Die Sägen kreischen. Die Späne fliegen. Beim Werkhof des Forstbetriebes Mettauertal im Bossenhaus üben sich Forstleute in einem Kurs im kreativen Kettensägen-Schnitzen. Bald ist deutlich sichtbar, dass aus Lärchen-, Weisstannen- und Eichen-Stammabschnitten Eulen und Adler herausgearbeitet werden.

Plötzlich bricht der Lärm ab. Kursleiter Toni Flückiger aus Grünenmatt im Emmental, amtierender Schweizermeister im Holzschnitzen mit der Kettensäge und Leiter des Kurses, versammelt die Teilnehmer um sein Demostück. «Bis jetzt haben wir eine gute Form geschaffen», erklärt er in breitem Berndeutsch.

«Jetzt kommt das Ausschaffen. Dabei ist der ‹Gring› -- für Nicht-Berner der Kopf -- wichtig. Mit ihm bringt die Figur zum Ausdruck, wer sie ist. Noch Fragen?» Er greift zur Kettensäge und demonstriert, was er mit Ausschaffen meint.

Auftakt zum Holzerwettkampf

Der Kurs im kreativen Kettensägen-Schnitzen bildet gewissermassen den Auftakt zum Aargauischen Holzerwettkampf, der – organisiert vom Verein Waldwirtschaft Jura-Fricktal und dem Forstbetrieb Mettauertal - am 9. und 10. Mai in Gansingen stattfinden wird.

Zum Programm des Wettkampfes gehört auch das kreative Kettensägen-Schnitzen – allerdings ohne Rangierung. «Ziel des Kurses ist es, am Wettkampf rund 20 kreative Kettensägen-Schnitzer zu haben», sagt Förster André Schraner, Leiter des Forstbetriebes Mettauertal und Organisator des Kurses. «Denn ihre Werke werden am Schluss versteigert.»

Bei den Forstleuten ist das Interesse an der kreativen Arbeit mit der Kettensäge offensichtlich da. «Alle 30 Plätze für die jeweils eintägigen Kurse sind besetzt», freut sich jedenfalls André Schraner.

«Man hätte locker einen weiteren Kurstag anhängen können. Die meisten Teilnehmer haben noch nie so etwas gemacht. Ich bin überzeugt, dass am Ende des Tages alle zufrieden sein werden.»

Zufrieden ist auch Toni Flückiger, der vor gut 15 Jahren mit dem Kettensägen-Schnitzen begonnen hat und es heute profimässig betreibt. «Die Leute sind motiviert», stellt er fest. «Ich gebe ja sonst keine Kurse. Es ist aber schön, zu erleben, wie die Figuren entstehen. Für mich ist es auch erstaunlich zu sehen, was man, ohne Erfahrung im Kettensägen-Schnitzen, auf Anhieb machen kann.»

«Je länger je klarer»

Mit sichtlichem Wohlgefallen betrachtet Forstwart Reto Laduner die Eule, an der er arbeitet. «Es ist das erste Mal, dass ich so etwas mache», sagt er.

«Bänke und solche Sachen habe ich zwar schon gemacht. Aber keine Figuren. Am Anfang hatte ich etwas Mühe. Man kann sich die Form noch nicht so recht vorstellen. Aber je länger man dran ist, desto klarer wird es, und man sieht, wo man sägen muss.»

Dann klappt er das Visier herunter, lässt die Säge aufheulen und verleiht seiner Eule, nicht Flügel -- denn die hat sie bereits -- sondern auch noch Federn.