Veronika Wegmüller

20-Jährige aus Gipf-Oberfrick strickt seit acht Jahren – an einem einzigen Schal

Veronika Wegmüller denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Veronika Wegmüller denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Ihr Schal könnte viele Hälse wärmen. Mittlerweile hat Veronika Wegmüller aus Gipf-Oberfrick 93 Meter gestrickt. Alleine während des Lockdowns kamen ganze zehn Meter dazu.

Im berühmten «Guinnessbuch der Rekorde» steht sie noch nicht. Den weltlängsten Schal soll demnach ein Helge Johannsen aus Norwegen fabriziert haben: 4565,46 Meter, Strickzeit: 30 Jahre. Ganz so weit ist Veronika Wegmüller noch nicht – aber den längsten Schal von Gipf-Oberfrick hat sie mit ziemlicher Sicherheit gestrickt. 93 Meter sind es im Moment. Und ans Aufhören denkt die 20-Jährige nicht.

«Ich glaube, die ersten Maschen strickte ich im Sommer 2012», sagt Wegmüller. 12-jährig spielte sie mit ihrer Cousine Leonie Handarbeitsunterricht. Und sie kamen auf die Idee, einen Schal zu stricken. Anfangs dachten sie an einen «normalen» Halswärmer für Mami oder Papi als Geschenk zu Weihnachten. «Es hat aber so Spass gemacht. Ich konnte nicht aufhören», erinnert sie sich. «Später hat meine Cousine Flavia mit mir eine Wette abgeschlossen.» 100 Meter mindestens.

Die Wette gewann Flavia. 93 Meter beträgt die Schallänge aktuell. Auf allein zehn Meter schätzt Wegmüller den Zuwachs an Länge seit Beginn der Coronapandemie. Während des Lockdowns sass sie zwei Monate zu Hause. «Ich absolvierte ein Zwischenjahr mit Praktika. Die Schule, an der ich half, musste schliessen. Das liess mir viel Freizeit.» Strickend die Zwangspause zu verbringen – das war ihre Masche.

Ihre Enkel sollen daran das Stricken üben

Darüber, wie viel Wolle bisher über ihre Nadeln glitt, führt sie nicht Buch. Woher sie stammt, weiss sie: «Grösstenteils von meiner Handarbeitslehrerin.» Und als die nichts mehr hatte, ging sie dazu über, Lehrer, Freunde, Nachbarn und Verwandte «auszuplündern», wie sie lachend erzählt.

Wenn sie heute die 93 Meter abwickelt oder zu einem Teppich ausrollt, kommen Länderflaggen zum Vorschein. Diese in den Schal zu stricken, war eine Phase in ihrem Schaffen, das jetzt ins achte Jahr geht. Ansonsten, sagt sie, habe sie ausprobiert, wozu sie gerade Lust hatte – Hauptsache bunt.

Und wird der Schal eines Tages fertig sein? In ihrer Antwort auf diese Frage greift die 20-Jährige weit voraus in die Zukunft, hat ihre Nachkommen im Blick: «Zuerst dachte ich, bei 100 Metern ist Schluss. Aber es wäre schade, wenn meine Enkel nicht daran stricken üben könnten.»

Wer weiss, womöglich wird der Schal aus Gipf-Oberfrick es dann doch ins «Guinnessbuch der Rekorde» schaffen.

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