmassen und ein kühles Bierchen: Es hatte etwas von einem Musikfestival. Wenn da nicht Corona wäre. Bereits zum fünften Mal rief der Verein «Stiller Protest» zum Widerstand gegen Maskenpflicht, Ladenschliessungen und Impfzwang auf. Austragungsort der Demonstration war nach Zürich, St. Gallen, Zug und Aarau dieses Mal Wohlen.

«Wir sind absolut überwältigt, dass so viele von euch den Weg zu uns gefunden haben,» rief die Präsidentin des Vereins, die ihren Namen nicht in den Medien sehen will, ins Mikrofon. Tatsächlich folgten weit mehr Menschen dem Aufruf des Vereins als vermutet. Bis zu 1000 Demonstranten hatten die Organisatoren erwartet. Gekommen sind laut Organisatoren zwischen 2500 bis 3000. Damit wurde die Zahl der Teilnehmer des letzten Protestmarschs des Vereins am 6. Februar in Zug deutlich übertroffen. Damals nahmen rund 800 Personen teil.

Eineinhalbstündige Kundgebung

Besammelt hatten sich die Anhänger um 13 Uhr auf dem Wohler Merkurareal, gleich neben dem Chappelehof. Um 14 Uhr startete der Protestmarsch durch Wohlen. Es ging der Bünzstrasse entlang bis zum Bahnhof und dann über die Zentralstrasse zurück zum Merkurareal, wo daraufhin eine eineinhalbstündige Kundgebung folgte.

Unter den Rednern waren bekannte Grössen der Coronaskeptiker. Etwa Thomas Brändle, Zuger alt-Grossrat und Bäckermeister, der von einem «Suizid auf raten für die KMU» angesichts der Massnahmen des Bundes. Oder Patrick Jetzer, der einen alternativen Branchenverband gründen will. Die Präsidentin selbst fokussierte sich in ihrer Rede auf den negativen Einfluss der Massnahmen auf die Kinder.

Hier die Rede der Präsidentin im Video:

Die Kinder zu schützen, sei unsere Pflicht, sagt die Präsidentin vom organisierenden Vereins Stiller Protest.

André Albrecht

Auch Vertreter aus dem Gesundheitswesen meldeten sich zu Wort. Ebenfalls bestieg ein Wohler Gesicht das Podium: Kantonsschullehrer Markus Häni. Er wisse, dass er mit seinem Auftritt seinen Job riskiere, aber er müsse das jetzt einfach tun, meinte er vor der jubelnden Menge.

Er habe Hass erfahren im Vorfeld dieses Auftritts, sagt Häni unter anderem.

Pascal Bruhin

Gebetsmühlenartig riefen die Organisatoren die Teilnehmer zur Einhaltung der Maskenpflicht auf - nicht ohne Ironie und gefolgt von Gelächter aus den Reihen. Geschätzte zwei Drittel der Demonstrierenden verzichtete auf das Tragen einer Maske. Die anwesende Regionalpolizei Wohlen, unterstützt von Kollegen der Kantonspolizei, schritt jedoch nicht ein. Um 16.30 Uhr war die Kundgebung vorbei und die Menschenmenge löste sich allmählich auf.

Trotz Maskensündern und deutlich mehr Demonstranten, als ursprünglich bewilligt, zieht die Kantonspolizei ein positives Fazit: «Die ganze Demonstration verlief sehr ruhig und gesittet», sagt Aline Rey, Mediensprecherin der Kapo, auf Anfrage. Weder die Repol noch die Kantonspolizei hätten eingreifen müssen. Auf eine Kontrolle der Teilnehmer habe man verzichtet, da der Aufwand dafür unverhältnismässig hoch gewesen wäre.

Die nächste Kundgebung des Vereins Stiller Protest ist für den 6. März geplant. Der Ort ist noch nicht bekannt.

