Etwas Vorstellungskraft braucht es noch. Aber eigentlich ist schon ganz gut ersichtlich, wie das im August aussehen könnte, wenn die Besucher am Dorffest in Zeiningen die speziellen Schlitten aus dem Dorf, die sogenannten «Einbeiner», ausprobieren können. Die Männerriege und der «Einbeiner-Plauschclub» bauen dafür mitten im Dorf einen fünf Meter hohen Turm auf, von dem eine Rampe – quasi als Piste – auf die Strasse führen wird. Der Turm mit Treppe steht schon, die Rampe wird in den kommenden Tagen aufgebaut.

In der Scheune eines leerstehenden alten Bauernhauses entsteht gleich nebenan eines der vielen Dorffest-Beizli. «Wir werden darin das einheimische Brauchtum thematisieren», sagt Adrian Bucheli vom Einbeiner-Plauschclub. Die Hauptattraktion sind dabei die einkufigen Schlitten. Sie haben im Dorf eine lange Tradition. Auch wenn niemand mehr so genau weiss, woher der Einbeiner eigentlich stammt.

Von Feuerwehr gerettet

Eine Geschichte besagt etwa, dass früher die Bauern im Winter auf den schneebedeckten Strassen damit ins Dorf fuhren, um dort die Milch in der Dorfkäserei abzugeben. Die Schlitten gleichen mit ihrer einzelnen Kufe und dem Brett zum Draufsitzen sogar eher einem Milchschemel denn einem Schlitten. «Aber es ist nicht ganz klar, ob diese Geschichte stimmt», sagt Bucheli und lacht.

Klar ist hingegen, dass die Tradition von der Feuerwehr gerettet wurde. Als die Einbeiner nämlich in Vergessenheit zu geraten drohten, gründeten einige Feuerwehrmänner 1981 den Plauschclub. Der Club hat heute rund 120 Aktiv- und Passivmitglieder. Einmal im Jahr findet ein «Einbeiner-Weekend» statt. Und hier entstand einst eine andere Geschichte, die wohl irgendwo zwischen Legende und Wahrheit einzuordnen ist. Während Jahren gastierten die Zeininger mit ihren Gefährten in Adelboden und veranstalteten dort grosse Abfahrten und Rennen.

Seither behaupten die Zeininger gern, die Adelbodner hätten ihnen die Einbeiner abgeschaut. «Seit wir mit unseren Einbeinern unterwegs waren, werden dort ganz ähnliche Schlitten verkauft. Sie nennen sie einfach Skigibel», sagt Bucheli und lacht. Böses Blut gibt es deswegen nicht, aber hier und da kleine Sticheleien.

Schlitten auf Rollen

Mit ihrem Beizli und dem Einbeiner-Turm wollen die Vereine den Brauch der Bevölkerung näher bringen. Für das Fest vom 24. bis 26. August haben sie den klassischen Einbeiner etwas adaptiert. Statt mit einer Kufe auf Schnee werden die Schlitten auf vier Rädern eines Rollbretts fahren. Diese können einfach montiert und auch wieder abgenommen werden. «Die Einbeiner sind jetzt sommertauglich», sagt Bucheli. Einen Prototypen gibt es schon, die ersten Testfahrten auf der Strasse sind absolviert. «Das Gefühl ist jenem auf Schnee ganz ähnlich – gerade was das Steuern über die Gewichtsverlagerung angeht», sagt Bucheli.

Bald soll auch auf der Rampe getestet werden. Diese wird rund vier Meter breit und 20 Meter lang. «Nach den Tests auf der Rampe schauen wir, wie sich der Prototyp bewährt und ob wir noch Anpassungen vornehmen müssen», sagt Bucheli.

Vorfreude steigt

Die Männerriege und der Plauschclub hoffen, dass sie am Dorffest die Besucher begeistern können. «Es wäre schön, wenn die Leute so viel Spass haben, dass sie im Club Mitglied werden», sagt Bucheli. Am Dorffest werden auch eigens dafür gebaute Einbeiner verkauft. Bei Bucheli und seinen Kollegen ist die Vorfreude auf das Fest gross. «Es gibt noch einiges zu tun, aber wir sind gut im Zeitplan», sagt er. «Es macht Spass zu sehen, wie der Bau Formen annimmt.»