Sollten Sie im Europapark in Rust (D) im «Schweizer Dorf» mal ein Fleischplättli genossen haben, dann wurde das Fleisch darauf ziemlich sicher aus Obermumpf angeliefert. Seit Frühling 2007 kann die Metzgerei Bernet den Vergnügungspark beliefern.

Wenn es nach Roland Bernet geht, der das Geschäft im Januar seinem Sohn übergeben hat, darf es mit der Expansion so weitergehen.

Denn ebenfalls seit Januar ist das neue Logistikzentrum in Betrieb. Auf einen Schlag hat der Familienbetrieb so seine Kapazitäten verdoppelt.

Mehr Kühlraum, mehr Lagerraum und die modernsten Abpack- und Schneidemaschinen sind im neuen Gebäude untergebracht. Auf das Gramm genau können die Metzger im Computer gesteuerten System eingeben, wie schwer eine Wurst, ein Kotelett oder ein paniertes Plätzli sein soll.

Ganze Nordwestschweiz beliefert

Bereits heute liefert Bernet Fleisch in die gesamte Nordwestschweiz. Kunden sind Altersheime, Spitäler wie das Kantonsspital Aarau, Kantinen der bekannten Chemiekonzerne im Raum Basel, Restaurantbetriebe, Grossverteiler wie Migros und Coop und eben der Europapark.

Die Metzgerei Bernet war der erste Schweizer Metzger-KMU-Betrieb, der seine Ware in die EU liefern konnte. Mit seinen heutigen Möglichkeiten kann der Betrieb rund 10 000 bis 11 000 Menschen mit Fleisch versorgen – pro Tag.

Jede Nacht um drei Uhr geht es los. Dann schlüpfen die Arbeiter in ihre Arbeitskleider. Via eine Desinfektionsschleuse, welche die Hände und Schuhe mit Desinfektionsmittel absprüht, gelangen sie in den Arbeitsbereich.

Für die Hygiene wurde der Betrieb erst kürzlich mit einem neuen Zertifikat ausgezeichnet. Am frühen Morgen werden die Kunden-Bestellungen vorbereitet – die Maschinen packen im Sekundentakt Landjäger, Wienerli oder Schinken ab. Alles muss am selben Morgen ausgeliefert werden. «Die Kunden erwarten, dass unsere Produkte frisch sind. Und sie wollen es pünktlich geliefert bekommen», sagt Bernet.

Auch darum wurde der Neubau nötig. Die Wege sind jetzt näher, die Logistik einfacher. Da muss alles wie am Schnürchen klappen, denn hohe Qualität und Pünktlichkeit zeichnen den Betrieb aus. Nachlieferungen sind selten ein Problem.

Auch darum liess Bernet das Logistikzentrum in Obermumpf bauen. «So sind wir erstens nicht weit weg von unserem Stammbetrieb», erklärt er. «Zweitens sind wir von hier aus rasch in Basel, Zürich oder Aarau.»

Weitere Kunden anwerben

Dieser Raum soll nun erweitert werden. Bernet will jetzt, nachdem das Logistikzentrum gut angelaufen ist, die frei gewordene Zeit nutzen, um weitere Kunden anzuwerben. Und sollte das Geschäft weiter gut laufen, dann gibt es gar Möglichkeiten, weitere Räume im Neubau so umzugestalten, dass auch die als Arbeitsräume gebraucht werden können. Auch der frühere Standort soll jetzt umgebaut und erneuert werden.

Und obwohl der 66-jährige Roland Bernet die Geschäftsleitung im Januar seinem Sohn Christoph übergeben hat und jetzt eigentlich seine Pension geniessen könnte, will er sich weiter um das Geschäft kümmern. «Das ist mein Leben», sagt er. «Meine Frau und ich, wir sind beide keine Ferienmenschen.»

Acht Goldmedaillen in Stuttgart

Im Gegenteil: Roland Bernet ist nahezu euphorisch, was das Geschäft betrifft. Das hat auch damit zu tun, dass der Betrieb erst kürzlich an einer Messe in Stuttgart gleich 13 Medaillen für seine Fleischprodukte eingeheimst hat. Dazu kommt noch ein Pokal, der quasi den Gesamtsieg symbolisiert. «Das ist wie wenn ein Skifahrer die ganze Saison gut fährt und am Ende den Weltcup-Pokal erhält», erklärt Bernet. Gleich acht Produkte haben die Goldmedaille in Stuttgart gewonnen. Darunter die Kalbsbratwurst, der Fleischkäse, der Fricktaler Rohess- und Schinkenspeck. Darauf ist Bernet mächtig stolz. Seit 2007 hat die Metzgerei Bernet nicht mehr an solchen Wettbewerben teilgenommen. Umso grösser ist die Freude, dass der Betrieb nun an seine früheren Erfolge nahtlos anknüpfen konnte.