Und dennoch setzt er sich zur Wehr. Nur kommen seine Ideen für den Erhalt der ehemaligen Asylbewerberunterkunft zu spät: «Heute habe ich allen Mut zusammengenommen und ein Plakat angefertigt, mit dem ich durch das Dorf gefahren bin und auf die Rettung des Taglöhnerhauses aufmerksam gemacht habe», wandte er sich an die az Aargauer Zeitung.

Das Stempfelhaus besichtigt

Vor ein paar Tagen erhielt er von der Gemeinde die Gelegenheit, das Haus in Begleitung zu besichtigen. «Aber man hat mir strikte verboten, zu fotografieren. Mir ist schon klar, weshalb. Es hat nämlich im Parterre einen teilweise komplett neuen Betonboden, eine vollständig neue sanitäre Anlage/Kanalisation, datiert von 2009. Es hat neue Schächte, einen neuen Boiler und eine komplett neue Elektroinstallation, im Parterre und im Obergeschoss sogar per Fehlerstromschutzschalter abgesichert.»

Kaufmann weiter: «Ich bin der festen Überzeugung, der Gemeinderat hat uns Stimmbürger getäuscht. Ich überlege mir, welche rechtlichen Schritte ich unternehmen kann. So kann man mit seinen Bürgern nicht umgehen. Es hat im ganzen Haus nirgends Schimmel.

Die tragenden Balken bestehen aus Eichenholz, das habe ich festgestellt. Und mit den Gemeinderäten zusammen haben wir gesehen, dass die Betondecke von 1894 stammt. Es ist ein wunderschöner Naturkeller mit Steinen vorhanden. Es sind sämtliche Dachwasserabläufe perfekt abgeführt. Das heisst ganz klar, dass die Gemeinde das Haus in den letzten 10 bis 20 Jahren stets vorschriftsgemäss unterhalten und in Ordnung gebracht hat. Es ist unverständlich, dass man versucht, das ehemalige Flüchtlingshaus über die Hintertüre zu entsorgen – und das erst noch sehr knapp vor dem Flüchtlingstag vom 18. Juni. Das darf nicht sein.

Wenn nämlich die Menschen in Libyen und in Syrien Mut für Demokratie an den Tag legen, dann muss ich auch irgendeine Aktion für die Demokratie in Hornussen machen.» Sprachs und fuhr gestern Dienstag mit einem Plakat an seinem Veloanhänger durch das Dorf, auf dem er fordert, im Stempfelhaus sei eine Kindertagesstätte einzurichten.

Er betont: «Das Stempfelhaus ist substanziell viel besser imstande, als uns gesagt wurde. Es muss aufgeräumt und geputzt werden. Aber die Bausubstanz ist noch völlig in Ordnung. Jetzt, wo Millionen Menschen auf der Flucht sind, will Hornussen, kurz bevor die Kirche 300 Jahre alt wird, das Flüchtlingshaus abbrechen – das ist unglaublich, so etwas.»

Abbruchbeschluss ist rechtskräftig

In einer Stellungnahme hielt Gemeindeammann Claudia Balz Brunner fest: «Das Stempfelhaus wird in diesen Tagen abgebrochen. Der Gemeindeversammlungsbeschluss ist rechtskräftig, das Referendum wurde nicht ergriffen. Das Haus befindet sich in einem unbewohnbaren Zustand und kann niemandem als Unterkunft zugemutet werden. Nur mit Reinigung und Streichen ist es nicht getan. Versuche diesbezüglich haben schon stattgefunden, doch innert kürzester Zeit waren die Wände wieder grau. Ebenso sind die Einrichtungen veraltet und müssten ersetzt werden.»

«An der Gemeindeversammlung wurden der Bevölkerung Fotos aus dem Inneren des Hauses gezeigt, sodass sich die Anwesenden vom Zustand des Gebäudes selber ein Bild machen konnten», ergänzte Gemeindeammann Claudia Balz Brunner.