Fricktaler Politiker sind verärgert, der Regionalplanungsverband befürchtet, dass das Fricktal zur Randregion des Kantons verkommen könne, und az-Leser fordern einen Kantonswechsel, die Gründung eines Kantons Fricktal oder eines Grosskantons Nordwestschweiz. Grund dafür: Ende letzter Woche wurde bekannt, dass der Aargauer Regierungsrat im Rahmen des Sparpakets beantragt, die Subventionen an die Abonnemente des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) zu streichen (die az berichtete). In der regierungsrätlichen Botschaft heisst es: «Für die Abschaffung der Abo-Subventionierung muss die TNW-Vereinbarung mit den TNW-Kantonen und den Transportunternehmen neu ausgehandelt werden und abgeschlossen werden.» Derzeit gehören dem TNW neben dem Aargau auch die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Jura an. Zudem sind sechs Transportunternehmen beteiligt.

Einstimmigkeit nötig?

Laut dem designierten TNW-Präsidenten Andreas Flury braucht es für Änderungen der Vereinbarung grundsätzlich Einstimmigkeit. Flury sagt aber auch: «Wie das im konkreten Fall gehandhabt würde, ist noch offen. Wir werden das Schreiben des Regierungsrats Aargau analysieren und uns auf den Fall einer Zustimmung durch den Grossen Rat des Kantons Aargau vorbereiten. Den politischen Entscheidungsprozess werden wir mit Interesse verfolgen.» In der letzten periodischen Sitzung seien die TNW-Vereinbarungspartner vom Aargauer Vertreter über die Pläne des Regierungsrates informiert worden und hätten dies zur Kenntnis genommen.

Umsetzung unklar

Wie genau die Änderung umgesetzt werden soll, ist auch im Aargau noch unklar, wie Hans-Ruedi Rihs, Sektionsleiter öffentlicher Verkehr des Departements Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, auf Anfrage zugab. Klar ist einzig: Für einen Verbleib im TNW muss jemand den Differenzbetrag begleichen. Denkbar ist, dass der Kantonsanteil der Kosten vom einzelnen Abo-Besitzer übernommen wird. Eine weitere Möglichkeit ist auch, dass die Gemeinden, die bereits heute zwei Drittel der Abo-Subvention übernehmen, auch noch das dritte Drittel berappen. Die Gesamtsubvention pro Abo und Monat beträgt 25 Franken.

«Der Regierungsrat stellt nicht den Antrag, aus dem TNW auszutreten», betont Rihs, «es geht um die Streichung des Kantonsanteils der Subventionen.» Der Sektionsleiter bekräftigt auch nochmals die Aussage, die er schon im Frühling gegenüber der az gemacht hat: «Ein Austritt aus dem TNW wäre nicht sinnvoll. Die Verbundgrenzen entsprechen nämlich den Verkehrsräumen.» Rihs betont aber auch, dass die TNW-Linien einen deutlich geringeren Kostendeckungsgrad aufweisen als vergleichbare Linien im Kanton. In der regierungsrätlichen Botschaft ist von 5 bis 13 Prozentpunkten die Rede. «Der tiefere Kostendeckungsgrad deutet darauf hin, dass im TNW der Ertrag durch die Passagiere zu gering ist», so Hans-Ruedi Rihs. Und: Für Bewohner von anderen Aargauer Kantonsteilen sei nicht verständlich, warum die Fricktaler öV-Nutzer mehr subventioniert würden als sie und damit bevorteilt würden.