Natürlich wird es an den Flugtagen in Schupfart auch laut und spektakulär. Wenn der Flugplatz am Wochenende vom 30. Juni und 1. Juli seinen 50. Geburtstag feiert, machen rund 30 Flugzeuge und Flugformationen die Aufwartung. Darunter sind die «Patrouille Suisse», die zwei einzigen noch fliegenden «Dewoitines» mit Jahrgang 1931 oder ein zweisitziger Doppeldecker des Typs Boeing PT-17 Stearman, der lange für die amerikanische Armee flog.

Aber: An den Flugtagen wird auch ein Augenmerk auf eine sicherlich weniger laute Seite der Fliegerei gelegt. Im kürzlich sanierten Hangar des Flugplatzes werden die Verantwortlichen eine Ausstellung unter dem Motto «Pioniere erzählen» einrichten. Die Besucher sollen einen Einblick in die Geschichte der Fliegerei erhalten – «von den ersten Hüpfern über erste Flugshows bis hin zu den Entwicklungen am Ende des Ersten Weltkriegs», sagt Stefano Ferrari, Mitglied des erweiterten OKs. «Die Geschichte gehört für mich zur Faszination Aviatik dazu.»

Seit 20 Jahren im Bau

Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammt auch das Ausstellungsstück, auf das sich Ferrari besonders freut: eine Nieuport 23C-1. Die Schweizer Fliegertruppe besass von 1917 bis 1921 fünf Maschinen dieses Typs. Es gehörte zu den am meisten eingesetzten Jagdflugzeugen im Ersten Weltkrieg. Das Flugzeug mit der Nummer 604 wurde von einem der bedeutendsten Fliegern seiner Zeit, dem Schweizer Oskar Bider, geflogen. «Er hat unter anderem als erster die komplette Alpenüberquerung von Bern nach Mailand geschafft», sagt Ferrari. «Bider war ein regelrechter Star in der Schweizer Fluggeschichte.»

In Schupfart wird nun ein Nachbau von Oskar Biders Flugzeug gezeigt. Seit knapp 20 Jahren sind Kuno Schaub und Isidor von Arx daran, die Nieuport 23C-1 aus dem Jahr 1917 nachzubauen – und zwar komplett detailgetreu, mit Originalmotoren und dabei auch noch flugfähig. «Eigentlich machen wir einen Lizenzbau, der einfach 100 Jahre nach hinten verschoben ist», sagt Schaub.

Motor aus Rom

In Heften der «Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschifffahrt» aus den Jahren 1916 und 1917 haben die beiden Tüftler die Pläne dazu gefunden, unter anderem in Rom einen Motor. Tausende Stunden haben sie seit Beginn des Projekts in die insgesamt drei Nachbauten investiert. Mehrere Jahre vergingen allein, bis sie den Rumpf der ersten Maschine fertig hatten. Die Nieuport hat eine Spannweite von 8,24 Metern und bei einem maximalen Abfluggewicht von 575 Kilogramm eine Reichweite von 250 Kilometern.

Für Kuno Schaub und Isidor von Arx ist das Projekt Faszination und Hobby zugleich. «Statt in den Turnverein zu gehen, bauen wir halt ein Flugzeug», sagt Schaub mit einem Lachen.

Ihre Werkstatt haben die Beiden in Egerkingen (SO). In Langenbruck (BL) – der Heimat Oskar Biders – betreiben sie ausserdem ein Museum zum Thema. Stefano Ferrari hat die Ausstellung der Flugzeugbauer gesehen und war begeistert. «Die Kombination von Handwerk und der Leidenschaft, all diese Stunden in das Projekt zu stecken – das ist einfach grossartig», sagt er.

Mittlerweile ist der erste Nachbau im Endspurt. Regelmässig werden die Fortschritte vom Bundesamt für Zivilluftfahrt überprüft. «Wir hoffen, dass wir bald grünes Licht kriegen und die Flügel mit Tuch bespannen dürfen», sagt Kuno Schaub. Danach soll das Flugzeug die endgültige Lackierung erhalten – natürlich originalgetreu wie 1917.

Jungfernflug 2019?

Für einen Flug wird es in Schupfart also noch etwas zu früh sein. Schaub und von Arx hoffen, dass es 2019 in Dübendorf soweit sein wird. Es wäre ein spezielles Datum: Im Juli 1919 nämlich stürzte Oskar Bider bei einem Akrobatikflug ab und verstarb. Das wäre dann genau 100 Jahre her.

Auch ohne Flugvorführung versprechen Schaub und von Arx den Besuchern spektakuläre Einblicke in die damalige Welt des Flugzeugbaus. Sie werden an den Flugtagen anwesend sein, Führungen anbieten und Fragen beantworten. Stefano Ferrari freut sich bereits auf den Auftritt: «Für mich persönlich ist das eines der Highlights an den Flugtagen.»