Bis zu 3000 Personen sind laut Organisatoren in Wohlen zusammengekommen.
30 Bilder
Sie haben gegen die Coronamassnahmen demonstriert.
Mit Lautsprecher-Durchsagen wurden die Teilnehmenden aufgefordert, Masken zu tragen. Allerdings nicht ganz ohne Ironie.
Viele der Teilnehmer trugen im Voraus bestellte Schutzanzüge.
Auch Alain Berset nahm teil – oder zumindestens jemand, der den Gesundheitsminister imitierte.
Viele Teilnehmer trugen keine Maske.
Weitere Impressionen der Kundgebung.
Der Tross zieht durch Wohlen.
Ein Teilnehmer hat seine Forderungen aufgeschrieben.
Die Präsidentin des Vereins «Stiller Protest» bei ihrer Rede.
Weitere Impressionen der Kundgebung.
Die Teilnehmenden bilden die «Menschenkette der Liebe» in Wohlen.
«Die Menschenkette der Liebe.»
Zuger alt Kantonsrat und Bäckermeister Thomas Brändle zu den Massnahmen: «Es ist ein Suizid auf raten für die KMU.»
Diese Yogalehrerin will, dass sie ihr Studio wieder öffnen kann. Sie sagt: «Ich kann das Wort Solidarität nicht mehr hören. Mit uns geht man alles andere als solidarisch um.»
Familientherapeutin Mana: «Nicht der Virus tötet, sondern die Massnahmen dagegen.»
«Dialog unmöglich», schreiben diese Teilenehmenden auf ihren Plakaten, beobachtet werden sie von einem Polizisten.
In Wohlen haben sich viele Corona-Skeptiker eingefunden.
«Demokratie wird überschätzt», meint ein Demonstrationsteilnehmer.
«Verbrechen an Kindern stoppen», fodert einer der Teilnehmenden.
Ob das nur 1000 Leute sind?
Die Demonstranten ziehen durch Wohlen.
Am Nachmittag laufen die Demonstranten durch Wohlen.
«Moderne Sklaven tragen Masken» steht auf einem Schild einer Demonstrierenden in Schutzanzug.
Das Merkurareal füllt sich am Mittag mit Menschen.
Das Merkurareal in morgendlichen Nebelschwaden. Noch ist hier Ruhe.
Hier werden am Nachmittag 1000 Coronaskeptiker erwartet, um gegen die geltenden Massnahmen zu protestieren.

Bis zu 3000 Personen sind laut Organisatoren in Wohlen zusammengekommen.

Andre Albrecht

Was hat die Menschen motiviert, in Wohlen gegen die Coronamassnahmen zu demonstrieren?

Einige Teilnehmende äussern sich, warum sie am Samstag nach Wohlen gefahren sind.

Pascal Bruhin

«Ich will nicht, dass unsere Kinder unter Depressionen leiden müssen, dass sie sich Masken tragen und sich Massentests unterziehen lassen müssen. Das kommt für mich einfach nicht in Frage», sagt ein Demonstrationsteilnehmer.

«Um die Leute, die hier mitmachen zu unterstützen», sei sie hergekommen, sagt eine junge Frau. Sie wolle, dass man wieder etwas mehr Freiheit erlangen und «die Maske ein- für allemal in den Müll werfen» könne.

Stimmung friedlich

Die Teilnehmenden der Demonstration ziehen durch Wohlen und tun ihren Unmut vor allem mit Plakaten und Bannern kund. Sie bleiben aber friedlich, wie ein Video zeigt.

Die Demonstranten bleiben friedlich.

André Albrecht

Man solle gehorsam bleiben, sagt eine Stimme durch einen Lautsprecher. Auch ein einfaches «Maskenpflicht», ist wahrnehmbar. Hinterher laufen Hunderte von Menschen in weissen Schutzanzügen. Sie tragen Schilder auf denen Sprüche prangern wie «Dialog unnötig», «Nähe vermeiden für immer» oder auch «Singen tötet».

Die Corona-Skeptiker ziehen weiter durch Wohlen.

Pascal Bruhin