Bad Säckingen
Die «Fuchshöhle»-Wirte geben auf – sie sehen wegen Corona keine Zukunft

Der zweite Lockdown war zu viel. Das auch bei Schweizern beliebte Traditionsrestaurant in der Bad Säckinger Innenstadt verliert seine Pächter: Paul und Christina David kehren in ihre Heimat an die Ostsee zurück. Die Suche nach Nachfolgern läuft bereits.

Annemarie Rösch
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Angst vor Verschuldung: Koch Paul David gibt das Restaurant wegen der Coronakrise auf.

Angst vor Verschuldung: Koch Paul David gibt das Restaurant wegen der Coronakrise auf.

Bild: Annemarie Rösch

Die Coronakrise fordert ihren Tribut: Der Koch Paul David und seine Frau Christina geben das Traditionsrestaurant Fuchshöhle in der Innenstadt von Bad Säckingen auf. «Den ersten Lockdown im Frühjahr konnten wir noch verkraften, aber wegen des zweiten Lockdowns sind jetzt alle Puffer weg», sagt David. Er und seine Frau, die den Service leitete, wollen nun in ihre Heimat an die Ostsee zurückkehren. Das Verpächterpaar Barbara und Michael Adler hofft, dass es trotz der Coronakrise Nachfolger finden wird. Die Suche läuft bereits.

Noch bis spätestens Ende November, wenn der Pachtvertrag ausläuft, müssen die Davids in Bad Säckingen bleiben. «Wir hoffen allerdings, dass wir früher einen Nachfolger finden», sagt Paul David. Falls das bis dahin noch nicht geschehen ist, die Restaurants aber wieder öffnen dürfen, wäre er sogar bereit, vorübergehend wieder für Gäste zu kochen. «Wir hängen sehr an dem Restaurant. Unsere beiden Kinder haben wir hier grossgezogen.»

Umsätze von Restaurants sind eingebrochen

Es liege nicht an einer überteuerten Pacht, dass das Wirtepaar die «Reissleine zieht», wie Paul David es formuliert. «Die Adlers sind uns da sehr entgegengekommen», sagt er. Dennoch befürchten die beiden, dass sie bald in die Schulden abrutschen könnten. «Und das wollen wir nicht.» Seit November ist das Restaurant wegen des Lockdowns geschlossen. Laut dem Hotel- und Gaststättenverband sind die Umsätze von Restaurants und Hotels in ganz Baden-Württemberg coronabedingt um 43 Prozent zurückgegangen.

Der Eingang zur «Fuchshöhle» ist seit Beginn des Lockdowns geschlossen.

Der Eingang zur «Fuchshöhle» ist seit Beginn des Lockdowns geschlossen.

Bild: Annemarie Rösch

«Einen Lieferdienst wollten wir nicht machen, weil es sich nicht lohnt, darauf zu warten, dass zwei, bis drei Bestellungen am Abend kommen», sagt Paul David. Die Kosten liefen trotz Schliessung weiter:

«Neben der Pacht müssen der Ausschank und die Kasse gewartet werden. Da hängt ein ganzer Rattenschwanz hintendran.»

Das Wirtepaar, das das Restaurant seit 2013 führt, hat zwar die staatlichen Hilfen beantragt, sie kamen aber spät und nur zum Teil an. So geht es wohl vielen Wirten. Laut Bundeswirtschaftsministerium wurden 270'927 Anträge für die Dezemberhilfe gestellt mit einem Volumen von 4,21 Milliarden Euro. Ausbezahlt wurden bisher aber nur 1,78 Milliarden Euro. Nicht einmal die Hälfte der Unternehmen dürfte also bisher Geld gesehen haben. Der Hotel- und Gaststättenverband geht davon aus, dass ein Drittel aller Hotels- und Gaststätten in ihrer Existenz bedroht ist.

Trotz der schwierigen Lage seiner Branche will Paul David auch weiterhin als Koch arbeiten. «Kochen ist mein Leben», sagt er. «Ich bin nur glücklich, wenn ich Gastgeber sein kann.» Ob er sich wieder selbständig machen möchte, weiss er noch nicht. Vielleicht wird er auch nach einer Arbeit als angestellter Koch suchen. «Wir kommen aus der Tourismus-Hochburg Darss an der Ostsee», sagt er. Deshalb macht er sich keine grossen Sorgen, dass er Arbeit finden wird.